| 20:45 Uhr

Bierbrauen ist Kreativität pur
Von Siegerposen und Grünhopfbier

Ganz entspannt beim Krea-Talk in der Brau-Manufaktur Bach in Neunkirchen (von links): Cornelia Feld, Julian Bach, Oberbürgermeister Jürgen Fried, Veronica Wirth, Michael Rennig und Edda Petri.
Ganz entspannt beim Krea-Talk in der Brau-Manufaktur Bach in Neunkirchen (von links): Cornelia Feld, Julian Bach, Oberbürgermeister Jürgen Fried, Veronica Wirth, Michael Rennig und Edda Petri. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Zum vierten Mal „Krea-Talk“, diesmal mit einem Bierbrauer und einer Tanzlehrerin. Veranstaltungsort war Bach’s Braumanufaktur. Von Kernig

Na dann mal los: Rechtes Bein vor, das linke zur Seite, schließen mit rechts. Links einen Schritt rückwärts, rechten Fuß zur Seite, schließen mit links. „Wie auf einer Rittersport-Schokolade oder einem Bierkasten“, kommentiert Veronica Wirth diese Quadratur des Walzertanzes. Zeit zum Fliehen hatte die Persönlichkeitstrainerin und „Expertin für Bewegung“ wohlweislich keinem der Anwesenden gelassen. Weshalb nicht nur Oberbürgermeister Jürgen Fried und seine Verwaltungs-Mitarbeiter, sondern auch die Gäste des vierten Krea-Talks spontan das Tanzbein schwingen mussten, wollten sie nicht als Spielverderber durchgehen.


Derart bewegt war noch keiner der Plauderabende gewesen, zu denen „NK Kreativ“ – die Dachmarke für Kunst, Kultur, Genuss und Kommunikation – bisher ins Saarpark-Center, in die Reithalle und zuletzt ins Arthouse in der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche eingeladen hatte. Dass damit das Potenzial an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten längst nicht ausgereizt ist, bewies man am Mittwoch mit Bach’s Braumanufaktur. Von außen unscheinbar in einer 08-15-Produktionshalle untergebracht, verhilft Julian Bach zusammen mit Braumeister Jürgen Deckarm von hier aus der Neunkircher Brautradition zu einem Revival der originellen Art.

Die Geschichte vom Zeitsoldaten, dessen in der Furpacher Gastronomie beheimateten Eltern ihrem aus Afghanistan heimkehrenden Sohn 2007 einen auf dem Küchenherd nach mehreren Versuchen ganz ordentlich zusammengebrauten „Willkommenssud“ kredenzten, ist hinlänglich bekannt. Von da an ging es steil bergauf. International heiß begehrt sind Bachs Nischenprodukte wie das Whisky-Bier. Ein Quantensprung vollzog sich mit der Anschaffung der 100 000 Euro teuren Abfüllanlage im Frühjahr. Gut 1000 Flaschen können damit pro Stunde abgefüllt und etikettiert werden. Was dazu führte, dass Bachs Biere inzwischen bei großen Handelsketten gelistet sind.



Wahrscheinlich als Erster überhaupt hat der 35-Jährige in diesem Jahr seinen eigenen Hopfen in Neunkirchen angebaut. Bereits abgeerntet, wurde Humulus lupulus direkt zu Grünhopfbier verbraut. „Das funktioniert nur in den ersten fünf Stunden nach der Ernte und an fünf Tagen im Jahr“, so Bach. Verkosten konnte man es allerdings nicht, es „liegt noch im Lager“. Acht Biersorten halte man im Moment vor. Auf die Frage aus dem Publikum, ob ein Hanfbier machbar sei, hieß es: Theoretisch in jedem Fall. Es fehle aber an Zeit. Tatsächlich in Kürze angeboten wird dagegen ein „Päpstin“-Bier, als Merchandising-Produkt für das gleichnamige Musical.

Bierbrauen ist „Kreativität pur“, daran ließ Gastgeber Julian Bach keinen Zweifel. Auch Veronica Wirth mangelt es nicht an Kreativität. Setzt sie doch in ihrem selbst entwickelten „Sucess in Motion“-Programm Tanzelemente im Personen-Coaching ein. Was die eigene Körperhaltung mit einem selbst macht und auf andere ausstrahlt, das vermittelte die ausgebildete Tanzlehrerin in ihrem erfrischenden Vortrag mit kleinen Bewegungsübungen. Auch wenn die meisten der Anwesenden die „Siegerpose“ und deren selbstoptimierende Wirkung schon gekannt haben dürften. Ausprobiert haben es wahrscheinlich bisher die wenigsten. Also alle mal die Arme weit nach oben strecken und ganz laut rufen „Mir gehört die Welt“. Den Versuch ist es wert.