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Kommunikation in den Rathäusern in Zeiten von Corona

Krisenkommunikation : Wie Corona die Rathäuser revolutioniert

In Sachen Kommunikation mussten die Stadt- und Gemeindeoberen die gewohnten Pfade verlassen. Einige wurden dabei ganz schön kreativ.

Ob Dashboard, Video, Skype oder das gute alte Mitteilungsblatt – was die Kommunkation in Krisenzeiten anbelangt sind die Bürgermeister im Kreis und der Landrat breit aufgestellt. Krisenstäbe haben sie alle eingerichtet – aber auch hier unterscheidet sich die Art der Kommunikation. In Schiffweiler mag man es überwiegend traditionell. Hier wird, wie überall, im Zwei-Schicht-Dienst gearbeitet, der Krisenstab kommt nach Bedarf zusammen. Die externe Kommunkation, so erzählt Bürgermeister Markus Fuchs der SZ, läuft überwiegend übers einmal wöchentlich erscheinende Mitteilungsblatt. Aber auch die Homepage wird gepflegt und regelmäßig mit neuen Infos bestückt.

Letzteres läuft in Ottweiler auf eine ganz raffinierte Art und Weise. „Dashboard“ heißt die Grafik, die Bürgermeister Holger Schäfer hier installiert hat. Nach einem Punkte-System in den bekannten Ampelfarben erfährt der Besucher auf den ersten Blick, was erlaubt ist und was nicht. Auch der aktuelle Stand der Infektionen ist vermerkt: Im Kreis und in der Stadt.  Dazu gibt es jede Menge Lesestoff auf der Seite, eben alle Infos rund um das Virus. „Die Krisenkommunikation ist Chefsache“, sagt Pressesprecher Ralf Hoffmann. Der Chef zeigt sich deshalb auch regelmäßig bei Facebook, richtet direkte Appelle an die Bürger. Weil aber nicht jeder in der Stadt Facebook hat, fährt man in Ottweiler zweigleisig. „Die Schaukästen, in denen sonst nur die Bekanntmachungen sind, erhalten noch einmal eine ganz neue Bedeutung“, sagt Hoffmann. Denn hier wird alles das, was online steht auch haptisch angeboten.  Am Dienstag beispielsweise war das eine Liste mit rund 40 Gewerbetreibenden, die noch ausliefern, die noch in irgendeiner Form erreichbar sind. Gestern war Hoffmann dabei, alle Ansprechpartner in den Stadtteilen aufzulisten, die Nachbarschaftshilfe leisten.  Das kommt ins Netz und in die Kasten, sobald es fertig ist. „So sind wir wirklich für jeden erreichbar“, ist sich Hoffmann sicher. Doch nicht nur Informationsweitergabe ist dem Ottweiler Bürgermeister wichtig. Schäfer bemüht sich sehr, auch positive Impulse zu geben, den Menschen Mut zu machen. Aktuell hat er einen Malwettbewerb für Kinder ausgeschrieben.

Von einer „Revolution“ betreffs der Neuordnung des Arbeitsalltags spricht Illingens Bürgermeister Armin König. Kaum einer ist so stark im Netz aktiv, so firm, so up to date. „Innerhalb von zwei, drei Tagen haben wir intern alles umgestellt. Das war schon toll.“ Und ist bereits seit drei Wochen so. Schon lange komme der Krisenstab nicht mehr persönlich zusammen. Da gibt es eine Whats-App-Gruppe, es wird über Skype konferiert. Eine interne Internet-Plattform namens Isana fungiert als eine Art schwarzes Brett. Hier stehen alle zu erledigenden Aufgaben, für jeden im Rathaus einsehbar und ausstreichbar, wenn erledigt. „Auf diese Art hat unsere Kommunkation noch nie funktioniert“, sagt König. Mehr als zwei Personen seien so auch nie zusammen. König wird von Pressesprecher Thomas Keller unterstützt bei der Facebook-Seite und der Webseite der Gemeinde. Bis 5000 Likes pro Beitrag erhält König: Das kommt an. Betreut werden die Netz-Adressen quasi permanent, mehrmals im Laufe des Tages wird gepostet. 14 Bürgermeisterinfos hat es inzwischen schon bei Facebook gegeben, dazu drei Videos. Das letzte unter dem doppeldeutigen Titel „Sie sind mit Abstand die Besten“.

