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Kahlschlag bei St. Wendeler Klinik?

St Wendel/Kreis Neunkirchen. Die Marienhausklinik in St. Wendel schließt die Abteilung für geriatrische Rehabilitation. Bereits am 30. Juni ist Schluss. Matthias Zimmermann

Die plötzliche Entscheidung war für viele der betroffenen 94 Beschäftigten ein Schock. Zwar habe das Damoklesschwert schon geraume Zeit über ihrem Arbeitsplatz geschwebt, sagt Werner Wilhelm. "Aber dass es jetzt so schnell geht, damit haben die meisten nicht gerechnet", berichtet der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, nachdem seine Kollegen Mittwochvormittag von der Geschäftsführung der St. Wendeler Marienhausklinik über den einschneidenden Schritt informiert worden waren: Das Krankenhaus verliert seine Abteilung für geriatrische Rehabilitation (Reha). Und das bereits zum 30. Juni.



Dabei liege es nach Aussagen von Geschäftsführer Dr. Klaus-Peter Reimund gewiss nicht an den Patientenzahlen. "Wir waren die meiste Zeit zu 100 Prozent ausgelastet." Auch die Arbeit des Teams sei hervorragend, lobt er. Aber: "Die Leistung wird nicht adäquat gegenfinanziert."

Was er damit konkret meint, erläutert Wilhelm: "Die Krankenkassen zahlen nicht in dem Maße, damit das Krankenhaus kostendeckend arbeiten kann." Obwohl die Bundesregierung und der Landkreis St. Wendel die Abteilung als Pilotprojekt seit Juli 1995 gefördert haben, sei sie nicht wirtschaftlich gewesen. Das bestätigt Reimund: "Nur zweimal in mehr als 20 Jahren hat die geriatrische Reha ein Plus gemacht."

Zu wenig befindet der kaufmännische Direktor Thomas Gärtner. "Wenn wir das Defizit in diesem Bereich hätten weiter auflaufen lassen, wäre der Fortbestand des gesamten Standortes St. Wendel gefährdet worden." Er spricht bei der jetzigen Entscheidung von einer Notbremse.

Dabei habe sein Haus noch versucht, die Abteilung zu retten. 25 der 60 Reha-Plätze seien Anfang vergangenen Jahres in Akut-Geriatrieplätze umgewandelt worden. Sie sind Notfällen vorbehalten, werden von Krankenkassen anstandslos bezahlt und sollen über den 30. Juni hinaus fortbestehen, sichert Gärtner zu. Außerdem: Wer zu dem Stichtag in geriatrischer Reha in der Marienhausklinik behandelt wird, laufe keineswegs Gefahr eines Abbruchs, ergänzt Reimund. Bis auf Weiteres würden Patienten für diesen Bereich aufgenommen. "Wir mussten uns aber einen Stichtag setzen."



Das Defizit sei immens. So lief monatlich ein Minus von 90 000 Euro auf, mehr als eine Million pro Jahr, rechnet Reimund vor. Das entspreche täglich dem durchschnittlichen Monatsgehalt eines Saarländers, bilanziert Gärtner. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Reimund: "In den vergangenen Jahren ging die Kosten-Erlös-Schere weiter auseinander. 44 Prozent Kostensteigerung standen 17 Prozent Erlöszuwächse gegenüber."

Während andere Krankenhausträger entsprechende Abteilungen in Tochterbetriebe mit erheblich geringeren Löhnen auslagerten, schlage das Marienkrankenhaus diesen Weg nicht ein. "Wir halten die Qualitätsanforderungen nur, wenn wir unser Personal halten", unterstreicht Reimund.

Damit liegt er auf gleicher Wellenlänge mit Mitarbeitervertreter Wilhelm. Dieser lobt die Politik seines Arbeitgebers: "Hier hat es noch nie betriebsbedingte Kündigungen gegeben." Das soll auch im konkreten Fall so bleiben. Die Kollegen aus der abzuwickelnden Abteilung sollen im Klinikverbund Saar-Ost unterkommen: in St. Wendel bleiben oder nach Ottweiler beziehungsweise Neunkirchen-Kohlhof (St. Josef) wechseln. Wilhelm: "Die Gespräche werden in den nächsten Tagen beginnen."

Damit wird es ab Jahresmitte unter dem Marienhaus-Dach - trotz alternder Gesellschaft - an keinem saarländischen Standort mehr eine geriatrische Reha geben. Gärtner: "Wir vermitteln dann an unsere Kooperationspartner nach Illingen oder Mettlach."

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Sie wendet sich an ältere Menschen. Sie sollen dadurch wieder in die Selbstständigkeit im eigenen Zuhause entlassen werden.