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Kirche zieht an die Bliespromenade

Kirche zieht an die Bliespromenade

Neunkirchen. Die katholische Kirche im Raum Neunkirchen fasst auf neuen Wegen Fuß in der Innenstadt. Zum Februar wurde der Mietvertrag für das Ladenlokal in Haus Nummer 1 in der Bliespromenade unterschrieben

Neunkirchen. Die katholische Kirche im Raum Neunkirchen fasst auf neuen Wegen Fuß in der Innenstadt. Zum Februar wurde der Mietvertrag für das Ladenlokal in Haus Nummer 1 in der Bliespromenade unterschrieben. Unter dem Namen "Momentum - Kirche am Center" wird auf 120 Quadratmetern im Mai ein "Kirchen-Laden" eröffnen, ein Kommunikationsangebot mit Dienstleistungscharakter. "Mit diesem Projekt wollen wir einen positiven Beitrag leisten zum sozialen Miteinander in der Stadt", haben die Verantwortlichen in ihr Konzeptpapier geschrieben. Entwickelt haben das Projekt das Dekanat Neunkirchen (40 400 Katholiken), die Pfarrei St. Marien Neunkirchen und weitere kirchliche Einrichtungen. Die Projektleitung teilen sich Dekanatsreferent Klaus Becker, Diakon Oswald Jenni von St. Marien und Ute Wagner, Pastoralreferentin im Dekanat. In der achtköpfigen Steuerungsgruppe sitzen zudem der Neunkircher Dechant, Vertreter aus Betreuungsverein, Caritas, Katholischer Erwachsenenbildung und Lebensberatung.

"Das Projekt läuft zunächst mal drei Jahre", sagt Ute Wagner im Gespräch mit unserer Zeitung weiter. "Dann gibt es eine Standortbestimmung. Wenn es passt, kann um zwei Jahre verlängert werden." Das entscheidet das Bistum. Trier bezuschusst das Projekt.

Mit "Momentum" will die Kirche neue Wege zu den Menschen gehen, mitten in der Stadt, mitten unter den Menschen (Stichwort "Citypastoral"): "Heute gibt es viele Menschen, die mit den momentanen Strukturen der Kirche nicht mehr viel anfangen können, was nicht heißt, dass sie sich von Religion und Glaube abgewendet haben", liest es sich im Konzept der Verantwortlichen. "Sie finden aber in der Kirche keinen Ort, an dem sie ihre Sichten, Fragen und Anregungen einbringen können." Dieses soll das "Momentum" an der Bliespromenade ausfüllen. Ute Wagner spricht von einem "Stehbein" und einem "Gehbein": Das "Stehbein" ist die Lokalität, offen für Passanten und Besucher zu Gesprächen, offen als Forum für Veranstaltungen, offen als Informations- und Servicestelle mit Beratungsangeboten. Das "Gehbein" sind Aktionen auf Plätzen und Straßen, mit denen das Projekt vorgestellt wird, die Angebote nach draußen getragen werden.

"Ganz wichtig für unser Projekt sind ehrenamtliche Mitarbeiter, die neben hauptamtlichen Kräften mitmachen", so das "Momentum"-Team. Gesucht werden Menschen, "die kommunikativ und offen sind, die sich auf eine kreative kirchliche Arbeit einlassen wollen und Mut haben zum Experiment". Im April werden dazu zwei Informationsveranstaltungen angeboten.

Meinung

Frischer Wind bei Gegenwind

Von SZ-Redakteurin

Claudia Emmerich

Momentum kommt aus dem Lateinischen und heißt Augenblick. Im Augenblick spürt die katholische Kirche Gegenwind. Kritik für die Amtskirche an der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, am Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, am Festhalten am Zölibat, am Ausschluss der Frauen von Weihe-Ämtern, an der Diskussion um die "Pille danach". Da gerät der engagierte Katholik an der Basis leicht in die Defensive. Und just jetzt geht man in Neunkirchen in die Offensive. Glaubt an den Moment, um Neues zu wagen - "Momentum". Frischer Wind bei Gegenwind. Bilanz in drei Jahren.

Auf einen Blick

Kontakt zur Projektleitung: Dekanatsreferent Klaus Becker, Tel. (0 68 21) 40 18 84 11; klaus.becker@bistum-trier.de; Diakon Oswald Jenni, Tel. (0 68 21) 1 49 19 17; oswaldjenni@bistum-trier.de, Pastoralreferentin Ute Wagner, Tel. (0 68 21) 40 18 84 12, ute.wagner@bistum-trier.de.