Kappensitzung der Neinkerjer Plätsch

Kappensitzung : Die Gebläsehalle im Sturm erobert

Da war ordentlich was los, bei der ersten Sitzung, die der Verein an neuer Wirkungsstätte hatte.

Sie haben sich vergrößert. Unfreiwillig sozusagen. Und sie haben das prima gestemmt. Der Neunkircher Karnevalsverein Plätsch lud dieses Jahr erstmals in die Gebläsehalle. Denn, man erinnert sich, der Paulussaal wurde verkauft. Der Ort, an dem der Traditionsverein sonst immer seine Sitzungen abhielt. Jetzt war alles schon eine Hausnummer größer. Auch die Besucher mussten sich erst ein bisschen umgewöhnen. Aber Schlag 20.11 Uhr mit der Begrüßung durch Präsident Hermann Frick war das Ungewohnte vergessen. Die Faasenacht der Neinkerjer Plätsch nahm ihren Lauf, das Narrenschiff nahm Fahrt auf und die Akteure fühlten sich sichtlich wohl auf der größeren Bühne.

Auch im Saale war die Stimmung schnell prächtig. Wie auch nicht? Schließlich ist die KG Neinkerjer Plätsch stolz auf eine lange Vereinsgeschichte, in der sie schon so manches zu bewältigen hatte. Ursprünglich waren die Narren mal Teil des TuS 1860, hätten Sie es noch gewusst? Kurz nach dem Krieg hatte der TuS angefangen, neben den sportlichen auch kulturelle Aufgaben zu bewältigen. Was lag da näher, als einen gemütlichen karnevalsbeflissenen Stammtisch, wie es so schön in der Vereinschronik heißt, zu gründen? Erst gab es zaghafte karnevalistische Einlagen beim traditionellen Turner-Ball an Rosenmontag. Schnell hatte man den Mut zu einer Kappensitzung. Und die fand dann auf den Tag genau 68 Jahre vor der aktuellen Sitzung statt: am 9. Februar 1951, damals im Saal des Bergmannsheimes.

Die Mehrzahl der Akteure des vergangenen Wochenendes war damals noch nicht auf der Welt. Aber schön, wenn man stolz auf eine solche Geschichte seines Vereins sein kann. Stolz kann auch der Verein selbst auf seine Akteure sein. Schließlich schafft man es auch hier, quer durchs Alter die Tanzreihen zu füllen: von der Kindergarde über die Junioren bis hin zu einer Gruppe Majorettes, das Alleinstellungsmerkmal des Vereins in der Gruppe der NKA-Vereine. Natürlich fehlt auch hier die Männerschautruppe nicht, die den klangvollen Namen „Lyonergarde“ führt. Die gemischte Aktivengarde macht den Reigen der Tänzer komplett. Kinder-, Junioren- und Aktivenmariechen zeigen, dass der Verein besonderen Tanzfans eine Plattform bietet. Und auch, wenn der Verein sich gerne mal Gäste aus der Umgebung zu seinen Sitzungen einlädt, wie beispielsweise die Bexbacher Buwe vom MGM Oberbexbach und die gemischte Aktivengarde von eben dort sowie Büttenredner Norbert Wolf vom NKV Elversberg, so sind dies Ergänzungen, nicht Notwendigkeit.

Die Bütt beispielsweise liegt bei der Plätsch im Übrigen (fast) ganz in Damenhand: Ute Müller (Reporterin), Sophie Schaufert (Es Soffel vom Storche und gemeinsam mit Christian Kaiser als „Bekannte Gesichter“), Nicole Seel (Die Fraa die niemols ferdich wird, aber – Gott sei Dank – werklich niemols), Petra und Angelina Kuhn (Mutter und Tochter) sowie Ute Müller (Paula). Da gibt so eine männliche Verstärkung vom befreundeten Verein mal ein anderes Bild.

Ein besonderes Gewächs der Plätsch sind auch die Neinkeijer Deiwels Schalis, die mit Guggenmusik auch den letzten Muffel von den Sitzen reißen. Und so ging es Schlag auf Schlag: Büttenreden, Tänze und Musik wechselten sich ab, brachten viel zum Lachen mit und noch viel mehr zum Sehen in den wunderbaren Kostümen, denen der Schautanz der gemischten Aktivengarde mit „Russische Impressionen“ das Sahnehäubchen aufsetzte. Und als weit nach Mitternacht das große Finale kam, da war die Gebläsehalle längst zur neuen Heimat auch der Neinkerjer Plätsch geworden, ganz gemäß dem Mott: Faasenacht famos bei de Plätsch, doo is was los!

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