„Kleine Flur-Reform“ für die Natur

„Kleine Flur-Reform“ für die Natur

Wer sich mit Abkürzungen auskennt, war am Donnerstag klar im Vorteil: Die ÖFM, eine Tochtergesellschaft der NLS, hat das Grundstücksmanagement für die LIK Nord übernommen. Die Saarbrücker Zeitung erklärt (siehe Info), um was es bei der Vorstellung dieser Kooperation im Illinger Rathaus ging.

. Für das Naturschutzgroßprojekt "Landschaft der Industriekultur Nord" (LIK Nord) ist kurz nach dem Beginn einer Baumaßnahme in Heinitz (wir haben berichtet) ein zweiter Startschuss gefallen. Während mit Heinitz die Umsetzungsphase von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen im Zweckverband der LIK Nord angelaufen ist, ist der Verband auch auf administrativer Seite einen Schritt weiter gegangen. Armin König , Illinger Bürgermeister und gleichzeitig Verbandsvorsteher, hat diesen zusammen mit Vertretern der beteiligten Organisationen vorgestellt. "Ohne Flächen kann der Naturschutz nichts machen", so König. Das Projektgebiet der LIK Nord weist mehrere Kernzonen aus, in denen verschiedene naturschutzfachliche Schwerpunkte umgesetzt werden sollen. "Grunderwerb ist dabei ein erklärtes Ziel", betont LIK-Geschäftsführer Uli Heintz. Weil der Ankauf von Flächen umsichtige Verhandlungen mit Landwirten und Privateigentümern voraussetzt, hat sich die LIK Nord für dieses "sensible Thema" (Heintz) einen erfahrenen Partner für fünf Jahre ins Boot geholt. Die Naturland Ökoflächen-Management GmbH (ÖFM), eine Tochter der Naturlandstiftung Saar , verfügt über die nötigen Kontakte und auch das Know-how. Sie hat zum Beispiel maßgeblich an der Entwicklung der Biosphäre Bliesgau mitgewirkt und erledigt als Dienstleister unter anderem auch Grundstücksangelegenheiten der Naturlandstiftung.

"Bislang wurden viele Austauschflächen von der RAG erworben", informiert ÖFM-Geschäftsführer Eberhard Veith. Mit diesem "Flächenpool" habe man etwas in der Hand, das man den Landwirten anbieten könne. "Damit haben wir hier optimale Voraussetzungen."

Zusammen mit den Grundstücken der RAG bildeten die Flächen der Landwirte den "größten Brocken" (König). Außer den Landwirten gebe es, durch die Realerbteilung bedingt, rund 1000 Privateigentümer kleinerer Flächen, ergänzt Veith. Sie alle werden angeschrieben, erhalten für ihre Grundstücke Angebote zu mindestens marktüblichen Preisen. Im Blick haben die Flächenmanager aktuell den ländlichen Raum um Schiffweiler und Stennweiler. "Wer verkaufen will, kann sich natürlich auch an uns wenden", so Veith. Durch den Verkauf der Flächen fließe auch Geld in die Region - sozusagen "ein kleines Konjunkturprogramm".

Uli Heintz erläutert, das Prozedere für landwirtschaftlich genutzte Flächen. "In den Kerngebieten gibt es unterschiedliche naturschutzfachliche Ziele", so Heintz. Im Idealfall erfüllt ein Bauer bei der Nutzung seiner Flächen die spezifischen Anforderungen. Wenn nicht, gibt es ein Angebot aus dem Tauschflächen-Pool der ÖFM. "Der Landwirt kann sein Eigentums-Grundstück im Kerngebiet dann gegen eine gleichwertige Fläche außerhalb des Gebietes eintauschen, auf der es keine Nutzungsbeschränkung gibt", so Heintz. Dabei versuche man im Sinne der Landwirte natürlich auch auf eine mögliche Arrondierung, also Zusammenführung, von Betriebsflächen hinzuwirken. Der beiderseitige Nutzen: Nach einem Tausch bleibt zusätzlich die ehemalige Eigentumsfläche des Landwirtes in dessen Nutzung - allerdings gemäß der naturschutzfachlichen Auflagen des Zweckverbandes. So könne statt Getreideanbau zum Beispiel eine Wiese erwünscht sein, die nicht gedüngt und nur zweimal jährlich gemäht wird. Erste Gespräche seien bislang sehr positiv verlaufen, berichtet Veith.

Flächen, die für das Projekt angekauft werden, versieht der Verband im Grundbuch mit einer Dienstbarkeit für den Naturschutz , betont Heintz. In fünf Jahren sollen 90 Prozent der Flächen und Projekte umgesetzt werden. Deren Zustand muss nach durchgeführter Maßnahme über 30 Jahre hinweg erhalten bleiben.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die ÖFM (Naturland Ökoflächen-Management GmbH) ist eine Tochtergesellschaft der Naturlandstiftung Saar , die sich seit mehr als 35 Jahren der Erhaltung, Entwicklung und Pflege der saarländischen Natur und der Kulturlandschaft widmet. Durch diese Erfahrung sieht sich die ÖFM dafür qualifiziert ökologische Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen erfolgreich ausführen. Die Naturlandstiftung Saar (NLS) ist eine gemeinnützige private Stiftung des Bürgerlichen Rechts.Die NLS (Naturlandstiftung Saar ) setzt sich 1976 für den Schutz, die Pflege und die Entwicklung des saarländischen Naturerbes ein. Im Stiftungsrat mit sind Natur-Schützer wie der NABU (Naturschutzbund) und Natur-Nutzer wie der Bauernverband, mehrere Landesinstitutionen und das Umweltministerium vertreten. Die Stiftung kauft ökologisch wertvolle Flächen und knüpft ein Netz von Schutzgebieten. Die LIK Nord war 2009 Gewinnerregion beim Bundeswettbewerb Idee.Natur im Bereich Naturschutzgroßprojekte und ländliche Entwicklung. Hier arbeiten die Kommunen Friedrichsthal, Illingen, Merchweiler, Neunkirchen , Quierschied, Schiffweiler und die IKS (Industriekultur Saar) zusammen. Ihr Ziel: die vom Bergbau geprägte Landschaft erhalten und aufwerten. Etwa 13 Millionen Euro beträgt das Fördervolumen. sl oefm.denls-saar.delik-nord.de

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