Junge Filmemacher treffen sich in Neunkirchen

Filmemacherabend in Neunkirchen : Die Zeit, die Kunst und Jeromes Clique

Zum Start der Rohrbach-Filmpreis-Woche zeigten Nachwuchs-Regisseure innovative Kurzfilmkunst.

Die Neunkircher (Licht)Spiele sind eröffnet. Zum 9. Mal wird am Freitag der Günter Rohrbach Filmpreis in Rohrbachs Heimatstadt vergeben. Wobei Tag Null der Finalistenwoche wie immer den hiesigen (zumeist jungen) Filmemachern gewidmet war. Dass die kreativ und witzig unterwegs sind, gehört zu den Erkenntnissen dieses gut frequentierten Abends in der Stummschen Reithalle:  „Wir sind sehr froh, dass jetzt noch Stühle reingeholt werden müssen. Besser kann die Filmpreis-Woche gar nicht beginnen“, strahlte Jürgen Fried, Vorsitzender der Günter Rohrbach Filmpreis Stiftung – und gab das Mikro zügig an Edda Petri weiter. Charmant führte die Chefin des benachbarten Kreativzentrums Kutscherhaus durchs Programm, das in letzter Minute von drei auf vier Filme gewachsen war.

So brachte Anne Rieckhof, Schauspielerin am Staatstheater in Saarbrücken, noch einen zweiten Mini-Film mit. Ihre originellen Beiträge, einer zwei, der andere drei Minuten lang, eröffneten den Reigen. In „Meine Zeit“, gedreht 2016 bei einem Schauspielseminar,  sieht man die gebürtige Schwerinerin, wie sie in zunehmender Verzweiflung versucht, den Begriff „Zeit“ zu umschreiben. Leider steht ihr Spielpartner im Off völlig auf dem Schlauch und rät immer das Falsche: „Sie heilt alle Wunden.“ „Die Mutter?“ „Man kann sie totschlagen.“ „Ja, die Mutter!“

Für „Nie so glücklich“, ihr neuestes Werk, wie sie verriet, wählte Anne Rieckhof die Form eines Filmtrailers. In dem erzählt sie staccato, wie sie sich umbringen will, in letzter Minute von „der Glücksfee“ gerettet wird, sich in diese verliebt, sehr glücklich ist, die Freundin aber ein Herzproblem bekommt und sie schließlich – als Organspenderin für die Geliebte – dann doch noch das Zeitliche segnet. Chapeau.

Mit 29 Minuten deutlich länger fiel die Komödie „Ich bin Kunst“ von Raphael Petri und Roman Eich aus. Darin gewährt Ischariot Wiesengrund (Cino Djavid) dem etwas eindimensionalen Filmemacher Peter Schirra (Wolfgang Reeb) Einblicke in sein exaltiertes Malerleben. Er ist Künstler mit jeder Faser seines Körpers. Voller Tatendrang dreht Schirra über diesen „Künstler aller Klassen“ seinen ersten Dokumentarfilm und scheitert scheinbar an seinem Subjekt. Für Petri und Eich war es ihr gemeinsames Debut, über das sie aber mangels Anwesenheit keine Auskunft geben konnten.

Ganz anders verlief das beim Abschlussbeitrag, bei dem sich die Bühne mit sämtlichen Protagonisten von „Jerome, Jerome“ füllte. Der 24 Minüter katapultierte die Zuschauer in das pralle Leben einer minderjährigen Möchtegern-Gangsta-Rapper-Clique, die sich sprachlich aus der untersten Schublade heimischer Mundart bedient. Manch älterer Gast stieß sich an dem sorglos zotigen Platt. Unterhaltsam war der als Pilotfilm angelegte Streifen aber allemal. Neun weitere Jerome-Storys liegen schon als Skript in der Schublade. „Wir warten nur auf eine Institution, die Geld drauf stäubt“, warb Regisseur Daniel Weber um Sponsoren.

Die ersten Video-Dreh-Versuche hatte der gebürtige Münchwieser  in seiner Schulzeit auf dem Steinwaldgymnasium unternommen. Allerdings sei sein zweistündiger Abi-Film  „unguckbar“ gewesen, gestand Weber, der außer Musiker und Pädagoge auch noch Mitbegründer des Saarbrücker Unternehmens Flatfilm Produktion ist. Gecastet wurde in der acting and arts Schauspielschule Saarbrücken, deren Leiterin Petra Lamy als schlagkräftige Türsteherin des Neunkircher Kolosseums agierte. „Rap ist nicht grad meine Poesie. Aber die Kids sind voll drauf abgefahren“, meinte Lamy. Die Arbeit mit Weber jedenfalls „war ein Fest“.  Der dankte noch mal allen Mitwirkenden, von denen niemand Geld für die zwei Wochen Drehzeit gesehen hat.  „Der Film entstand aus purer Leidenschaft“, und das sind schließlich die allerbesten.

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