| 20:21 Uhr

Roland Gebhardt
Mit Kollegen aus aller Welt auf der Bühne

Der gebürtige Neunkircher Roland Gebhard ist ein wahrer Meister an der Gitarre.
Der gebürtige Neunkircher Roland Gebhard ist ein wahrer Meister an der Gitarre. FOTO: Thomas Reinhardt
Der gebürtige Neunkircher Ro Gebhardt ist hier wieder zu Gast. Neue CD und ein gewonnener Preis.

Am 14. Dezember ist Ihr  Auftritt in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen. Was wird das Besondere an diesem Konzert sein?


Roland Gebhardt: Normalerweise spiele ich eher eigene Songs oder Standards aus der Jazz-Literatur mit und ohne Gesang. Aber diesmal gibt es vieles zu hören aus dem Pop-Bereich, Tango, Brasil. Pop-, Latin-, Jazz-Gassenhauer der letzten 100 Jahre.

Wird es künftig dann wieder mehr reduzierten Gebhardt geben?



Gebhardt: Wenn ich mir den Kalender 2019 angucke, sehe ich Solo-Konzerte, Duo-Konzerte. Konzerte mit meinem Berliner Quartett aber auch sehr große Projekte. Zum Beispiel im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz mit Kollegen aus aller Herren Länder. Auch die World-Music-Show „Nachtigall“ mit dem Traumfänger-Ensemble wird sich wieder zeigen.

Kann man zu den Überraschungsgästen schon ein paar Tipps geben?

Gebhardt: Ja, ich will ein bis zwei Wochen vor der Veranstaltung eh die Namen bekannt geben: Mein elfjähriger Sohn, der schon einen richtig anständigen Bass spielt. Der Portugiese Armindo Ribeiro: ein toller Brasil-Sänger und Akkordeonist. Und Amby an den Percussions. Wir planen für Ende 2019/Anfang 2020 ein „3 Generations“-Konzert. Mit ihm, Alec und mir. Dazu ein paar Gäste. Eine Hommage an die Stadt Neunkirchen und ihre kreativen Söhne und Töchter.

Sie  hatten ja schön öfter Auftritte mit Ihrem  Sohn, wird da die nächste Zeit noch mehr zu erwarten sein?

Gebhardt: Es sieht ganz danach aus. Aber er soll selbst entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, ihn dazu zu drängen. Es könnte sein, dass wir einige Jahre zusammen in verschiedenen Projekten verbringen. Aber vielleicht will er auch ohne seinen Papa auf die Bühnen gehen. Mir ist beides recht. Solange er Spaß daran hat, habe ich ein gutes Gefühl dabei.

 Und natürlich was ganz Wichtiges. Sie haben  den Musikeditionspreis 2018 gewonnen. Glückwunsch dazu. War das erwartet?

Gebhardt: Nein, ich war schon froh, dass das Werk bei AMA erscheinen konnte. Im Nachhinein hat sich das jedoch relativiert. Autoren haben recht fragwürdige Vertrags-Konditionen in der Regel. Um es gelinde auszudrücken. Das muss man erstmal am eigenen Leib erfahren und verdauen. Aber gut, dann kam sehr unerwartet die Preisverleihung im Rahmen der Frankfurter Musikmesse. Das hat den Absatzzahlen natürlich geholfen und wir freuen uns sehr darüber, dass das „Jazz-Alphabet“ dadurch in aller Munde ist. Aber ich darf versichern: Nur richtig gefreut hat sich bisher der Verlag.

 Welche Bedeutung hat der Preis für Sie  und wie wird er  Sie  und  Ihre musikalische Arbeit beeinflussen?

