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Rat und Hilfe
Kleines Kaffee-Kränzchen inklusive

FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Viel Andrang gab es in der Gebläsehalle Neunkirchen beim 17. Infotag für Ältere und Menschen mit Behinderungen. Die SZ-Berichterstatterin, Teil der Zielgruppe, hat sich umgeschaut. Von Solveig Lenz-Engel

Der Blickwinkel ändert sich. Als die erste Auflage des Infotags für Ältere und Menschen mit Behinderungen Anfang des Jahrtausends erstmals in Neunkirchen über die Bühne ging, war die Autorin dieser Zeilen junge Mutter und Anfang Vierzig. Kein Gedanke an irgendwelche gesundheitlichen Einschränkungen oder Hilfsbedarf. Entsprechend unbelastet näherte man sich damals dem Thema, das auch damals schon ein großes war. Aber soooo weit weg. Inzwischen ist die Mutation zum Mitglied der Generation 60 plus vollzogen und Freunde Bekannte fragen immer öfter nach dem Zeitpunkt des Eintritts ins reine Privatleben. Im „rentennahen Alter“ zu sein, ist nur begrenzt erheiternd, aber bekanntlich muss man sich den Herausforderungen des Lebens stellen. Gesagt, getan. Der Infotag für Ältere und Menschen mit Behinderungen wird zum Testgelände. Kostenlose Informationen, lauter nette und hilfsbereite Ansprechpartner, Broschüren, Flyer, Aufkleber und viele Stationen, an denen gemessen, gecheckt, geschaut wird, in welchem Zustand sich der freiwillige Proband befindet. Und es sind viele Leute da, die die Chance nutzen, ohne Arzt- oder Therapeutentermin gut beraten zu werden.


Gleich am Eingang in die Halle hat der Verein Osteoporose Prophylaxe & Früherkennung mit Vorstandsmitglied Jürgen Lorz seinen Stand aufgebaut. Mitarbeiterin Karin Schramm hat schon eine Warteliste anlegen müssen. Denn vor allem Damen drängt es zur Messung der Knochendichte. Was allerdings nicht in ein paar Minuten zu erledigen ist. Karin Schramm nimmt sich Zeit, per Ultraschall werden Knöchel und gegebenenfalls auch Finger vermessen. Der Computer sagt, wies es um die Knochengesundheit bestellt ist. „Meistens ist alles gut“, sagt Karin Schramm, die nicht müde wird, genau zu erklären, was sie macht. Auch die Berichterstatterin lässt sich begutachten.

Ein paar Schritte weiter bietet ein Pflegedienst Blutdruckmessung an: Alles im grünen Bereich wird festgestellt, die Sauerstoffsättigung im Blut sei Prima. Ja, kein Wunder, wenn frau täglich mit dem Hund unterwegs ist. Ob der Pflegedienst angesichts der Personalknappheit in dem Bereich überhaupt noch Kunden annehmen kann? „Wir schaffen das“, ist die Antwort, eng werde nicht im pflegerischen Bereich und den Dienstleistungen im Haushalt, sondern bei der medizinischen Betreuung. Vertreten ist auch das Ambulante Hospiz Neunkirchen mit Leiterin Petra Hohnsbein. An die letzten Kapitel im Leben zu denken, ist zwar nicht schön, aber das Wissen um die Kompetenz im Hospiz-Bereich in der Region sorgt für Beruhigung.



Gar nicht ruhig sind die Leute, die sich von Seniorensicherheitsberater Frank Malter von der Kreisverkehrswacht Neunkirchen zeigen lassen, wie sie mit ihrem Rollator sicher unterwegs sind. Eingedenk einer längst verstorbenen Tante, die sich mit ihrem Hochleistungs-Rollator nicht auf die Straße traute, ein Angebot, das durchaus sinnvoll ist.

Vom Landkreis Neunkirchen, der mit der Kreisstadt Neunkirchen Veranstalter des Infotages ist, bekommt man einen Reflektorstreifen für Arm oder Tasche. Noch mit dem alten Logo und Slogan des Kreises, aber „echt anders, echt gut“ ist er ja irgendwie immer noch. Der Seniorenbeirat der Stadt lockt viele mit seinen Fotos vom alten Neunkirchen. Erst als Gedankenstütze für Demenzkranke gedacht, sind die Fotos längst ein Renner geworden. Die Menschen kommen, gucken und freuen sich, mit Karl-Heinz Bentz vom Beirat ins Gespräch zu kommen. Dazwischen beweist eine Dame im durchgängig roten Outfit, dass man auch im Rollstuhl gut aussehen kann.

Landrat Sören Meng und der Neunkircher Bürgermeister und OB-Kandidat Jörg Aumann habe ihre Begrüßungen kurz gehalten, wohl wissend, dass die Besucher nicht gekommen sind, um Ansprachen zu hören. Sie sind gekommen, um zu erfahren, wie man „aktiv statt einsam“ wird, wie Essen und Trinken auch im Alter ein Genuss bleiben, wie Tiere zur Lebensfreude beitragen, wie man sich vor Trickbetrügern schützt oder sicher im Internet unterwegs ist und welche Hilfsmittel es gibt. Und wer bei den Vorträgen dabei war, kann jetzt beispielsweise damit glänzen zu wissen, was SRT-Zeptoring-Therapie ist. Allen anderen sei es hier, grob vereinfacht erklärt: SRT steht für stochastische (vom Zufall abhängige) Resonanztherpie, will heißen, der Patient steht auf zwei sich bewegenden Fußplatten, deren Vibrationen den Körper aktivieren können.

Außerdem gab’s an vielen Ständen kostenlos Süßkram, Schlüsselanhänger, Stofftaschen und Kugelschreiber. Das Familien- und Nachbarschaftszentrum versorgte die Gäste mit Kuchen. Tische und Bänke luden zum Verweilen und Plauschen. Das hat vielen Leuten sichtbar gut getan. Auch ein Plus für die Gesundheit.