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KEW kauft sich Sonnenkraftwerk

Auf dem Areal der ehemaligen Grube Dechen ist der Solarpark Dechen entstanden. Foto: Willi Hiegel
Auf dem Areal der ehemaligen Grube Dechen ist der Solarpark Dechen entstanden. Foto: Willi Hiegel
Neunkirchen. Die Energiewende lässt den Neunkircher Energieversorger KEW nicht kalt. "Wir bemühen uns, die erneuerbaren Energien zu einem wichtigen Baustein unseres Strom-Portfolios zu machen", betont KEW-Vorstand Werner Spaniol. "Auch auf Wunsch unserer kommunalen Anteilseigner", erwähnt er. Als regionales Unternehmen wolle man dabei so weit wie möglich auf Projekte und Standorte vor Ort setzen, doch die Gelegenheiten im Saarland seien begrenzt.Umso bemerkenswerter, dass der KEW jetzt ein großer Schritt vorwärts mit dem Erwerb einer Photovoltaikanlage "vor der Haustür" gelang. Für 1,8 Millionen Euro hat das Unternehmen den Solarpark Dechen erworben. Ende vergangener Woche unterschrieb Werner Spaniol zusammen mit den "Montan-Solar"-Spitzenvertretern Rudolf Krumm und Dr. Michael Pietsch den entsprechenden Vertrag. Von SZ-Redakteur Gunther Thomas

Neunkirchen. Die Energiewende lässt den Neunkircher Energieversorger KEW nicht kalt. "Wir bemühen uns, die erneuerbaren Energien zu einem wichtigen Baustein unseres Strom-Portfolios zu machen", betont KEW-Vorstand Werner Spaniol. "Auch auf Wunsch unserer kommunalen Anteilseigner", erwähnt er. Als regionales Unternehmen wolle man dabei so weit wie möglich auf Projekte und Standorte vor Ort setzen, doch die Gelegenheiten im Saarland seien begrenzt.Umso bemerkenswerter, dass der KEW jetzt ein großer Schritt vorwärts mit dem Erwerb einer Photovoltaikanlage "vor der Haustür" gelang. Für 1,8 Millionen Euro hat das Unternehmen den Solarpark Dechen erworben. Ende vergangener Woche unterschrieb Werner Spaniol zusammen mit den "Montan-Solar"-Spitzenvertretern Rudolf Krumm und Dr. Michael Pietsch den entsprechenden Vertrag.



Ein "Sonnenkraftwerk" dieser Größenordnung ist neu im Bestand der KEW. 6240 Solarmodule sind am nordöstlichen Rand von Heinitz auf einer Fläche von 3,5 Hektar aufgeständert - dort wo sich früher die Saarberg-Tagesanlage Dechen befand. Sie leisten 1528 Kilowatt Peak (kWp). Mit der Maßeinheit kWp wird die Spitzenleistung einer Photovoltaikanlage unter festgelegten Standardbedingungen (etwa Sonneneinstrahlung und Sonnenlichtspektrum, Umgebungstemperatur) ausgedrückt. Der erzeugte Strom kann rund 500 Haushalte versorgen - wenn denn die Sonne die Module auf Vollproduktion setzt.

Die nun erworbene Anlage trägt jährlich gut 1,6 Millionen Kilowattstunden (kWh) zum "Energiewenden-Strom" der KEW bei. Zum Vergleich: Die KEW-Module auf den Dächern verschiedener öffentlicher Gebäude liefern die Hälfte davon und die drei Windparks, an denen die KEW beteiligt ist, steuern rund 13 Millionen kWh bei (siehe auch "Auf einen Blick").

Der Solarpark Dechen produziert Strom seit vergangenen Juni. Dass sich der Verkauf (Rudolf Krumm: "Die KEW war der geborene Partner") bis jetzt hinzog, ist einer schwierigen rechtlichen Gemengelage geschuldet. Ebenso der zwischenzeitlichen Insolvenz des Photovoltaikspezialisten "Wirsol Solar AG", der zusammen mit der RAG Montan Immobilien in der Projektgesellschaft "Montan Solar" das ganze Ensemble gebaut hat.

Die KEW - Kommunale Energie- und Wasserversorgung - hat nun die Anlage als solches und die Betreiberrechte gekauft. Das Grundstück ist nur gepachtet und bleibt im Eigentum der RAG, die damit auch das Risiko für eventuelle Altlasten trägt. Laut Vertrag kann das Neunkircher Unternehmen den Solarpark über 20 Jahre betreiben; so lange ist auch die Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben. "Das ist für uns wirtschaftlich interessant", versichert Spaniol.



Dass von den früheren Bergbau- und Deponieflächen bei Heinitz jetzt Sonnenstrom kommt, geht auf das Konzept der RAG Montan Immobilien zurück, ihr Areal nach dem Strukturwandel bestmöglich zu nutzen. "Wegen der schwierigen Beschaffenheit des Untergrunds wäre es viel zu teuer gewesen, dort beispielsweise eine Gewerbegebiet anzusiedeln", sagt Rudolf Krumm.

Ob allerdings der ursprünglich vorgesehene zweite Solarpark etwas weiter östlich realisiert wird, ist laut Krumm völlig offen. "Dieser Standort ist technisch anspruchsvoller, weil er auf einer Deponie liegt und deshalb auch wirtschaftlich schwieriger umzusetzen", so der RAG-Mann. Bei den Überlegungen dürfte auch eine Rolle spielen, dass Bundesminister Sigmar Gabriel derzeit das EEG umbaut und dabei die künftigen Einspeisevergütungen zusammenstreicht.

Auf einen Blick

Der Solarpark Dechen wird rund 10,5 Prozent des Stroms liefern, den die KEW aus erneuerbaren Energien vertreibt. Der Löwenanteil kommt mit knapp 48 Prozent aus dem jetzt in Betrieb gehenden Windpark Perl, an dem die KEW zu 15 Prozent beteiligt ist. Weitere knapp 23 Prozent kommen aus dem Windpark Wremen bei Bremen (KEW-Anteil: 15 Prozent), 13,3 Prozent aus dem Windpark in Freisen (KEW-Anteil: 3,7 Prozent). Den Rest steuern KEW-eigene Photovoltaik-Anlagen auf Dächern öffentlicher Gebäude bei. Einige Beispiele: KEW-Hauptverwaltung: 0,87 Prozent, KEW-Wasserwerk Eschweilerhof: 0,17 Prozent, Comeniusschule Schiffweiler: 0,95 Prozent, Pestalozzischule Spiesen-Elversberg: 0,52 Prozent, Photovoltaik auf den Dächern kreiseigener Gebäude: zusammen 2,6 Prozent.

Hintergrund

Die Kommunale Energie- und Wasserversorgung AG Neunkirchen (KEW) ist ein Dienstleistungsunternehmen, das die Kreisstadt Neunkirchen sowie die Gemeinden Spiesen-Elversberg und Schiffweiler mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Wasser versorgt. Aktionäre der KEW sind die Stadt Neunkirchen mit 50,02 Prozent der Anteile, die Gemeinde Spiesen-Elversberg mit 12,51 Prozent, die Gemeinde Schiffweiler mit 8,92 Prozent und die Energis mit 28,55 Prozent.