Klinik-Verkauf: Entscheidung naht

Die Pläne für eine Veräußerung des Städtischen Klinikums in Neunkirchen werden immer konkreter. Vielleicht kann der Stadtrat noch im August beschließen, ob einer der Bieter den Zuschlag erhält.

. Oberbürgermeister Jürgen Fried sowie die Chefs der beiden stärksten Fraktionen im Stadtrat, Willi Schwender (SPD ) und Karl Albert (CDU ), waren sich im vergangenen Jahr schnell einig: Die drohenden finanziellen Turbulenzen beim städtischen Klinikum erfordern rasches Handeln, damit die Probleme nicht dauerhaft und mit gravierenden Folgen auf den städtischen Haushalt durchschlagen.

Man schaltete die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) ein und begab sich mit deren Hilfe auf die Suche nach Kauf-Interessenten. Denn eines schien gewiss: Das "Städtische" allein würde trotz anerkannter medizinischer und pflegerischer Leistungen nur schwer aus den roten Zahlen kommen, die in Folge des gesundheitspolitischen Kurses auf Bundesebene inzwischen 60 Prozent aller kommunalen Kliniken schreiben. Die Probleme in Neunkirchen waren in ihrer ganzen Tragweite ziemlich überraschend zu Tage getreten. Gerade erst hatte die Geschäftsführung der Klinik den Anbau mit der Komfort-Etage gefeiert, da musste man die Aufsichtsgremien über finanzielle Nöte informieren. Jetzt steht fest, dass 2014 ein Minus von 4,2 Millionen Euro eingefahren wurde. Die Klinikleitung hat inzwischen interne Sanierungskonzepte erarbeitet und etwas Personal abgebaut, weil befristete Verträge ausliefen. OB Fried sieht "eine leichte Tendenz der Verbesserung". Aber von einer Kostendeckung könne auch in den ersten Monaten des Jahres 2015 keine Rede sein. Über allem schwebt der Finanzbedarf für notwendige Investitionen im Krankenhaus. Der OB bestätigt, dass es dabei wohl um 20 Millionen Euro in den nächsten zehn bis 15 Jahren gehen wird.

Ein Krankenhausträger , der über großes Know-how verfügt, weil er eine Reihe solcher Einrichtungen betreibt und durch Synergie-Effekte Einsparungen erzielt, könnte die Probleme wohl leichter meistern. So das Kalkül. In der Tat haben sich denn auch potente Betreiber gemeldet, als PwC die Sache in die Hand nahm. Die Suche eines möglichen Käufers lief in drei Schritten ab. Phase 1: Externe Krankenhausträger bekundeten ihr Interesse an Neunkirchen . Phase 2: Die ernsthaften Interessenten bekamen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung des "Städtischen". Phase 3: Nach Prüfung dieser Daten gaben die verbliebenen potenziellen Käufer bestätigende Angebote ab. Drei solche Angebote liegen auf dem Tisch, und über diese wird nun im Detail verhandelt, erklärte OB Fried auf Anfrage. Namen nannte er nicht.

Nach SZ-Informationen werden unter den Dreien wohl die Kreuznacher Diakonie und zumindest ein großer privater Klinik-Konzern sein, der bundesweit agiert. Jedenfalls berichteten Mitarbeiter des "Städtischen" unserer Redaktion, dass deren Vertreter jüngst im Hause gewesen seien. Die Kreuznacher Diakonie betreibt in Neunkirchen bereits das nur einen Kilometer entfernte Fliedner-Krankenhaus, setzt dort aber etwas andere medizinische Schwerpunkte.
Nicht um jeden Preis

Jürgen Fried , der an drei Betriebsversammlungen im Klinikum teilgenommen und zugesagt hat, die Mitarbeiter-Interessen bestmöglich zu wahren, will den Stadtrat am 22. Juli über den letzten Stand der Dinge informieren. Die Entscheidung des Rates könnte dann frühestens im August fallen. Aber nur, wenn die Offerten passen. Der OB: "Wir verkaufen die Klinik jetzt nicht auf Teufel komm raus."

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HintergrundDas Städtische Klinikum Neunkirchen bietet eine umfassende medizinische Versorgung. Es ist eingestuft als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung und als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes in die Ausbildung von Medizinern eingebunden. Das Klinikum verfügt über 275 Betten in den Fachabteilungen Anästhesie & Intensivmedizin, Allgemein- & Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, Orthopädie & Unfallchirurgie, Innere Medizin, Neurologie, Onkologie, Urologie, HNO (Belegabteilung), Gynäkologie (Belegabteilung).Jährlich werden etwa 11 600 stationäre und rund 30 000 ambulante Patienten behandelt. Das Klinikum hat über 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. red