Kreuze zum Anbeißen

Das IntensivTheater Saarbrücken bot bei der ausverkauften Saarlandpremiere seines Musicals „Jesus Christ Superstar“ in der Neunkircher Gebläsehalle (Kultur-) Genuss für alle Sinne. Das Publikum war angetan.

"Johannisbrot, frische Datteln, geröstete Kichererbsen , alles für einen Silberling zu haben", preist die Händlerin ihre Waren und tritt schnell zur Seite, um den finster blickenden Hohepriestern Platz zu machen. An einem Stand laden Schüsseln voller Gewürze zum Schnuppern und Träumen ein, darunter gemahlener Kardamom und Kreuzkümmel, Zimtstangen, getrocknete Peperoni. Über dem israelischen Marktplatz - im Luftraum der Gebläsehalle - sind Wäscheleinen gespannt, an denen Hosen, Strümpfe und Leinengewänder trocknen. Kinder spielen mit weißen Steinen; auf mit Teppichen gepolsterten Podesten ruhen sich Besucher aus.

Und dann ist da noch dieser Handwagen voller getrockneter Pflanzen. "Ah, Rose von Jericho", meint jemand fachmännisch. Fast. Die echte Jericho-Rose, ein Kreuzblütengewächs, kommt zwar in den Wüstengebieten Israels vor. Doch bei dieser hier handelt es sich um die "unechte", einen von Arizona bis El Salvador verbreiteten Moosfarn. Bemerkenswert dabei ist: Nur das "Plagiat" gehört zu den wechselfeuchten, so genannten Auferstehungs-Pflanzen - und ist damit als Symbol prädestiniert für diesen besonderen Musicalabend, der sich um die letzten Tage und Stunden von Jesus Christus dreht.

"Mit unserem ganzen Enthusiasmus, unserem Willen, unserem Herzblut" hatten die Mitglieder des IntensivTheaters Saarbrücken unter Leitung von Musikmanager Tim Ganther, Theaterpädagogin Jenny Theobald und Musikstudent Timo Maul diese Saarlandpremiere vorbereitet. "Sie wollen Theater zu den Menschen bringen", würdigte Hausherr Jürgen Fried das Anliegen der jungen Leute, die mit ihrem ebenfalls Feuertaufe feiernden "Intensiv-Konzept" möglichst viele Sinne des Publikums ansprechen und einen nicht geringen Mehrwert über die eigentliche Aufführung hinaus bieten wollten. Was auf ganzer Linie gelungen ist.

Das lebendige Marktflair, die leckeren, in üppigen Mengen bereitgestellten Häppchen zwischendurch (Falafelbällchen an Minzjoghurt, ein Blätterteigkreuz mit Tomatensalsa, Hummus auf ungesäuertem Passahbrot), der Kontakt mit den Darstellern in der Pause und im Anschluss - alles passte, nichts wirkte gekünstelt oder überzogen, was auch auf das Musical selbst zutraf, welches mit großartigen Sängern bis in die Nebenrollen hinein und einem authentischen, leidenschaftlichen Spiel aufwartete.

"Ein tolles Erlebnis, herzlichen Dank", zeigte sich nicht nur Sozialministerin Monika Bachmann angetan. "Wir sind positiv überrascht", meinte Dagmar Henschke. "Tolle Stimmen, und insgesamt interessant arrangiert." "Das ist die Musik aus unserer Zeit", ergänzte Ehemann Ralf, der das Gesamtpaket als "nett gemacht" bezeichnete: "Aber ein gutes Nett." Mit dem "Plus" wie den "leckeren" Snacks hatte das Zweibrücker Ehepaar nicht gerechnet bei diesem Weihnachtsgeschenk ihrer Tochter, die ebenfalls mitgekommen war. So verwöhnt zu werden, "bin ich gar nicht gewöhnt", lachte Dagmar Henschke.

Judas Martin Herrmann – hier noch als priesterlicher Fremdenführer(rechts) – zeigt dem Volk von Judäa das Kreuz, an dem der Heiland stirbt, aufgestellt im Foyer der Gebläsehalle. Foto: Jörg Jacobi Foto: Jörg Jacobi

Gleich mit drei Generationen vor Ort war eine Schiffweiler Familie. Die Idee zum Musicalbesuch stammte von Trudel Kirsch. Die 70-Jährige nahm nicht nur ihren Mann Bernhard, sondern auch Nichte und Enkelin mit. Begeistert waren sie allesamt. Höchstens der Ton sei ein bisschen laut gewesen, "aber dann stellen die älteren Leute einfach ihr Hörgerät leiser". Empfehlen könne man diese "Jesus Christ Superstar "-Inszenierung unbedingt. "Konzept und Musik, da stimmt einfach alles", lobten die Kirschs. Und falls das IntensivTheater irgendwann mal etwas Neues heraus bringt, sei man gern wieder dabei. "Sie beflügelt zu sehen, ist unser Intensivmoment", hatte das Dreigestirn Ganther, Theobald und Maul vorab erklärt. Et voilà, gern geschehen!