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Im September beginnt wieder das Kulturprogramm der Neunkircher Kulturgesellschaft.

Kulturgesellschaft : Ganz viel Liebe für die Neunkircher Kultur

Nach dem Lockdown und dem Neunkircher Weg will die Neunkircher Kulturgesellschaft ab September wieder durchstarten. Die Pläne sind gemacht.

Alles ist im Fluss. Diese Formel des griechischen Naturphilosophen Heraklit passt zurzeit ganz wunderbar auch zur Arbeit der Neunkircher Kulturgesellschaft. Seit dem Corona-bedingten Lockdown im März gilt es, sich auf sich ständig ändernde Bedingungen einzustellen. Für die Männer im Veranstaltungsteam der Neunkircher Kulturgesellschaft bedeutet dies seitdem vermehrte Arbeit der teils anderen Art. Geschäftsführer Markus Müller greift beim Pressegespräch für die SZ zur dramatischen Verdeutlichung. „Das hier hat stattgefunden, das hier musste alles abgesagt und verschoben werden“, reißt er das Programmheft „2020/1“ entzwei. 38 Veranstaltungen dick ist der Teil, der zur „Nicht stattgefunden“-Seite wandert, quasi zu der gleichen Anzahl an ausgefallenen Vermietungen, die nicht im Programmheft auftauchen. Mit dem Auftritt von Bernd Stelter am 12. März fand das Jahresprogramm ein vorzeitiges Ende. Froh ist man, dass es Gregory Porter gerade noch geschafft hat: Der machte in Neunkirchen am 10. März seinen letzten Europastopp. Was danach kam wurde, so Müller, „tricky“. Nun galt es jede Veranstaltung neu abzustimmen: Passt es ins Tournee-Programm des/der Künstler, passt es in den Hallenplan? Die gute Nachricht mal vorweg: „Ab September werden wir wieder am Start sein“, verspricht Müller. Alles entsprechend dem Landesstufenplan, immer gekoppelt an die geltenden Abstands- und Sicherheitsregeln. Inzwischen gibt es einen Vorentwurf für die Bestuhlung. Kommt der Stufenplan so, wie momentan angekündigt, dann, so Müller, könnte man theoretisch mit 500 Menschen im Raum sein. Doch – nun kommt das große Aber – hält man die Abstandsregeln ein, dann schafft man das in der großen Neunkircher Gebläsehalle nicht. Deshalb startet das Herbst-Winter-Programm unter dem Motto „30/300“. Erfunden hat es der Leiter des Veranstaltungsteams, Klaus Braße. Dessen Erklärung ist einfach: Unter Beachtung der geltenden Abstandsregeln bekommt man in die Gebläsehalle 300 Zuschauer, in die Reithalle 30. Weniger als ein Drittel dessen, was normalerweise geht. Für die Abo-Veranstaltungen heißt dies: Kein zusätzlicher Verkauf mehr möglich, und — bleiben alle Abonnenten am Ball —, wird es auch für die „eng“. Die Bestuhlung wird im Übrigen bis ganz nach hinten reichen. „Sollte sich die Abstandsregel noch einmal verändern, dann geht das Spiel von vorne los“, sagt Braße zum Bestuhlungsplan. Und: Für viele Veranstaltungen (die Karten für die verschobenen behalten ja ihre Gültigkeit) sind schon mehr Karten verkauft, als Besucher in die Hallen könnten. Da der Kartenvorverkauf momentan quasi bei Null liegt („die Menschen sind verunsichert“, sagt Markus Müller), wirft das zumindest momentan keine weiteren Bestuhlungsprobleme auf.

Gespräche, wie die bereits gebuchten Veranstaltungen stattfinden könnten, laufen bereits. Da ist beispielsweise an Doppelshows gedacht. „Allerdings muss man sehen, ob das klappt“, erinnert Braße an den zusätzlichen Aufwand nicht nur für die Künstler. „Wir müssen dann nach jeder Veranstaltung desinfizieren, durchlüften – das kostet Zeit und Arbeit.“ Und ob jemand wie Mathias Reim, für den bereits über 1000 Karten verkauft sind, bereit ist, an zwei Tagen aufzutreten, das steht noch in den Sternen. „Wir müssen jede Veranstaltung für sich prüfen.“ Das, so Pressemann Michael Hohmann, bedeutet vor allem auch Absprachen mit anderen Tourveranstaltern. „Da es auch unterschiedliche Corona-Hotspots gibt, ist das nicht einfach.“ Für die Tickets gilt: Herausfinden, wer zusammengehört, also zusammenwohnt, und deshalb auch zusammensitzen darf. Ohne Abstandsregel. Das bedeutet momentan noch viel Schreibarbeit. Ein neues Ticketsystem soll diese Arbeit künftig vereinfachen.

