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In Neunkirchen feierten die Narren den Rosenmontag.

Kostenpflichtiger Inhalt: Rosenmontag in Neunkirchen : „So ein Zug, so wunderschön wie heute...“

Nach dem Ausfall im letzten Jahr war der Rosenmontagszug in Neunkirchen schöner, bunter und größer denn je.

Die Hoffnung, ja die Hoffnung. Sie gehört zum Rosenmontag wie das Alleh zum Hopp und das Hei zum Joo. Da ist zum einen bei allen Fastnachtern die Hoffnung, dass der Zug – nicht wie im Vorjahr – überhaupt stattfinden kann. Das hat am Montag prima geklappt. Und dann ist da die Hoffnung, dass das Wetter wenigstens einigermaßen mitspielt. Und auch wenn es am Vormittag noch so gar nicht danach aussah: Es hat mitgespielt. Alle Faasebooze – die Polizei schätzt, dass es 120 000 waren –, die von der Scheib bis zum Stummplatz Straßenfastnacht feierten, konnten ihre Regenschirme geschlossen lassen. Familie Ernst aus Bildstock jedoch wusste anderweitige Verwendung für ihren Knirps („Dene hann ma zur Sicherheit debei. Ma kann jo nie wisse.“): Aufgespannt und umgedreht taugte der wunderbar als Gutzje-Auffang-Dingsbums, wenn man das so sagen kann.

Wobei: Einfach nur Gutzjer – damit konnte man vielleicht in den 80ern punkten. Heutzutage darf es gerne etwas mehr sein. Und was da nicht alles von den Wagen geworfen und verteilt wurde: Popcorn, Chips, Kokosbällchen, Gummibärchen, Schweinespeck, Puffreis, Flips, Brezeln, Würstchen, Erdnüsse, Blümchen, Plüschtiere und sogar das ein oder andere Päckchen Taschentücher landete in den Beuteln der Kinder. Und zwar in Hülle und Fülle. „Unser Beidel is randvoll. Jetzt kännte se mol e paar Tute werfe“, meinte Mathias Seibert, dessen Kinder eifrig sammelten. Nur das Hochprozentige – auch hier war vom Pils über Eierlikör bis hin zum Selbstgebrannten alles vertreten – ging an die erwachsenen Narren. „So e Schnäpsje kann bei dem Wetter net schade. Das wärmt von Inne“, fand nicht nur Tajana Weber, die „mit den Mädels“ in der Nähe des Ellenfelds stand, wo sie in ihren Hexen-Kostümen quasi im Epizentrum des Neunkircher Rosenmontagszug das Geschehen verfolgte. Ein paar Meter weiter, am ehemaligen Stadtbad, wuselten nämlich nicht nur die Kamera-Leute vom SR um die rund 140 Gruppen, auch die sogenannte VIP-Tribüne war dort aufgebaut. „Wenn VIP ‚Von Innewänzisch Pils‘ heißt, misst ich do aach druff“, meinte Stefan Schubert, „awwa ich bleiwe liewer do unne beim Volk. Bin ich aach schneller uffm Klo.“ Ein wahres Wort. Denn an die zwei Stunden dauerte das Treiben. Da musste man schon mächtig Herr oder Frau der Lage sein, um nicht mal „die 17“ aufsuchen zu müssen.

Man wollte ja auch nichts verpassen, schließlich war der diesjährige Umzug einer der schönsten, größten, buntesten und vor allem auch musikalischsten der vergangenen Jahre. So viele Fanfarenzüge und Guggemusik gab es selten. Und ein ganz besonderes Highlight kam gegen Ende mit dem Wagen „37komma1“, der Faschingsband auf Tour. Die spielten Gassenhauer live. Von „Skandal im Sperrbezirk“ bis zu „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“. So was hat man lange nicht gesehen? Von wegen: So was hat man überhaupt noch nicht gesehen.

In dem Jahr Zwangspause – eine Sturmwarnung hatte letztes Jahr zur Absage geführt – hat sich bei den Neunkircher Fastnachtern einiges an Partyfieber angestaut, das am Montag raus wollte und raus konnte. Es war eine richtig schöne Feier. Auf den Wagen gaben sich alle Akteure großzügig und verteilten ihr Wurfmaterial mit beiden Händen. Auf der Straße wurde gesungen, geschunkelt und getanzt. Ein Rosenmontagszug, wie es sich gehört. Kein Wunder, dass da spontan gesungen wurde: „So ein Zug, so wunderschön wie heute, der dürfte nie vergehen!“

Dazu passt das Fazit der Polizei, die am frühen Abend „nichts Erwähnenswertes“ zu vermelden hatte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neunkirchen feiert einen bunten Rosenmontag