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Klamotten-Kaufrausch erwünscht

Der künftige Pastor von Wiebelskirchen, Markus Krastl, mit Sabrina Alt (links) und Stefanie Graf beim Auspacken.Fotos: Jörg Jacobi
Der künftige Pastor von Wiebelskirchen, Markus Krastl, mit Sabrina Alt (links) und Stefanie Graf beim Auspacken.Fotos: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Geschätzte 1000 Kilo Kleider aus etwa 40 Kisten von vier hoch bepackten Europaletten wurden auf Tische und Ständer verteilt. Am Samstag und Sonntag heißt es „2nd Hemd und Hose“ für die Bolivienhilfe. Elke Jacobi

Marie-Lena schwebt durch den Raum. Die 20-Jährige ist ein Traum in Weiß. Das Brautkleid sitzt wie angegossen, der stimmige Haarschmuck ist schnell gefunden. Fehlt nur der passende Partner. Da gibt's für Marie-Lena kein Zögern. Schneller als er gucken kann, ist Markus Krastl der Auserwählte und schwebt in Marie-Lenas Armen im Dreivierteltakt durch den Paulussaal. Die Stimmung ist gut an diesem zweiten Tag des großen Aufbaus für den zweiten Secondhand-Markt der Bolivienhilfe des Bistums Trier. Philipp Spang, Pastoralreferent, Schulseelsorger und Organisator der Aktion für Neunkirchen , genießt das. 25 Leute sind zwei Tage lang mit dem Aufbau beschäftigt, sie kommen überwiegend von der katholischen Jugend Spiesen-Elversberg - wie Marie-Lena Hartmuth -, aber auch das komplette Jugendcafé Neunkirchen ist vertreten.



Vergangenes Jahr fand die Aktion erstmals in Neunkirchen statt. Damals in der mittlerweile verkauften Herz-Jesu-Kirche. Und war ein voller Erfolg. Insgesamt 5000 Euro gingen damals ein. "Das war super", erinnert sich Spang beim SZ-Besuch. Deshalb war für ihn eigentlich klar: Das muss wiederholt werden. Die Frage war nur: Wo? "Es gibt einfach keinen vergleichbaren Raum mehr bei den Katholiken." Im März dann war aber klar: Die Protestanten helfen aus. Spang ist dankbar. Der Paulussaal wurde gebucht. Etwas kleiner ist man nun - genauso lang, aber nur halb so breit. Trotzdem werden hier 1000 Kilo Kleidung vertickt. An diesem Tag warten noch jede Menge der geschätzten 40 Pappkartons im Flur. "80er Jahre Herrenhemden " steht da drauf, oder "80er/90er Sportkleidung" - und, kaum gelesen, fischt auch Krastl - zurzeit noch Pfarrverwalter und bald schon neuer Pastor in Wiebelskirchen ("ja wirklich, glauben Sie's bloß") - tief in der Kiste der Erinnerungen, fördert weiß-bunte Fallschirmseide mit zwei Beinen zu Tage. Luca Hartmuth (der Mann für die Technik) und Andreas Stein packen an - und auf geht's zum Bestimmungsort: Kleiderrondell vor der Bühne. Griseldis Balukocic und Tochter Ana greifen beherzt zu und hängen die Teile an Bügeln auf. Derweil sortiert die Wiebelskircher Gemeindereferentin Claudia Besch viel Selbstgehäkeltes und -gestricktes auf einem länglichen Tisch in der Raummitte. Marie-Lena hat derweil nochmal die Ballkleider entdeckt und flirtet mit einem dunkelblauen Paillettenteil. Die Leiterin des Jugendcafés, Sabrina Alt, Kollegin Stefanie Graf und FSKler Marcus Masseli (der hat sich grade mal einen geblümten Kittel übergezogen) schwelgen derweil in kistenweise Kleidern. Krastl kommt dazu, kämpft ein bisschen mit einem Teil in Grün, das Graf schließlich als gefütterten Rock outet. Die Hardware sozusagen, also Kleiderständer, -bügel etc., hat Spang die Tage aus Trier abgeholt. Die vier Europaletten hochbeladen mit den Kleiderkisten, die hat ein Spediteur gebracht. Denn die kommen aus Holland. Dort werden zentral alle gesammelten Boliviensäcke kontrolliert und sortiert. Auf Erfahrungen vom letzten Jahr basierend hat man mehr Kinderkleider geordert. Die liegen und hängen entlang der großen Fensterfront bereits sortiert. Hier gibt's auch schon ein Schild: "1 Euro das Stück". Im Anschluss folgen Gürtel, Taschen, an der Rückwand Hüte, Jeans und jede Menge Krawatten . An Ständern verteilt ist der Rest. Wieder viele Dirndl - der Brüller im letzten Jahr. Auf der Bühne als Hingucker Fastnachtskostüme. Hier sind auch die Umkleidekabinen. Die haben die Auspacker auch schon mehrfach aufgesucht zwischendrin. "Ich habe mir schon zwei Dirndl reserviert", gesteht die Leiterin des Jugendcafés. Und auch - wen wundert's - Marie-Lena wird zuschlagen. "Ich habe auch letztes Jahr einiges gekauft."

Die nächste Aktion 2nd Hemd und Hose findet dann in Rappweiler statt. Was in Neunkirchen nicht weggeht, wandert dann dorthin, so wie einiges aus der Aktion im Januar in der Eifel nach Neunkirchen kam. Die Preise sind übrigens verhandelbar, verrät Spang. Und weil es nicht nur ums Verkaufen und Spendensammeln für die Bolivienhilfe geht, sondern auch darum, für die Kleidersammlung zu werben - schließlich begeht man dieses Jahr 60 Jahre Bolivienpartnerschaft -, werden die gekauften Teile in die nigelnagelneu designten Bolivien-Kleidersammlungs-Tüten gepackt. "Die Sammlung startet wieder am 24. September - dann hat man eine Tüte dafür schon mal parat", sagt Spang und muss schnell einen Schritt zur Seite machen. Die Damen sind entzückt: Eine weitere Kiste mit Hochzeitskleidern ist aufgetaucht. Marie-Lena strahlt: noch mehr probieren. Mittlerweile trägt sie übrigens ein langes Dirndl . . .

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Aktion "2nd Hemd und Hose" der Bolivienhilfe findet an diesem Samstag und Sonntag im Paulussaal in Neunkirchen statt. Zugang an der Seite zum Rathaus. Parkplätze sind an der Kirche ausreichend vorhanden. Geöffnet ist am Samstag von 10 bis 21 Uhr, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Im Foyer gibt's Kaffee und Kuchen. Der Erlös der Aktion geht nach Abzug der Kosten an die Bolivienhilfe. ji



Ganz in Weiß: Marie-Lena mit Marcus Masseli und Philipp Spang (links) macht auch am Wochenende Modenschau.
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1000 Kilo Kleidung will verstaut sein. Viele Hände packen an.
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