Gebhardt: Ich habe etliche Skripte in meinem Computer, die zum Teil auch wirklich interessante Themen abwickeln. Meine Komposition „Ola Ana“ ist unlängst erschienen. Als nächstes kommt er Sammelband „The Art Of Duo“. Ein Kombination aus Noten und Aufnahmen zum Mitspielen. Und es gibt noch etliche andere Sachen. Aber wie gesagt: bei den zu erwartenden Einnahmen muss ich mit der mir zur Verfügung stehenden Zeit leider ziemlich haushalten. Sowas wie „Mindestlohn“ gibt es bei uns weder als Autor noch als Musiker, der auf die Bühne geht und oft genug nichtmals als Instrumental-Lehrer. Je nachdem, wo man angestellt ist. Es gibt keine Gewerkschaft, keine wirkliche Lobby. Die Leute, die uns anstellen, können sich alles erlauben, weil hinter uns immer noch jemand anderes in der Tür steht. Mittlerweile viele aus Ost-Europa, Asien, Südamerika. Die Konkurrenz ist erheblich. Da kann man nur noch an das Ehrgefühl und die Vernunft der Geldgeber appellieren. Mir persönlich geht es recht gut. Ich bin breit aufgestellt in verschiedenen Bereichen. Aber würde ich heute noch einem Schüler den Schritt in die Konzert-Schiene raten? Wohl eher die Laufbahn-Kombination Konzert und Schuldienst.

 Sie sind  ja schon sehr lange musikalisch unterwegs, was hat sich eigentlich seit  Ihren  Auftritten beispielsweise im Blue Note in New York, im Duc de Lombard in Paris oder dem Aquarium in Warschau geändert?

Gebhardt: Persönlich weiß ich eher, wo ich stehe. Früher hat man davon geträumt, Weltstar zu werden. Dann spielt man eine Weile in einer Region, wo man Einsichten erlangt, wie es dort aussieht und positioniert sich. Als Familienvater von zwei Kindern in der Pubertät hat man noch andere Prioritäten im Leben. Zumindest mal so jemand wie ich. Als ich anfing, gab es in jeder Mittelstadt etliche Locations, in denen man gegen Gage aufgetreten ist. Dann kam die VHS-Kassette. Dann das Internet. Die Leute bleiben heute eher zuhause. Ich beobachte allerdings einen gegenläufigen Trend seit einiger Zeit. Man kann eben die Glotze nicht vergleichen mit einem echten Konzert-Erlebnis. Auch gibt es seit vielen Jahren eine Schwemme von Studienabgängern von Musikhochschulen. Fast jede Region ist mittlerweile mehr als versorgt mit regionalen Künstlern auf gehobenen Niveau. Früher musste man die Leute eher von außen einladen, um ein gutes Konzert hören zu können.

Welche Pläne gibt es?

Gebhardt: Ich hoffe, dass das Schicksal mir die Möglichkeit gibt, in geeignetem Rahmen noch recht lange zu konzertieren. Dass ich talentierten, jungen Leuten noch was mit auf den Weg geben darf und das die Gesellschaft es schafft, das Bewusstsein für kulturellen Genuss und Qualität aufrecht zu erhalten und zu bewahren. Wenn ich mir mal zufällig im Hotelzimmer das Mainstream-Programm im Fernseher angucke (zuhause haben wir keines mehr), bin ich doch zum Teil sehr überrascht. Da geht es überwiegend um Zeit-Totschlagen mit Billig-Produktionen, Quoten und viel, viel Werbung. ARD, ZDF und einige ihrer Kultursender kommen da noch recht gut weg. Aber die anderen??

 Sind Konzerte in der Geburtstadt eigentlich anders?

Gebhardt: Oh ja. Für mich ist das sehr persönlich. Viel Freunde, Bekannte. Meine Vergangenheit zieht an mir vorbei. Ich bin hier geboren und zur Schule gegangen. Meine Mentoren wie Johnny Kowa, Bernd Sommer, Amby sind einer der wichtigsten Gründe, warum ich überhaupt in die Musik gegangen bin. All das schwingt mit. Mit Mitte 20 bin ich dann weg. Und ich kehre immer wieder zurück. Die Stadt hat sich seitdem sehr verändert. Da fängt man natürlich auch an, über die Politik nachzudenken. Das Bild der Stadt hat sich stark verändert. In einer Geschwindigkeit, die meines Erachtens zu rasant ist. Da kann man ja kaum noch mithalten. In vielerlei Hinsicht.

Was erhoffst  Sie sich vom Publikum am 14. Dezember?

Gebhardt: Ich wünsche uns allen so sehr, dass wir gemeinsam eine gute Zeit verbringen. Einen lebenswerten Moment erfahren.