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Im Neunkircher Zoo gibt es Nachwuchs bei den Erdmännchen und bald bei den Schneeleoparden

Kostenpflichtiger Inhalt: Der Zoo und Corona : Schneeleoparden-Nachwuchs in Sicht

Corona bedeutet für die Zoo-Mitarbeiter veränderte Arbeitsabläufe. Die Tiere schert’s wenig: Sie sind fruchtbar und mehren sich.

Sie haben es wieder getan: Sagar und Louisa werden, wenn alles gut geht, in diesem Jahr wieder Eltern. Luisa ist trächtig. Das hat Zoodirektor Norbert Fritsch der SZ mitgeteilt. Und die erneute Schwangerschaft ist sogar erlaubt. Denn im Rahmen des Zuchtprogrammes haben die beiden Schneeleoparden im Neunkircher Zoo die offizielle Genehmigung erhalten. Es wird dann bereits das zweite Mal sein, dass sie für Nachwuchs der vom Aussterben bedrohten Rasse sorgen. Am 7. Mai 2016 hatten die beiden im Neunkircher Zoo Zwillinge bekommen. Die Geburt war damals mit Hilfe von Webcams des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland in der Wurfhöhle und der Schneeleopardenschlucht zu einem Ereignis geworden, das viele Tausend Besucher mitverfolgen konnten. Noch ein halbes Jahr blieben die Kameras damals, so dass man Anusha und Askar, das zweigeschlechtliche Zwillingspärchen beim Aufwachsen beobachten konnte. Kurz nach ihrem ersten Geburtstag hat der männliche Zwilling, Askar, Ende Juni dann Neunkirchen in Richtung Zoo Leipzig verlassen.

Sollte alles gut verlaufen und im Frühsommer erneut eine Schneeleoparden-Geburt anstehen, dann muss man hoffen, dass das Corona-Virus bis dahin im Griff ist, damit die Zoo-Besucher das Aufwachsen des oder der Kleinen mitverfolgen können. Denn auch der Zoo ist seit dem gestrigen Mittwoch von der Schließung betroffen. Publikumsverkehr ist nicht mehr zugelassen.

Zoodirektor Norbert Fritsch fand das im gestrigen SZ-Gespräch einerseits schade („Es ist so ein schöner Tag, eigentlich ein herrlicher Tag für den Zoo, die Zicklein springen, die Sonne scheint.“) aber andererseits für mehr als vernünftig. „Das, was hier abläuft, ist keine gewöhnliche Grippe“, sagt der promovierte Biologe. Und auch wenn es bitter sei, dass alle Gutscheine, Führungen und Kindergeburtstage und eben alle Einnahmen flach fallen, so sei es eine notwendige Maßnahme. Ab dem gestrigen Mittwoch wird deshalb auch im Zoo anders gearbeitet als sonst. Drei Reviere gibt es neben der Falknerei. Jedes hat nun eine eigene Arbeitsgruppe mit eigenen Räumlichkeiten. Begegnung: untersagt. „So hätten wir im Falle einer Infektion nicht gleich den ganzen Betrieb lahm gelegt.“ Die Zoopädagogen sind ganz im Home Office, betreuen von dort die Facebook-Seite beispielsweise. Fritsch selbst ist täglich im Zoo. „Aber ich halte mich von meinen Mitarbeitern fern, sonst bin ich nachher noch der, der die Infektion weiterträgt.“ Im Zoo hat man bereits seit Corona-Ausbruch darauf geachtet, dass sich die Massen nicht mehr sammeln konnten. Bei der Seehund-Fütterung beispielsweise oder bei der der Elefanten. „Wir haben die geschlossenen Räume für die Besucher dicht gemacht“, erzählte Fritsch der SZ. Zum Teil auch im Interesse der Tiere selbst. Der Orang-Utans nämlich. Denn die sind bekanntermaßen Menschenaffen und deshalb dem homo sapiens sehr ähnlich. Das betrifft natürlich auch die Anfälligkeit für Krankheiten. Und da man nicht wisse, wie sich das Virus auf die Orang-Utans auswirken könnte, hatte man gleich vorgesorgt, die Tiere waren nur noch durch Glas zu sehen.

Den Zootieren selbst ist Corona wurscht, sie genießen zurzeit das frühlingshafte Wetter, sind, so Fritsch, „der Jahreszeit entsprechend aktiv“. Bei einigen haben diese Aktivitäten schon längst sichtbare Erfolge gezeigt. Bei den Erdmännchen beispielsweise, deren Cute-Faktor sowieso schon sehr hoch liegt, hat sich Nachwuchs eingestellt. Vier Wochen sind sie bereits alt, die vier Racker, deren Geschlecht noch nicht bekannt ist. Auch bei Schafen und Ziegen ist die Natur unbeeindruckt vom Corona-Virus ihren Gang gegangen. So gibt es ein vier Wochen altes Karakul-Lamm. Zum ersten Mal hat diese besondere deutsche Rasse der Fettschwanzschafe Nachwuchs im Zoo bekommen. Noch ganz frisch sind die Thüringer Waldziegen. Die haben am letzten Wochenende sozusagen eine Gemeinschaftsentbindung gehabt. Fünf Junge sind auf die Welt gekommen auf normalem Wege, drei weitere mussten mit Kaiserschnitt geholt werden. Weil die Fläschchen und besondere Pflege brauchen, hat sie eine Pflegerin, die selbst Ziegen hat, mit nach Hause genommen. Unübersehbar sind die Ouessant-Schafe trächtig. Was den Storchen-Nachwuchs betrifft, ist Fritsch guter Hoffnung, ebenso für die in der selben Voliere lebenden Nachtreiher und Kraniche.

Noch nicht ran darf in diesem Jahr Herr Fossa. Da die dem madegassischen Raubtier zugedachte Dame nach Meinung der EEG-Koordinatoren noch zu jung ist, muss sich der Herr noch mindestens ein Jahr gedulden. Die Männchen sind hier doppelt so groß wie die Weibchen. Damit das für die Damen nicht zu brutal wird, hat Mutter Natur sowieso nur ein schmales Fenster von acht Tagen vorgesehen, an denen die Nachwuchs-Produktion möglich ist. Ein Jahr Schonzeit hat die junge Lady noch, um sich darauf vorzubereiten. Ob es dann im nächsten Jahr klappt, wird sich zeigen.

Sagar und Louisa haben erwarten wieder Nachwuchs. Foto: www.monsieurmaurice.de - D. W. B/Photo - Monsieur de Maurice by D
Bei den Thüringer Waldziegen hat es am vergangenen Wochenende reichlich Nachwuchs gegeben. Foto: Zoo/Iwan Fritschle
Norbert Fritsch Foto: Elke Jacobi

Langeweile kommt bei den Fossas trotzdem nicht auf, notfalls können sie den Arbeiten am Nebengehege zusehen. Denn die gehen natürlich ebenso wie die Bauarbeiten am neuen Eingang und alles andere weiter. „Schließlich soll ja alles schön und in Ordnung sein, wenn die Normalität wieder beginnt und wieder Besucher in den Zoo kommen“, sagt der Direktor.