Kickoff beim Musical-Projekt Neunkirchen für "Meine Herren und Damen: Marie"

Musical-Projekt Neunkirchen : Skript fertig, Proben laufen — Marie ist bereit

40 Akteure sind auf der Bühne, insgesamt 100 sorgen dafür, dass das neue Stück des Musical-Projektes Neunkirchen läuft.

Da hatte der Mitvater des Neunkircher Musical-Projektes, Oberbürgermeister Jürgen Fried, dem Landesvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Marcel Dubois, einen schönen Schrecken eingejagt. „Weißt du schon, dass wir nachher was singen“, lächelte er spitzbübisch, bevor den er den Platz in der Mitte des großen Podiums einnahm. Nun immerhin: Cello und Keyboard lagen gut sichtbar an der Wand gegenüber und ließen erahnen: Hier kommt noch was. Mit Musik. Aber natürlich waren es weder der Oberbürgermeister, der zwar seit Jahren schon um eine Rolle in einer der Pojekt-Aufführungen witzelt, noch der Auftraggeber des aktuellen Werkes, die für eine Showeinlage sorgten.

Es war Kickoff fürs neue Stück. Und dazu gehörte eben auch, dass es einen kleinen Einblick gab, in das, was ab der Premiere am 9. August in der Neunkircher Gebläsehalle zu hören sein wird. Es ist der 18. Musical-Sommer. Für Fried der letzte in dieser Funktion, dann wird nach Ablauf seiner Zeit als Neunkirchens Oberbürgermeister auch der letzte der drei Musical-Väter außen vor sein (Vater eins, Martin Leutgeb, ist seit Jahren weg, um seiner Schauspiel-Karriere in der Heimat Österreich Willen. Seit 1. Februar ist Vater Nummer zwei, Markus Müller, Geschäftsführer der Neunkircher Kulturgesellschaft). Möglicherweise mag dies ein Grund gewesen sein, noch einmal einen Rückblick zu halten. Der zweite war sicherlich die Anwesenheit weiterer Awo-Vertreter, die so lernten, dass das Projekt 2002 ins Leben gerufen wurde, 2003 die erste Aufführung hatte („Da war Sibille auch schon dabei, als Mulan, das weiß ich noch genau“, erinnerte Fried an eine der drei anwesenden Mitwirkenden gewandt), und das die künstlerische Leiterin und Choreografin Ellen Kärcher die zweite im Stab ist, die von Anfang an dazu gehört. Nachdem das Projekt in den vergangenen beiden Jahren mit „The Producers“ erstmals ein Broadway-Musical aufführte, geht man in diesem Jahr erneut neue, wenn auch ganz andere Wege. Eine Auftragsarbeit der Awo über das Leben deren Gründerin Marie Juchacz steht auf dem Programm. „Das wird ein ganz besonderes Werk“, übergab Fried an den Auftraggeber.

Marcel Dubois erinnerte sich auch. Nämlich daran, wie es zur Zusammenarbeit kam. „Da saßen lauter altgediente Herren, ja Herren, zusammen und brachten in Bezug auf das 100-jährige Jubiläum wenig Gefühle rüber.“ Gefühle, so ist sich Dubois sicher, die gehen nur mit Musik. Hier ging es darum, der Frage nachzugehen: „Wie ist man auf die Idee gekommen, dass die Frau gleichberechtigt sein muss.“ Klar war: Ein soziokulturelles Projekt soll das zeigen. „Und da ist nur eines in Frage gekommen: das Musical-Projekt Neunkirchen. Hier gibt es eine Leidenschaft, die einfach gut passt.“ Mittlerweile hat Dubois das Libretto gelesen und für gut befunden. Einmischen wird er sich nicht, wie er auf SZ-Anfrage betont. „So lange die Figur korrekt dargestellt wird, herrscht künstlerische Freiheit.“

Einen kleinen Einblick gab es dann schon mal mit Rebekka Thiel (einer der beiden Marie-Darstellerinnen) und Hannah Neumann sowie Sibille Sandmayer (als Maries Schwester Elisabeth ebenfalls doppelt besetzt). Die Komponisten Amby Schillo und Francesco Cottone begleiteten an Cello beziehungsweise Keyboard.

Was die Gäste hören konnten, das erläuterten dann die Stab-Mitglieder nacheinander noch einmal in Worten. Autor Holger Hauer beispielsweise, der „vor Monaten von Ellen angerufen und gefragt wurde, ob ich das schreiben will“ hat sich mit der Figur Marie Juchacz beschäftigt. „Es ging darum, Situationen zu finden, zu erfinden, die Zeit und Situation der Frau wiedergeben.“  Ähnlich gingen die beiden Komponisten vor. Die Musik der Zeit mit Arbeiterlied und Kunstlied spielt eine Rolle, zeitgemäße Instrumente wie Akkordeon und Klarinette sind dieses Mal dabei. Aber auch Musik, die nicht so ganz in die Zeit passt, wird man hören. Sie soll zeigen, dass Marie eine moderne Frau war. Cottone hat, wie er verriet, eine ganz besondere Beziehung zu Juchacz. War er doch als Zivildienstleistender bei der Awo und hatte dort einen ganzen Schrank voll über die Gründerin. „So ist das ein bisschen wie heimkommen.“ Etwas skeptisch sei er zu Anfang gewesen, gibt Schillo zu. „Was werden das für Texte werden, habe ich am Anfang gedacht. Aber als ich die ersten Texte gesehen habe, da war mir klar: ja, das kann man machen.“

Wie man das kann, da arbeitet gerade Regisseur Mathias Stockinger dran. Die Proben haben begonnen, 20 neue Teilnehmer gilt es, ins Team einzugliedern. Die Umsetzung? „Ich glaube, es wird ein sehr beeindruckendes Stück werden, nicht nur intellektuell sondern mit großen Emotionen.“ Und möglicherweise mit Original-Einspielungen, wie er auf Anfrage verriet. Wichtig, so sagt er, ist die Mischung aus mehreren Einflüssen. Der Rest muss Überraschung bleiben.

„Neue Wege treiben an“, das hat die Erfahrung die künstlerische Leiterin Ellen Kärcher gelehrt. „Meine Herren und Damen: Marie“, da ist sie sich sicher, ist ein tolles Thema „weil es so gut zu uns passt“. Den richtigen Nerv zu treffen, sei wichtig, als Choreografin versucht sie deshalb, in den Tänzen den Zeitgeist einzufangen.

Im Rathaus gab es einen Vorgeschmack auf „Meine Herren und Damen: Marie!“. Die Komponisten Amby Schillo (Cello) und Francesco Cottone, die Darstellerinnen Hannah Neumann, Sibille Sandmayer und Rebekka Thiel. Foto: Jörg Jacobi

Zu sehen ist das Musical acht mal ab der Premiere am 9. August, eine Vorstellung ist komplett der Awo vorbehalten. Der Vorverkauf ist bereits angelaufen.

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