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„Keiner sollte eingesperrt sein“

„Keiner sollte eingesperrt sein“

Für viele Deutsche ist der Tag der Deutschen Einheit mehr als nur ein gewöhnlicher Feiertag. Am 3. Oktober jährt er sich zum 25. Mal. Die SZ hat dies zum Anlass genommen, die Neunkircher auf dem Stummplatz zu fragen, was der Tag ihnen persönlich bedeutet. Mit einem teilweise überraschenden Ergebnis.

"Das ist mir egal, ich bin in Rente." Solche und ähnliche Aussagen waren eine überraschend häufige Reaktion auf die SZ-Umfrage zum Tag der Deutschen Einheit auf dem Stummplatz. Viele Passanten gaben an, dass ihnen der dritte Oktober entweder gleichgültig sei oder "ein Feiertag wie jeder andere auch". Dennoch schieden sich, insgesamt gesehen, an der Frage nach der Relevanz der Wiedervereinigung die Geister: Einige waren angesichts der Gleichgültigkeit ihrer Mitbürger regelrecht schockiert. "Der schlimmste Fall wäre doch, wenn die Mauer noch da wäre", sagt die gebürtige Neunkircherin Monika Eichhorn. Sie erinnert sich zurück an Klassenfahrten in das damals geteilte Berlin. "Es war ein beklemmendes Gefühl, am Checkpoint Charlie zu stehen", sagt Eichhorn. Für sie war die Wiedervereinigung eine richtige Entscheidung.

Ida Schnur habe sich damals "für die Leute gefreut". Vor allem die Zusammenführung vieler Familien, die durch die Mauer voneinander getrennt gewesen waren, habe sie positiv in Erinnerung. Der Neunkircher Jürgen Glaub ist zwar froh darüber, dass "die Länder wieder zusammengekommen sind". Doch die politischen Entscheidungen von damals sieht der Neunkircher durchaus kritisch. "Es gab keine Bürgerbefragung. Wir wurden einfach überrannt", sagt er. Er findet, dass der Schritt hin zur Wiedervereinigung eines Referendums bedurft hätte. "Es hätte anders gehen müssen, es ging viel zu schnell", sagt Glaub. Auch der Solidaritätszuschlag, der "Soli", wie ihn die Mehrheit der Befragten nennt, sei "dem Westen" aufgezwungen worden. Ähnlich sieht es auch Jürgen Thull aus Ottweiler. "Schauen Sie sich Neunkirchen an, die Stadt ist doch verkommen. Und dann gehen Sie nach Dresden. Dann wissen Sie, wo das Geld hingeflossen ist", sagt Thull, ohne zu verkennen, dass die Deutsche Einheit eine notwendige Entscheidung gewesen sei. Dennoch hat sie seiner Ansicht nach für Westdeutschland wirtschaftliche Nachteile gebracht. Gabriele König ist sichtlich gerührt, als sie von ihren Erinnerungen an den Mauerfall am 9. November 1989 berichtet. "Es war ergreifend. Ich kann das gar nicht richtig ausdrücken." Als die Nationalhymne im Fernsehen ertönte, habe sie erst einmal geweint. Ihre Schwester, die damals in Berlin lebte, habe den Mauerfall hautnah miterlebt. "Für ihren Heimweg von fünf Minuten brauchte sie an dem Tag zwei Stunden." Auch derRentnerin Annelie Heylmann ist die Deutsche Einheit wichtig. Freuen würde sich die Neunkircherin selbst dann, wenn es nicht um ihr eigenes Land ginge: "Egal wo, es sollte niemand eingesperrt werden."