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In Hangard wird derzeit Schnaps gebrannt.

Schnaps brennen : Wo der Brennmeister für edle Tropfen sorgt

Beim Hangarder Obst- und Gartenbauverein dreht sich derzeit alles um die Herstellung von Schnaps und edlen Obstbränden. Brennmeister Hubert Dausend hat alle Hände voll zu tun.

Wer in diesen Wochen in Hangard in die Ostertalhalle kommt, dem weht ein untrüglicher Geruch entgegen. Ein angenehmer Duft für die einen, für Alkoholverächter würden protestieren. Der Verursacher ist schnell ausgemacht. In den unteren Räumlichkeiten der Mehrzweckhalle betreibt der Hangarder Obst- und Gartenbauverein seit vielen Jahren seine Brennerei. Und dort herrscht nach einer ertragreichen Obsternte derzeit Hochkonjunktur.

Seit mehreren Wochen hält Hubert Dausend hier den Kessel am Brennen. Der frühere Vorsitzende des OGV Hangard ist seit zehn Jahren „nur noch Brennmeister“, wie er selbst sagt, aber damit auch weiterhin in einer ganz wichtigen Funktion für den Verein tätig. Seit die Brennsaison Mitte August begonnen hat, ist der 71-Jährige mehrere Tage in der Woche hier im Einsatz. Bevor jedoch die ersten Schnäpse produziert werden können, müssen zunächst wichtige organisatorische Arbeiten erledigt werden, erklärt Dausend beim Besuch der Saarbrücker Zeitung.

Wenn dann etwa vier bis fünf Wochen nach Beginn der Erntezeit die ersten Maischefässer angeliefert werden, fängt für ihn die praktische Arbeit an. Was darf in den Fässern drin sein? „Wir nehmen alles an, was durch den Zoll erlaubt ist“, erklärt der Brennmeister und verweist auf die strengen Bestimmungen, die bei der Herstellung zu beachten sind. Dazu gehört unter anderem, dass der Inhalt der Fässer vom Anlieferer nach Art und Menge deklariert werden muss, „und dadurch ist jederzeit auch eine Kontrolle gewährleistet“, betont der Brennmeister. Demnach dürfen alle gängigen Obstsorten eingemaischt und zu Obstbrand verarbeitet werden, die in Streuobstwiesen oder in Gärten wachsen.

In unserer Region sind das zumeist Kirschen, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Reineclauden oder auch Trauben. Dabei sei in jedem Fall gewährleistet, dass alle Kunden am Ende auch den Obstbrand erhalten, für den sie Maische abgegeben haben, versichert der Fachmann. Wer möchte, darf beim Brennen „seiner“ Maische auch dabei sein, sagt Dausend. Der Kundenstamm der Hangarder Brennerei hat sich in den letzten Jahren erweitert. „Früher waren es weitgehend Vereinsmitglieder, die hier ihren Schnaps brennen ließen“, erklärt der Brennmeister. „Seit es aber in den Nachbarorten Wiebelskirchen, Ottweiler und Fürth keine Brennerei mehr gibt, haben wir hier das Jahr über zwischen 30 und 40 regelmäßige Anlieferer“, ergänzt er. Manche von ihnen kommen auch mehrmals im Jahr mit verschiedenen Obstsorten, erzählt der Hangarder Brennereichef, „und die kriegen dann auch ihre unterschiedlichen Brände“.

In die Flaschen kommt ausschließlich der so genannte Mittellauf, „denn das ist genau das, was man nachher trinken will“, erklärt Dausend mit dem Selbstverständnis des Fachmanns. Eine ganz wichtige Anmerkung ergänzt Vorstandsmitglied Albrecht Lupp. „Nur der Schnaps, der aus dem Mittellauf gewonnen wird, darf die Bezeichnung Edelobstbrand tragen“, erklärt der Vereinskassierer dem SZ-Mitarbeiter. Im Gegensatz dazu ist der Vorlauf weitgehend ungenießbar und der Nachlauf wird später durch Beigabe entsprechender Gewürze zu Kräuter- und Kümmelschnaps oder ähnlichen Bränden verarbeitet und durch den Verein verkauft.

Ihm entgeht nichts: Hubert Dausend hat die Anzeigen am Brennofen immer im Auge. Links im Bild: Vereinskassierer Albrecht Lupp. Foto: Heinz Bier

Eine Entwicklung freut die Verantwortlichen des OGV Hangard besonders. „Wir haben in der Brennerei seit einiger Zeit viele junge Kunden“, erzählen Hubert Dausend und Albrecht Lupp, „die offenbar alle die neue Welt der Obstbrände entdecken“. In der letzten Novemberwoche geht es in der Brennerei des OGV Hangard in jeder Hinsicht noch einmal heiß her. Dann wird zum letzten mal für dieses Jahr brennfertige Maische angenommen und zu Obstbrand verarbeitet. Wie lange Hubert Dausend dann noch in der Brennerei zu tun hat, weiß er nicht, „denn das hängt davon ab, wie viel Maische noch gebracht wird“. Eines ist aber ganz gewiss: Auch wenn die Arbeit getan ist, wird der Duft von Obstbrand im Foyer der Ostertalhalle noch lange Zeit die Luft erfüllen.