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Jo Einzweilers Wandrelief am Arbeitsamt Neunkirchen

Jo Enzweiler : Kreissegmente auf dem Weg ins Arbeitsamt

Kunst muss sichtbar sein. Das Paradoxe an der „Kunst im öffentlichen Raum“ ist, dass sie durchaus sichtbar ist, und sie dennoch unsichtbar bleibt, denn kaum jemand nimmt Notiz von ihr. In einer Serie stellen wir Kunstwerke im öffentlichen Raum im Kreis Neunkirchen vor. Heute: Das Wandrelief von Jo Enzweiler am Arbeitsamt.

Hunderte Menschen besuchen täglich das Arbeitsamt in Neunkirchen an der Ringstraße. Dabei eilen sie an einem Kunstwerk vorbei, das einer der bedeutendsten saarländischen Künstler erschaffen hat. Prof. Hermann Josef (Jo) Enzweiler entwarf 1980 das 2,50 Meter hohe und 15 Meter breite marmorne Relief an der Eingangsseite der Behörde. Zu sehen sind senkrecht aufgestellte Kreissegmente, die zum Haupteingang ausgerichtet sind. Das Relief verdeutlicht exemplarisch Enzweilers Hinwendung zur konkreten Kunst.

Theo van Doesburg führte den Begriff „konkrete Kunst“ 1924 ein. Theo van Doesburg, eigentlich Christian Emil Marie Küpper, war ein niederländischer Maler, Schriftsteller, Architekt, Bildhauer, und Kunsttheoretiker. Van Doesburg schuf geometrisch aufgebaute Gemälde.

Konkrete Kunst wird als eine Richtung der Kunst bezeichnet, die auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Sie sei im eigentlichen Sinne nicht „abstrakt“, da sie nichts in der materiellen Realität Vorhandenes abstrahiere, sondern im Gegenteil, sie materialisiere Geistiges, schreiben Kunsthistoriker.

Jo Enzweiler entwickelt Variationen eines Grundschemas, wie zum Beispiel die Kreisausschnitte in Neunkirchen, und schafft so eine ganze Bildwelt. Die sich wiederholenden Kreissegmente an der Neunkircher Behörde marschieren von zwei Seiten auf den Eingang zu. Hierbei wollen sie weder die Zahl der Arbeitssuchenden symbolisieren, noch dienen sie als Richtungsweiser, „dort geht’s rein“. Das Kunstwerk ist also einfach da.

Jo Enzweiler wurde 1934 in Merzig geboren. Er studierte Jura in Saarbrücken und Hamburg, später auch Malerei und Kunsterziehung, unter anderem bei Prof. Boris Kleint in Saarbrücken. 1979 wurde er zum Professor an der Fachhochschule des Saarlandes ernannt und Gründungsbeauftragter der Hochschule für Bildenden Künste Saar (HBK). Auf seine Initiative hin wurde 1993 das „Institut für aktuelle Kunst im Saarland“ gegründet, das später in die Hochschule der Bildenden Künste Saar integriert wurde. Zweck des Instituts ist die Förderung von Künstlern im Saarland und in der Großregion ebenso die Vermittlung von Kunst.