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Jürgen Johann aus Kohlhof ist ein erfolgreicher Olympionik.

Paralympics : Der goldene Sommer des Jürgen Johann

Es war der Sommer seines Lebens: Vor 40 Jahren gewann Jürgen Johann aus Elversberg bei den Paralympischen Spielen in Holland gleich drei Goldmedaillen. Der 67-Jährige will sich jetzt sozial engagieren und eine Selbsthilfegruppe aufbauen.

Jürgen Johann blickt auf eine bewegte Karriere als Sportler zurück. Der 67-Jährige aus Elversberg, der mit seiner Frau Doris in Kohlhof lebt, ist einer der erfolgreichen deutschen Teilnehmer an den Paralympischen Spielen.

Besonders vor fast exakt 40 Jahren räumte Johann ganz groß ab: In Arnheim gewann er gleich drei Gold- sowie eine Silbermedaille. Johann stand im Hochsprung genauso ganz oben auf dem Siegertreppchen wie im 400-Meter-Lauf und mit der deutschen 4x100 Meter Staffel. Im Weitsprung aus dem Stand musste sich der Elversberger nur ganz knapp mit der Silbermedaille begnügen.

Acht Jahre später, bei den Paralympics in Südkorea wurde Johann eine besondere Ehre zuteil: Als Fahnenträger durfte der Athlet die deutsche Delegation beim Einmarsch ins Stadion anführen. In Seoul holte der Elversberger Bronze mit der 4x400 Meter-Staffel.

Weitere Plätze auf dem Treppchen ergatterte Johann bei zwei weiteren „Spielen“. Zum ersten Mal 1976 bei den Paralympics in Toronto, als er im Hochsprung Gold und im Weitsprung Silber gewann. 1984 holte Johann in New York Silber im 100-Meter-Lauf und Bronze im 400-Meter-Lauf. Trotz all dieser großen Momente ist dem 67-Jährigen beim Rückblick auf seine Sportlerlaufbahn aber ein ganz anderes Ereignis besonders in Erinnerung geblieben.

„Ich bin eher ein Team- als ein Einzelsportler. Deshalb ist der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Fußballtennis im Jahr 1989 mit der BSG Elversberg im badischen Oberkirch unvergesslich“, sagt Johann. „In den Jahren zuvor waren wir mehrmals knapp gescheitert. Wir haben es deshalb unbedingt gewollt und entsprechend groß war die Freude“, erinnert sich der Sportler.

Seine vielseitige Sportlerkarriere, in der er in unterschiedlichen Disziplinen erfolgreich war, hat Johann lange beendet. Er ist seit drei Jahren an Rheuma erkrankt, was ihn mehr einschränkt als seine Beinamputation. Aber trotz Krankheit und Behinderung versucht er körperlich aktiv zu bleiben. Mit Radfahren und Schwimmen hält er sich fit. Besonders das Boccia- und Federballspielen mit seinem vierjährigen Enkelsohn Leonhard (der seit kurzem schwimmen kann) macht ihm sehr viel Freude. „Der Sport hat mir viel gegeben. Es gab ja doch einige besondere Momente“, blickt der Elversberger, der im Alter von sechs Jahren nach einem Unfall seinen Unterschenkel amputiert bekam, zurück. Als gelernter Orthopädie-Mechaniker würde Johann auch gerne diese und andere Erfahrungen an andere behinderte Menschen zurückgeben. Deshalb will der in Kohlhof lebende ehemalige „Medaillensammler“ gerne eine Selbsthilfegruppe für Amputierte im Raum Neunkirchen-Ottweiler ins Leben rufen.

 In Seoul war Jürgen Johann 1988 in den Einzelwettbewerben knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt, doch in der 4x 400-Meter-Staffel klappte es dann: Das bundesdeutsche Quartett lief hinter Australien und China Bronze heraus. Hier war ihm eine besondere Ehre zuteil geworden: Er führte als Fahnenträger die deutsche Delegation beim Einmarsch ins Stadion an.
In Seoul war Jürgen Johann 1988 in den Einzelwettbewerben knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt, doch in der 4x 400-Meter-Staffel klappte es dann: Das bundesdeutsche Quartett lief hinter Australien und China Bronze heraus. Hier war ihm eine besondere Ehre zuteil geworden: Er führte als Fahnenträger die deutsche Delegation beim Einmarsch ins Stadion an. Foto: hiegel/Hiegel, Willi

„Eine Amputation ist ein großer Einschnitt. Sich mit dem Verlust des Beines auseinandersetzen zu müssen, verlangt den Betroffenen einiges ab“, erläutert Johann. „Sie müssen die Kraft für die Rehabilitation aufbringen und das Gehen und den Umgang mit der Prothese erlernen. Oft ist das gesamte familiäre Umfeld mit der Situation überfordert. Leider steigt die Zahl der Amputationen seit Jahren stetig, vor allem als Folge von Diabetes.“ Johann will sich mit Betroffenen zwanglos austauschen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.