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Kolumne zur Straßenbenennung in Furpach

Das Erstaunen der Woche : Warschd du mol bei de Bachersch?

Die jüngste Entscheidung des Ortsrates Furpach-Kohlhof-Ludwigsthal in Sachen Straßenbenennung führt bei unserer Kolumnistin zu Unverständnis.

Ich bin e Neinkerjer Mäde. Das Blut von Generationen von Neunkirchern fließt – zumindest hälftig – durch meine Adern. Und nicht nur das: Meine Großeltern gehörten zu den ersten Siedlern in Furpach. Dort und im restlichen Gebiet, das heute ein Ortsrat betreut – nämlich Kohlhof und Ludwigsthal – habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Und darauf war ich stolz. Immer. Und nicht nur ein bisschen.

Und auch, nachdem es mich weggezogen hat – mal mehr, mal weniger weit – blieb das so. Von dem, auf das man stolz ist, von dem erzählt man gerne. Was gab es da? Ein reges Vereinsleben. Einen Weiher. Ein Gutshaus. Nett, aber nix, womit man wirklich anstinken konnte. Doch dann im Jahr 1979 geschah es. Margarethe Bacher, die Spätheimkehrerin aus Jugoslawien, einst Küchenhilfe im Hüttencasino und seit 1978 Besitzerin des Restaurants Hostellerie Bacher, bekam einen Michelin-Stern. Für eine Gastronomie am Stadtrand von Neunkirchen. Nah bei der – damals noch vor ihrem Wandel stehenden – Hüttenstadt. Die Neinkerjer konnten es selbst kaum glauben: Haute Cuisine vor der Haustür. Unfassbar. Und selbst, wenn die meisten die Hostellerie überwiegend ehrfurchtsvoll von außen betrachteten, so war sie doch da, unübersehbar, hochgelobt. „Warschd du schon bei de Bachersch?“ fragte es von Nachbar zu Nachbar. Wenn Besuch kam war ganz klar: „Geh mo mit denne zu de Bachersch, dass die mo guddes Esse krien und siehn, dass mir in Neinkerje me als nur Stahl mache kenne.“ 

Sie ahnen, wohin das führt? Ja. Zum völligen Unverständnis einer Neinkerjerin, eine solche Frau, mit einer solchen Biografie zur zweiten Wahl zu degradieren. Hatten die ne schlechte Nacht im Ortsrat, als sie sich gegen Margarethe Bacher als Namensgeberin für eine zugegeben kleine neue Straße entschieden haben? Und Leute: Das Argument, dass diese kleine Stichstraße der Frau nicht gerecht werde, dass das der Grund gewesen sei – wie in einem der vielen Facebook-Kommentare zu lesen – weshalb man sich mit einer Stimme Mehrheit dagegen entschieden habe, das Argument, das kommt mir ein bisschen zu spät. Da wird das letzte Wort noch nicht geschrieben sein.

Ach ja, nur mal so am Rande: Von ner Sandgrube – nie was gehört oder gesehen.