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Ärger um Preiserhöhung in der Lakai
Ist kein Rabatt schon Diskriminierung?

Im Neunkircher Schwimmbad Die Lakai erhalten Menschen mit Behinderung seit Januar mit der Geldwertkarte keinen Nachlass mehr auf bereits ermäßigten Eintritt.
Im Neunkircher Schwimmbad Die Lakai erhalten Menschen mit Behinderung seit Januar mit der Geldwertkarte keinen Nachlass mehr auf bereits ermäßigten Eintritt. FOTO: Willi Hiegel
Neunkirchen. SZ-Leser sieht Wegfall eines Preisnachlasses in „Die Lakai“ als Benachteiligung von Menschen mit Behinderung. Von Marc Prams

Der Ärger ist SZ-Leser-Reporter Hermann W. anzumerken. Regelmäßig besucht er das Neunkircher Schwimmbad „Die Lakai“. Als Dauergast lädt er seine Geldwertkarte regelmäßig auf. Mal mit 50, mal mit 100 Euro. Mit dieser Karte erhält Hermann W. Rabatt auf den Eintrittpreis, fünf Prozent bei 50 Euro oder zehn, wenn er die Geldwertkarte mit 100 Euro auflädt. Den Nachlass erhält er wegen seiner Behinderung auf den ermäßigten Eintrittspreis. Zumindest war das all die Jahre so. „Seit der Preiserhöhung im Januar gibt es das in dieser Form nicht mehr. Ich muss mich nun entweder für den Rabatt mit der Geldwertkarte entscheiden oder für den ermäßigten Eintrittspreis“, beschwert sich W. Die Preiserhöhung seit zwar über die Presse kommuniziert worden, nicht aber der Wegfall des Preisnachlasses mit der Geldwertkarte für Menschen mit Behinderung. „In meinen Augen ist das eine klare Diskriminierung Behinderter“, meint Hermann W.


Das sieht man bei der Stadt Neunkirchen, dem Betreiber des Bades,  anders. Auf SZ-Anfrage teilt die Stadtpressestelle mit, man könne in diesem Fall keineswegs von einer Diskriminierung von Menschen mit Behinderung sprechen. Denn: „Die ohnehin schon sehr günstigen Tarife tragen zur Kostendeckung bei, daher bittet die Kreisstadt Neunkirchen um Verständnis dafür, dass eine Mehrfachrabattierung weder für Menschen mit Behinderungen noch für Kinder, Jugendliche, Schüler, Studenten sowie Inhaber der Kreiskarten oder Senioren in Anspruch genommen werden kann.“

Der Stadtrat habe bei der jüngsten Gebührenfestsetzung für das Kombibad die Lakai zum 1. Januar festgelegt, dass nur entweder der verminderte Eintrittspreis oder ein Rabatt über die Geldwertkarte in Anspruch genommen werden könne. Dies sei eine auch in anderen Freizeiteinrichtungen durchaus gängige Praxis. „Der Kunde kann weiterhin wählen, welche Ermäßigung er in Anspruch nehmen möchte, jedoch eine Mehrfachermäßigung gibt es nicht mehr.“

Auch Christa Maria Rupp, die Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen, sieht in diesem Fall keine Diskriminierung. „Diskriminierung ist ein starkes Wort, mit dem man nicht willkürlich umgehen sollte. Man muss hier mal die Kirche im Dorf lassen“, sagt Christa Maria Rupp. Es sei nämlich so, dass Kommunen gesetzlich nicht dazu verpflichtet seien, einen Rabatt auf den Eintrittspreis zu gewähren. Das sei also eine freiwillige Leistung. Demnach sei es aus ihrer Sicht auch völlig in Ordnung, diese doppelte Rabattierung zu streichen. „Einen Nachlass auf den Eintrittspreis gibt es ja weiterhin“, sagt sie. Der Stadtrat habe es so beschlossen, das sei dessen gutes Recht, und das könne man auch so hinnehmen.