Umfrage bei Geldinstituten in der Region : Großer Ärger mit kleinem Geld?

Die Annahme von gesammeltem Münzgeld gestaltet sich von Geldinstitut zu Geldinstitut verschieden – oder derzeit gar nicht. Umfrage in der Region.

„Im Moment bekommt man es nicht los“, bedauert der Pressesprecher der Sparda Bank Südwest, Andreas Manthe, selbst alles andere als glücklich damit. „Das ist bei uns schon ein großes Thema.“ Es geht ums Kleingeld, kleine Münzen, gesammelt im Strumpf, in der Flasche oder im traditionellen Sparschwein – und das in rauen Mengen, die man regulär beim Einkauf schlecht wieder los wird. Die würde man gern von Zeit zu Zeit am Bankschalter abgeben, um den Betrag aufs Konto gutgeschrieben zu bekommen. So war es vor Corona üblich, aber dann kamen hygienische Bedenken ins Spiel. „Weil man sich ja näher kommt mit den Beuteln“ und überhaupt, aus Vorsorgegründen, stellte man diesen Service bei der Sparda Bank komplett ein. „Die Landeszentralbank (LZB) hat ihren Schalter auch geschlossen“, weiß Manthe.

Nach wie vor gibt es im Monat 1500 solche Anfragen, die man 1500 Mal mit „bitte gedulden Sie sich noch etwas“ abweisen muss. Rein rechnerisch kommt da auf jede der 40 Sparda-Bank-Filialen, auch die im Landkreis Neunkirchen, 37 Anfragen pro Monat. „Wir überlegen derzeit intern, wie man das sicher gestalten könnte.“ Den neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen wegen hat man aber noch mal „auf die Bremse getreten. Derzeit können wir keine Lösung anbieten.“ Der Service selbst war bisher immer kostenlos.

„Grundsätzlich können Geschäftsbanken selbst festlegen, welche Dienstleistungen sie zu welchen Konditionen für ihre Kunden erbringen“, informiert Anne Grüttner von der Deutschen Bundesbank. „So haben einige Kreditinstitute damit begonnen, für die Einzahlung von Münzen Entgelte zu verlangen“, die wiederum individuell festgelegt werden. Kostenfrei Münzen wechseln können Privatpersonen nach wie vor in den Filialen der Bundesbank. „Sollte die Anzahl der Münzen eine festgelegte Menge überschreiten, werden die Münzen gegen vorläufige Quittung entgegengenommen und der Betrag erst später überwiesen.“ In der LZB Saarbrücken ist pandemiebedingt eine vorherige Terminvereinbarung notwendig. Mal eben spontan mit dem Sparstrumpf vorbei gehen, klappt derzeit also nicht.

Bei der Bank 1 Saar dagegen schon, wo man sich sogar richtiggehend freut, „wenn unsere Kunden ihre angesparten Münzen regelmäßig zur Zählung und Gutschrift einreichen.“ Das betont Verena Schäfer von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Marketing: „Jeder weiß, wie schwer Münzgeld in großen Mengen ist, und Gewicht spielt im weiteren Umgang mit den Münzen eine gewisse Rolle.“ Verwendung finden bei der Geld-Annahme sogenannte Safebags. Dabei handelt es sich um spezielle Beutel, die aufgrund von Sicherheitsaspekten und betriebswirtschaftlichen Gründen konsolidiert an einen Dienstleister weitergegeben werden.

In einer Filiale kommt man pro Woche etwa auf 25 bis 30 Safebags. Wobei die Beträge sehr schwanken, im Durchschnitt liegen sie zwischen 30 und 200 Euro, so Verena Schäfer. „Gewerbekunden befüllen die Safebags oft mit der Maximalmenge“, also 900 Euro. Die private „Anlieferung“ erfolgt gern klassisch im Sparschwein. „Aber auch alle andere Arten von Gefäßen haben unsere Mitarbeiter in den Filialen schon zu Gesicht bekommen.“ Leider auch „in den unmöglichsten Zuständen“. Weshalb sie an die Kunden appelliert: „Verschmutzte Geldstücke sorgen für Störungen an den Zähl- und Sortierautomaten, was in der Wartung vermeidbare Kosten verursacht.“ Generell nimmt die Beliebtheit von Münzgeld ab: „Tatsächlich stellen wir bereits seit einigen Jahren einen Rückgang der Nachfrage einhergehend mit einem Trend zu bargeldlosen Zahlungsvorgängen fest. Corona hat das natürlich verstärkt.“

Auch in den Filialen der Sparkasse Neunkirchen wird Münzgeld ganz regulär angenommen. Laut Marko Becker, Leiter Öffentlichkeitsarbeit, sei vielen Menschen jedoch nicht bewusst, welch großer logistischer und finanzieller Aufwand dahinter steht. Dieser ergibt sich aus der „erforderlichen Echtheitsprüfung bei Rücknahmen“, zudem muss das Bargeld gezählt, rolliert und verpackt werden, was eine entsprechende, zertifizierte Technik voraussetzt.

 Eine Handvoll Kleingeld hat ihr Gewicht.
Eine Handvoll Kleingeld hat ihr Gewicht. Foto: dpa/Arne Immanuel Bänsch

Weiterhin „bedarf es gesicherter Transportwege und Lagermöglichkeiten“ und last but not least ist ein gewisser zeitlicher Aufwand, sprich Personalkosten, damit verbunden. Trotz der steigenden Aufwände, Kosten und Risiken bietet die Sparkasse Neunkirchen diesen Service für ihre Kunden bis heute ohne Zusatzkosten an.“ Hin und wieder kommt es auch zu kuriosen Fällen. Gern erinnern sich Becker und seine Kollegen an schwere Eimer voller Münzen „bis hin zu einem gefüllten Schubkarren“.