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Kein Flüchtlings-Problem in den Schulen

Kreis Neunkirchen. Die hohe Zahl an Flüchtlingen stellt die Schulen im Kreis vor Herausforderungen. Auf verschiedenen Wegen versuchen gerade die Gemeinschaftsschulen, die viele Ankömmlinge aufnehmen, der Situation gerecht zu werden. An den meisten Schulen sind zusätzliche Lehrkräfte im Einsatz, um Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Es gibt aber Ausnahmen. Michael Beer

Die Alex-Deutsch-Schule in Wellesweiler beispielsweise beherbergt momentan 25 Flüchtlingskinder . Das sind immerhin knapp zehn Prozent der Gesamtschülerzahl (260 Schüler), erläutert Erich Hoffmann, für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Eine Differenzierung in Fremdsprachen- oder Zweitsprachenunterricht bestehe nicht. Hoffmann: "Die Sprachförderung wird im Wesentlichen durch eigenes Personal abgedeckt. Eine zusätzliche Helferin wird an zwei Tagen pro Woche für jeweils zwei Stunden von der Caritas entsendet." Im Schulalltag sei der Umgang untereinander von Respekt geprägt. Hoffmann spricht von einer zügigen Integration. Zwei junge Afghanen etwa hätten schon nach zwei Jahren an der Schule jetzt den Hauptabschulschluss gemacht.

Von solchen Erfolgen berichtet auch Clemens Wilhelm, Leiter der Ganztagsgemeinschaftsschule Neunkirchen (GGSNK) in der Haspelstraße. Drei junge Afghanen haben an der Schule jetzt den Hauptschulabschluss gemacht. Heterogenität will die GGSNK durchaus als Stärke sehen. Wilhelm: "Wenn ein Kind aus Syrien flüchten muss, verdient es hier Hilfe. Wir wollen den ganzen Menschen sehen und mit einer Willkommenskultur begrüßen." An der Neunkircher Schule unterrichten zwei Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrer die rund 30 Flüchtlingskinder , die verteilt sind auf die Klassenstufen sieben bis zehn. Die Schule habe aber noch eine große Zahl junger Menschen aus Osteuropa, die ebenfalls in Deutsch als Fremdsprache gefördert würden.

"Sehr viele Kinder kommen mit Sprachstand Null", sagt Monika Jung-Ries, Leiterin der Gemeinschaftsschule Neunkirchen-Stadtmitte. Die Integration falle deshalb zunächst entsprechend schwer. Die Deutsch-Anfänger in ihrer Schule gehen jeden Tag die ersten vier Stunden in Sprachkurse, in der fünften und sechsten Stunde nehmen sie am Unterricht in ihren Klassen teil. Dann stehen Fächer wie Sport oder Arbeitslehre auf dem Programm. Für den Sprachunterricht habe das Bildungsministerium der Schule drei junge Frauen im Lehramtsstudium zur Verfügung gestellt. Eine "gute Personalisierung", sagt die Leiterin. Dennoch ist sie mit der gesetzlichen Vorgabe, dass die Flüchtlingskinder der Schulpflicht unterliegen, nicht zufrieden: "Es würde den Kindern gerechter werden, wenn sie erst in speziellen Kursen Deutsch lernten, bevor sie in die Schule kommen."

An anderen Gemeinschaftsschulen im Kreis ist die Zahl der Flüchtlingskinder noch geringer. Burkard Maurer, Leiter in Illingen: "Wir haben in Klasse 5 zwei Syrer, in Klasse 8 eine Syrerin und in Klasse 9 einen Afghanen. Die Schulgemeinschaft kümmert sich rührend um die Kinder." Maurer berichtet, keines der in seiner Schule betreuten Kinder habe seine Eltern dabei. "Die Geschichten der Flucht gehen unter die Haut", sagt der Pädagoge. An der Inklusionsschule ist an drei Tagen in der Woche eine Lehrerin vom Paritätischen Bildungswerk tätig, die die Kinder in Kleingruppen beim Spracherwerb unterstützt.

Katja Strauß-Zeller, stellvertretende Leiterin der Gemeinschaftsschule Ottweiler, berichtet von fünf Kindern in den Klassenstufen sechs und acht. Zusatzlehrer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband seien an zwei Tagen in der Woche vor Ort. Aber auch eine Lehrerin der Schule kümmere sich noch speziell um die jungen Flüchtlinge . Volker Burkhard, Schulleiter der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule in Spiesen-Elversberg, hat sechs Flüchtlingskinder , dem Alter entsprechend in die jeweiligen Klassenstufen eingeteilt. Neben einer Fachkraft vom Paritätischen Bildungswerk, zwei Tagen in der Woche im Haus, versuchten die Deutschlehrer nach Kräften die Neuen zu fördern.

Die Max-von-der-Grün-Schule in Merchweiler und Wemmetsweiler hat bislang nur drei Flüchtlinge zu betreuen. Schulleiter Frank Prianon berichtet, unter anderem sei über den Förderverein eine Übersetzerin ein Mal pro Woche an Bord. Bislang komme man sehr gut klar. Sollten die Zahlen aber stark steigen, sieht er das Schulsystem überfordert.