Viel zu tun für die „Jungs vom Team“, wie Müller sie liebevoll bezeichnet. Stolz ist er darauf, wie gut sie das meistern. Stolz ist er auch auf den Neunkircher Weg. Den habe man abgestimmt mit dem Gesellschafter und dem Aufsichtsrat entschieden: Dazu gehören die Social Media Kommunikation, das Vorschusssystem und vor allem der Musikersozialfonds nach der Idee von Klaus Braße. „Wir sind gut in die Puschen gekommen, auch wenn das nach außen noch nicht so offensichtlich wird. So gut, wie man das von uns gewohnt ist.“ Dass der Ausfall der Veranstaltungen sich auch finanziell bemerkbar macht, ist sicher keine überraschende Offenbarung. Zusätzliches Personal wurde gebraucht – beispielsweise als Aufsicht im ansonsten noch geschlossenen Gebäude, in so genannten Spuckschutz musste investiert werden – und die Refinanzierung fehlte bekanntermaßen. Ein Sonder-Wirtschaftsplan existiert. Momentan redet Müller von einer Minderfinanzierung in Höhe von 200 000 Euro, für die komplette Kulturgesellschaft, zu der neben den Veranstaltungen auch Volkshochschule, Musikschule und Städtische Galerie gehören. Gut ein Drittel der Belegschaft ist zurzeit für drei bis sieben Wochen in Kurzarbeit. „Die finanziellen Rahmenbedingungen für das kommende Programm sind verständlicherweise in diesem Jahr also ganz eng gestrickt.“ Nichts desto Trotz: „Ab September werden wir mit einem starken Team wieder am Start sein.“ Ganz gemäß – man erinnert – sich dem Leitmotiv des Jahres „Kultur macht Liebe“, das aus aktuellem Anlass nun besser lautet „Kultur braucht Liebe“. Für alle, die den September kaum erwarten können, verrät Müller: „Wir unterstützen das City-Management der Stadt. Dort wird geprüft, im August unter der Marke ‚Neunkircher City Musiksommer’ mehrere Open Airs an den Bliesterrassen zu starten.“

Fürs Herbst-Winter-Programm wird es Ende August auf jeden Fall auch ein Programmheft geben. Stand heute geht es am 18. September mit Rüdiger Hoffmann und seinem Programm „Alles mega“ in der Neuen Gebläsehalle los. Wie es mit Veranstaltungen aussieht wie beispielsweise „Sing mit Guildo Horn“, muss man abwarten. „Bei 600 Leuten, das wäre schwierig“, sagt Braße. Und zählt auf, was immer bei allem zu beachten ist: Das Bereichspezifische Hygienrahmenkonzept Kultur, das Rahmenkonzept für Hygienmaßnahmen bei Veranstaltungen, das Amtsblatt Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und der Stufenplan der Landesregierung. Klar wird sein: Mehr Personal wird gebraucht werden. „Es wird nicht mehr so einfach gehen wie früher: Tür auf, Leute rein, Tür zu“, erinnert Braße. „Es darf sich niemand infizieren“, betont Müller, der auch noch einmal auf die Schutzfunktion gegenüber den Mitarbeitern hinweist. Bauershaus beispielsweise ist deshalb aus der Liste der Veranstaltungsorte erst einmal raus.

Das ist das neue Logo, das - etwas röter - auf Shirts und Briefkopf sitzt. Foto: Elke Jacobi

Doch jetzt darf durchgeatmet werden. Es ist ganz regulär Sommerpause bei der Kulturgesellschaft. Etwas anders gelagert als die Jahre zuvor, in denen die Pause zwischen Stadtfest und Musical-Projekt lag. Im September geht es dann auch im neuen Outfit weiter. Seit Wochen lagern die Shirts und Blusen beziehungsweise Hemden mit dem neuen Logo für die Mitarbeiter in Kartons. Ab 18. September sollen sie endlich ans Licht kommen können.