Jugendämter sollen entlastet werden

Jugendämter sollen entlastet werden

Seit gut acht Monaten gibt es die zentrale Vorclearingstelle des Landes auf dem Schaumberger Hof bei Tholey. Das nahmen Sozialministerin Monika Bachmann (CDU ) und Staatssekretär Stephan Kolling (CDU ) zum Anlass, eine erste Bilanz zu ziehen. Diese fällt nach Einschätzung der beiden Kommunalpolitiker positiv aus. Das Prinzip "alles unter einem Dach" habe sich bewährt. Auf dem Hof ist eine lückenlose ärztliche, pädagogische und psychologische Versorgung möglich.

Vergangenen Freitag waren - tagesaktuell - 14 minderjährige Ausländer in dem ehemaligen Drogentherapiezentrum untergebracht. Im Schnitt kommen nach Auskunft des Sozialministeriums pro Tag ein bis zwei neue Jugendliche in der Vorclearingstelle an. Der Weg zu der Einrichtung führt über Jugendämter , die Bundespolizei oder die Landesaufnahmestelle in Lebach. "Einige stehen auch abends oder nachts plötzlich vor der Tür", berichtete Kolling. Das sei ein Hinweis auf Schlepperbanden.

Seit Februar wurden insgesamt 458 junge Flüchtlinge vorübergehend auf dem Hof in Obhut genommen. Etwa neun bis 13 Tage sind die Minderjährigen in der Vorclearingstelle. Eine schnelle Verteilung ist ein Hauptziel der Einrichtung. Das sei laut Bachmann auch im Sinne der Kinder. Denn es wäre schlimm für die Heimatvertriebenen, wenn sie sich an einen Ort gewöhnen und sich dann erneut davon lösen müssten.

Nach diesem kurzen Zwischenstopp in Tholey ging es für 138 Minderjährige weiter nach Rheinland-Pfalz und Thüringen. "Sie werden von uns dorthin gebracht", betont die Sozialministerin. Einige Jugendliche ziehen aber auch auf eigene Faust weiter. 105 Flüchtlinge waren bislang abgängig. Hierzu zählten beispielsweise Afghanen, deren Ziel Schweden sei. Festhalten können die Mitarbeiter des Hofes diese jungen Flüchtlinge nicht. Hierzu gibt es keine gesetzliche Grundlage. Drei Flüchtlinge wurden in ihr Heimatland zurückgeschickt, wieder andere haben Familie hier. Bei 65 jungen Menschen ergab der Medizin-Check nach deren Ankunft in der Vorclearingstelle, dass sie mit ihrem Alter geflunkert hatten.

Im Saarland leben derzeit in Obhut der Jugendämter Saarbrücken und Saarlouis 865 unbegleitete minderjährige Ausländer , in ganz Deutschland sind es 64 000. Nach dem Königsteiner Schlüssel hätte das Saarland lediglich 782 minderjährige Flüchtlinge aufnehmen müssen. Da unser Bundesland somit im Plus ist, werden aktuell unbegleitete Jugendliche auf andere Regionen verteilt. "Wir rechnen im Frühjahr nächsten Jahres damit, wieder in die landesinterne Verteilung einzusteigen", so Bachmann. Auch dabei soll der Schaumberger Hof künftig eine zentrale Rolle spielen, dann auch als Clearingstelle. Eigentlich sind die Jugendämter für das Clearingverfahren zuständig, also für Fragen wie: Welche Betreuung braucht der Jugendliche? Wie kann er untergebracht werden? Welche Schule ist geeignet? Braucht er psychologische Betreuung? Weil das aber personellen Aufwand bedeutet, habe die Clearingphase bei Jugendämtern bis zu sieben Monate in Anspruch genommen. Auch das soll auf dem Schaumberger Hof schneller gehen. Das Clearing wird also zentralisiert, die Kosten dafür tragen die einzelnen Landkreise. Wobei die stark belasteten Jugendämter in Saarbrücken und Saarlouis im kommenden Jahr mit der landesinternen Verteilung nichts zu tun haben werden. Dann sind die Ämter in den Kreisen St. Wendel, Neunkirchen, Merzig-Wadern und im Saarpfalz-Kreis gefragt.

Pro Jahr sind 1,2 Millionen Euro für den Schaumberger Hof kalkuliert. "Momentan sind wir noch drunter", so Kolling. Zwischen 75 und 100 Jugendliche könnten kurzzeitig auf dem Schaumberger Hof untergebracht werden. Momentan sind es weniger als 20 vor einigen Wochen waren es fast 50. Wie es weitergeht, können die Experten nicht prognostizieren.

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AUf einen Blick Seit Februar betreibt das Land die Vorclearingstelle auf dem Schaumberger Hof in Tholey, einem ehemaligen Drogentherapiezentrum. Das Team vor Ort stellen der Verein Hilfe für junge Menschen Saar und die Saarland Heilstätten GmbH. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge werden unter anderem von Pädagogen und einem Mediziner betreut. evy