Für alle, die im Internet eher weniger unterwegs sind, lässt Illingen auch noch das Bürgertelefon eingerichtet. Doch da ist die Nachfrage eher gering, zwei, drei Anrufer pro Tag melden sich. Telefonisch läuft hingegen ebenso wie über Mail-Kontakt die Anfrage für den Bring-Service der Tafel. Denn – das noch am Rande – da packen jetzt jüngere Ehrenamtliche, die Gemeinde fährt aus. „Alles ist miteinander vernetzt“, freut sich König. Das gilt auch für die 50 Nachbarschaftshelfer und das digitale Hüttigweiler Tool „Eicherte helfen Eicherte“.

Ohne Internet geht auch in Spiesen-Elversberg nichts in diesen Zeiten. Zwar kommuniziert der Zwei-Schicht-Dienst innerhalb über Telefon, die Krisenstäbe allerdings kommen nicht persönlich, sondern nur über Whats-App-Gruppen zusammen. Infos für die Bürger gibt es auch hier über die Internet-Seite der Gemeinde und über Facebook. Weil das aber nicht jeder in den beiden Orten hat, läuft auch einiges auf die ganz traditionelle Art. Wie Bürgermeister Bernd Huf der SZ erzählt, werden aktuell Flyer von Haus zu Haus verteilt, auf denen die Nachbarschaftshelfer aufgelistet sind.

Das Nachrichtenblatt, das immer freitags erscheint, bleibt in Eppelborn ein wichtiger Kommunikationsfaktor. So hat man beispielsweise damals die Eltern frühzeitig über die Notbetreuung informiert. „Alle wichtigen Informationen rund um das Thema Corona haben wir auf der Homepage veröffentlicht und bespielen damit auch unsere Facebook-Seite“, sagt Bürgermeister Andreas Feld. Auch wenn man hier ebenfalls im Zwei-Schicht-Dienst arbeitet und auch hier das Rathaus eigentlich geschlossen ist, bleibt das Bürgertelefon während der Öffnungszeiten erreichbar. Intern, so Feld, hat man die Kontakte weitestgehend eingestellt, da wird elektronisch oder telefonisch kommuniziert.

Ausführliche Informationen rund um Corona hat auch die Gemeinde Merchweiler auf ihrer Homepage stehen, zum Lebensmittelbringdienst ebenso wie zur Allgemeinverfügung. Dort richtet auch Bürgermeister Patrick Weydmann das Wort an die Bürger, ermuntert dazu, die Allgemeinverfügung zu beachten.

Beim Neunkircher Oberbürgermeister Jürgen Aumann steht zurzeit das Handy nicht still. „Kommunikation ist in Krisenzeiten das Wichtigste – und nahezu rund um die Uhr.“ Telefon- und Videokonferenzen bestimmen den Tag des OB. Auch in Neunkirchen kommuniziert der Krisenstab ausschließlich digital. Auf der internen Plattform werden Lageberichte und neuste Meldungen ausgetauscht. Hier läuft auch ein, was an Problemen auftaucht, außerdem die Einsätze des Ordnungsdienstes. „Durch die digitale Vernetzung sind wir äußerst effizient“, fasst Aumann zusammen. Auch für Neunkirchen gilt Schichtbetrieb (mehr zur Erreichbarkeit des Rathauses siehe Seite C2). Die Kommunikation nach außen läuft vor allem über die Internetseite der Stadt, auf der ein eigener Bereich „Coronavirus“ eingerichtet wurde. Über die Facebook-Seite der Stadt gibt es regelmäßige Videobotschaften des OB mit aktuellen Entwicklungen oder auch Verhaltenstipps.

Wie es die sieben Städte und Gemeinde tun, so hält es auch Landrat Sören Meng. „Der Landkreis Neunkirchen hat seine Homepage erweitert. Darüber hinaus informieren wir via Facebook auf verschiedenen Seiten. Innerhalb der Verwaltung setzen wir auf Tele- und Videokonferenzen. Ich bin sicher, dass wir auch nach der Krise auf diese internen Kommunikationsmittel setzen werden. Das schont Ressourcen“, hat er gestern gegenüber der SZ kurz zusammengefasst, wie es im Landratsamt läuft. Ein ausführliches Interview über die Arbeit des Landrates in diesen Krisenzeiten folgt.