Interview mit Regisseur Matthias Stockinger

Musical-Darsteller und Regisseur : „Verliere mein Herz an viele kleine Momente“

Am 9. August hat das Musical „Meine Herren und Damen: Marie!“ in Neunkirchen Premiere. Wir sprachen mit dem Regisseur.

Nach einer Komödie im Vorjahr könnte das Musical-Publikum in diesem Jahr mehr zum Nachdenken angeregt werden.

Die Zeit rennt, die Premiere naht. Wie läuft’s?

Matthias Stockinger: Wir sind schon auf einem guten Stand und haben ja noch eine ganze Woche Endproben in der Gebläsehalle vor uns. Die Stimmung ist gut und wenn es so weiter läuft, wird es eine tolle Premiere.

Woran ist noch besonders zu feilen?

Stockinger: Einige Szenen und Charaktere brauchen noch den letzten Schliff, Dialoge müssen noch etwas runder werden. Aber vor allem geht es jetzt an die Technik. Bühnenbild, Videoinstallationen, Ton, Kostümumzüge… das wird ziemlich viel Arbeit werden und Zeit kosten – vielleicht auch die ein oder andere Nachtschicht in der Gebläsehalle.

Gibt es einen großen Unterschied zwischen der Arbeit mit diesem Musical und den „Producers“?

Stockinger: Ja, das ist schon ein gewaltiger Unterschied. The Producers ist eine Komödie mit hohem Tempo und viel komödiantischem Timing. Bei unserem diesjährigen Stück, geht es viel ruhiger zu. Wir verhandeln ernstere und emotionalere Themen. Das erfordert eine ganz andere, innigere Spielweise als bei einer Komödie. Natürlich wird es aber auch in diesem Jahr lustige Szenen geben. Ich glaube, das Publikum wird hier mehr zum Nachdenken angeregt.

Wie ist das, wenn der Autor quasi daneben sitzt? Macht das die Arbeit schwieriger oder findet da hin und her ein Austausch statt?

Stockinger: Bei Stumm hatte ich vom Autor ganz freie Hand und er hat sich einfach die Premiere angeschaut. In diesem Jahr war es dem Autor wichtig, auch mal bei den Proben dabei zu sein. Als ich das fertige Stück in die Hände bekommen hatte, gab es auch einen Austausch, der in manchen Punkten recht kontrovers und hitzig war. Natürlich hat ein Autor auch eine Vorstellung, wie das Stück auf der Bühne aussehen und gespielt werden soll. In einigen Punkten haben wir da sehr schön zusammengearbeitet und in anderen Punkten bleibt man eben auch mal unterschiedlicher Meinung. Letzten Endes gehört Auseinandersetzung auch zu einem kreativen Prozess – gerade bei einer Uraufführung.

Hat sich was grundlegend geändert, seit Sie mit der Regiearbeit an „Meine Herren und Damen: Marie!“ begonnen haben?

Stockinger: Ja, es war nicht alles umzusetzen, was ich mir beim Bühnenbild anfangs gewünscht hätte. Daraus haben sich dann auch Konsequenzen in der Inszenierung ergeben. Aber so ist das eigentlich immer. Man hat eine Idealvorstellung und dann muss man schauen, was davon auch in einem finanziell klar gesteckten Rahmen umsetzbar ist. Wir haben nun ein ganz bezauberndes Bühnenbild mit einigen technischen Highlights, das gemeinsam mit Jochen Maas und Thomas Hoheisel entstanden ist und von dem ich voll überzeugt bin und bei dem auch die Darsteller gefordert werden, immer präsent zu sein, aber mehr verrate ich noch nicht.

Hatten Sie schon Probenbesuch von Marcel Dubois, dem Auftraggeber?

Stockinger: Wir haben uns im Rahmen der ersten Pressekonferenz kenngelernt, aber auf den Proben habe ich ihn noch nicht getroffen.

Kann man schon was zur Inszenierung sagen? Gibt es irgendwelche Besonderheiten?

Stockinger: Eine Besonderheit wird sein, dass einige Darsteller durchgehend auf der Bühne sein werden, und das ist eine große Herausforderung. Ansonsten geht es mir darum, die Darsteller so zu führen, dass sie gemeinsam die Geschichte des Stücks erzählen. Ganz toll nehme ich da in den Proben wahr, wie das Ensemble sich des Stückes annimmt und gemeinsam sehr stimmungsvoll agiert.

Haben Sie eine Lieblingsszene? Wenn ja: Welche?

Stockinger: Ach, das ist ganz schwer zu sagen. Im Laufe der Probenmonate verliere ich mein Herz immer an viele kleine Momente, die gemeinsam mit den Darstellern erarbeitet sind und die mir ganz viel Freude machen, weil ich weiß, dass meine Darsteller damit gut ankommen werden und andere Leute zum Lachen oder Weinen bringen werden. Das können große Szenen sein, wie etwa der Schluss, wo alle auf der Bühne sind, aber auch kleine Szenen. Ein echtes Highlight sind die Szenen mit unseren Kindern – sei es als Lottchen, Oskar oder Zeitungskind oder in den Ensembleszenen beim Spielen auf der Straße… die machen ihre Sache so zuckersüß.

Die Hauptrollen sind ja doppelt besetzt. Macht so was die Arbeit schwieriger?

Stockinger: Das ist schon etwas aufwendiger in den Proben, da ja jeder seine eigene Entwicklung durchläuft und dafür auch Probenzeit benötigt. Manchmal entsteht dann ein Konkurrenzdenken. Das Gegenteil ist bei den Marie- und Elisabeth-Besetzungen der Fall. Die vier haben sich auch privat getroffen, tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Es ist eine richtige Freude für mich, das zu sehen, und so machen auch die Proben richtig Spaß und alle entwickeln sich gemeinsam so viel schneller. Also ganz im Sinne der Message des Stücks.

Wie geht es weiter: Was steht bei Ihnen als nächstes auf dem Plan? Werden Sie dem Musical-Projekt treu bleiben? Und falls ja: Was könnte Sie da mal besonders reizen?

Stockinger: Für mich geht es am Morgen nach der Premiere direkt um 6 Uhr nach Füssen, wo ich noch immer die Titelrolle in „Ludwig2“ spiele, und auch der „Päpstin“ bin ich treu geblieben und spiele dieses Jahr noch einige Vorstellungen in Stuttgart und in Füssen. Das Projekt ist für mich zu einer echten Herzenssache geworden, die mir persönlich auch viel gibt. Reizen würde mich ganz vieles. Zum Beispiel eine ganz neue Bühnensituation schaffen in der Gebläsehalle, einige Stücke stehen natürlich auf jeder Wunschliste eines Bühnenschaffenden… Aber jetzt erstmal „Meine Herren und Damen: Marie!“ und dann muss letzten Endes auch die Stadt entscheiden, wie und mit wem es weitergeht.