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Kommissar Josch ermittelt in Spiesen

Kommissar Josch ermittelt in Spiesen

Mit „Für Eich“ hat Klaus Brabänder einen Krimi mit Heimatbezug geschrieben: Ort des Geschehens ist Spiesen. Der verstorbene Horst Eich hinterlässt vier Millionen Euro – auf die aber gleich mehrere Leute Anspruch erheben.

. Wo rührt sie nur her, diese Faszination des Verbrechens? An diesem milden Frühlingsabend in der Buchhandlung König waren jedenfalls wieder alle Stühle besetzt. Wobei es in dem Fall mehr als der Reiz des Morbiden war, was magisch anzog. Die meisten Gäste kannten den in Neunkirchen geborenen Autor persönlich, als Nachbar, Freund, Schulkamerad oder "nur" als Leser. Und alle waren sichtlich froh, dass Klaus Brabänder es wieder getan hat: Nämlich einen Krimi geschrieben, der wie der Vorgänger "Sumpf" quasi vor Brabänders Haustür, sprich in Spiesen, spielt. "Die Orte der Handlung sind weitestgehend authentisch", versicherte der Schriftsteller, der seine Brötchen nach wie vor als Tiefbauingenieur bei der Gemeinde Schmelz verdient. Auch den Brunnenwanderweg gibt es (leider nicht der Hangarder, sondern der Ensheimer), vereinfacht habe er lediglich bei der Bezeichnung der zuständigen Polizeidirektionen: Da reichen K3, K4 und die Hundestaffel. An "LPP 1: Gefahrenabwehr/Einsatz" und "LPP 2: Kriminalitätsbekämpfung/Landeskriminalamt" muss sich niemand die Zähne ausbeißen.

Gebissen wird in "Für Eich" ohnehin weniger, stattdessen rummst und kracht es ordentlich - auch im Buchladen. Dafür sorgte Marion Reichrath, die ständig auf der Hut sein musste, die passende Geräuschsequenz zum richtigen Moment einzuspielen: Glockenläuten, Filmmusik aus "Beverly Hills Cop", Hundebellen - oder die Geräuschkulisse aus dem Spieser Rathaus-Café, all das sorgte für eine sehr lebendige Lesung, die der Autor genauso genoss wie die Zuhörer.

Mit einer Beerdigung setzte Brabänder ein: Horst Eich wird zu Grabe getragen und hinterlässt völlig unverhofft den wenigen Familienmitgliedern die stattliche Summe von vier Millionen Euro . Doch auf das Geld scheint auch ein Quartett zugezogener Junggesellen Anrecht zu besitzen. Und dann gibt es da noch den mysteriösen Unbekannten, der die engste Beziehung zu Eich gehabt zu haben scheint. Ab und zu erfreut der sprachlich versierte, wiewohl angenehm bodenständige Autor mit einem Bonmot: So folgt auf die Beschreibung eines trist rustikalen Schlafzimmers die schöne Schlussfolgerung: "Wer hier stirbt, war vorher schon tot."

Schlussendlich lässt Brabänder das gespannt lauschende Auditorium sogar am fulminanten Showdown teilhaben - wer da gejagt und gefasst wird, bleibt indes sein Geheimnis. "Der Fall ist gelöst, Josch (Kriminalkommissar Joachim Schaum) weiß es, ich weiß es, nur Sie wissen es nicht. Aber das kann sich ja ändern." Charmanter war man selten zum Kauf eines Buchs genötigt worden.