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Im Garten von Familie Kümmel-Harig aus Wiebelskirchen

Gartenserie : Wie aus nix ein Garten im asiatischen Stil wird

Der Tag der offenen Gartentür fiel in diesem Jahr wie so vieles andere aus. Wir wollen den Lesern aber trotzdem zeigen, welch schöne Gärten es im Kreis gibt. Heute startet unsere Serie mit dem Garten von Familie Kümmel-Harig aus Wiebelskirchen.

Am Anfang war – „gar nix“, lacht Jürgen Harig. Bei ihrem Einzug 1980 in das gar nicht so große Reihenhaus seiner Tante gab es zwar ein „Riesengrundstück“ hinten raus. Allerdings bestand das mehr oder weniger aus schier endlosen Wiesenflächen und „zehn Riesentannen“. Die kannte Harig, dessen Elternhaus nebenan steht, quasi persönlich. Handelte es sich doch um Mitbringsel von den Urlaubsreisen seiner Kindheit, welche die Familie in schönster Regelmäßigkeit im Schwarzwald verbrachten.

Zugunsten von Licht und Sonne mussten die Nadelbäume weichen – dann konnte das Dauerprojekt Hausgarten starten. „Los ging’s mit einem Grillplatz.“ Der wurde irgendwann überdacht. 2005 legte das Ehepaar den Teich an: 40 Quadratmeter mit 25 Kubikmetern Wasser. Heute ist ihr kleines Paradies ein dank Osternähe angenehm temperierter, „immer feuchter“ Vorzeigegarten im asiatischen Stil. Asiatisch deshalb, weil sich chinesische und japanische Elemente mischen, erklärt Elisabeth Kümmel-Harig.

Zu entdecken gibt es auf den insgesamt 1600 Quadratmetern unter anderem einen japanischen Trockengarten (Kare-sa-sui) und einen kleinen Stadtgarten (Tsubo-niwa). Im Teich tummelten sich zunächst nur Goldfische, bei denen sich der Fischreiher gern mal bediente. Mittels Uferausbau und dichtem Bewuchs hat der Räuber inzwischen keine Chance mehr. Gut für die Koi-Karpfen, die dazu gekommenen sind. Als Geldanlage taugen diese Exemplare jedoch nicht: „Die meisten genießen bei uns Asyl.“ Kleine Schönheitsfehler wie ein schiefes Maul oder krummer Körperbau machen die Fische für Züchter uninteressant.

Alle Wege aus Holz mussten weichen, wobei die Bretter ohnehin gern faulten. Trittsteine weisen nun den Weg zum Teehaus und Teich. Was schon manche Besucher irritiert habe, erzählt das Paar. Irgendwas stimmt mit den Abständen nicht, wird da regelmäßig kritisiert. Von wegen. „Es gibt da ein genaues Schrittmaß“, das in Asien halt etwas kleiner ausfällt als für uns Europäer. Augenblicklich hat man tippelnde Geishas vor Augen. „Da stolpern die nicht“, nickt Harig. Für ihn hat das Ganze einen schönen Nebeneffekt: „Man ist gezwungen, langsam zu machen, bewusst zu gehen“ – sprich, Achtsamkeit zu üben.

Auch für das steinerne Meer musste sich Elisabeth Kümmel-Harig schon so manches Mal rechtfertigen. Dabei verabscheut sie totgekieste Vorgärten. „Das hier ist etwas ganz anderes.“ Entwickelt von buddhistischen Mönchen vor zweitausend Jahren, dienen Zen-Gärten mit ihren harmonisch angeordneten Felsen und dem geharkten weißen Kies dem inneren Gleichgewicht und der Meditation.

Zen praktizieren die Gastgeber selbst nicht. Aber es existiert ein extra Tai-Chi-Platz im unteren Teil des Grundstücks. Wo früher der Sohn im Pool planschte, bieten sich jetzt ideale Bedingungen für Freiluft-Trainingseinheiten der chinesischen Kampfkunst.

Das Gartenhaus wurde 2016 zu einem japanischen Teehaus umgebaut. Weil es reinregnete und innen alles unter Wasser stand, muss ganz aktuell die Dachpappe runter und durch Blech ersetzt werden. Ja, die Arbeit hört nimmer auf. Dieses Gartenbesitzer-Mantra haben Harig-Kümmels längst verinnerlicht. Manchmal kommt es auch richtig dicke. So sorgte der Buchsbaumzünsler dafür, dass sie alle 250 Miniatur-Buchsbäumchen durch 130 Spindelstrauchpflänzchen ersetzen mussten. „Zum Glück wächst dieses Jahr alles wie verrückt.“

Was die Gartenbesitzer zunehmend besser schaffen, ist, alles Werkzeug weg zu legen – um zu relaxen. Fünf Sitzplätze laden zum Verschnaufen ein, von denen man aus unterschiedlichen Perspektiven den strukturreichen Garten betrachten kann. Optisch und haptisch für Erfrischung sorgen ein Bachlauf und unterhalb der Gabionenwand ein Wasserbecken, in dem eine stattliche Echse badet. „Asiatisch ohne Drachen geht gar nicht“, findet die Gastgeberin. „Das ist schließlich der Beschützer und Glücksbringer schlechthin.“ Apropos Gabionen: Die Crux an diesem Gartentraum in der Ostertalstraße ist die fehlende Zufahrt.

Alles, was verbaut und gepflanzt wird, muss durchs Haus und die 18 Treppenstufen runter getragen werden. Auch die 20 Tonnen Steine für die Gitterkörbe! Zuletzt wurden die Trennwände zum Nachbargrundstück erneuert, nachdem die Wildschweine eingefallen waren. Den Tod eines großen Hartriegels nahmen die engagierten Hobbygärtner zum Anlass, einen Schattengarten anzulegen mit noch mehr Azaleen, Rhododendron, Fuchsien, Hosta und ähnlichem.

Die abschließende Frage, ob sie Beide generell einen asiatisch angehauchten Lebensstil pflegen, verneint Harig: „Es geht uns nur um den Garten: einen Platz, an dem man entspannen und sich zurückziehen kann. An dem man ein Glas Wein genießt. Auch das japanische Essen gehört für uns nicht dazu. Wir mögen lieber indisch.“

Zum fünften Mal hätten die Wiebelskircher – beide stammen übrigens hier aus dem Ort – beim Tag des offenen Gartentors mitgewirkt. Wenn dieser nicht abgesagt worden wäre. Da sie ihren Schatz aber trotzdem auch 2020 gern präsentieren, Tipps geben und mit vielen Menschen ins Gespäch kommen wollen, nehmen die Kümmel-Harigs das Ruder selbst in die Hand.

„Wer Interesse hat, mit dem vereinbaren wir einen Termin und zeigen in gemütlicher Runde unseren Garten.“ Der Erlös aus dem Getränkeverkauf geht wieder komplett an die Elterninitiative krebskranker Kinder. „Letztes Jahr kamen 500 Euro zusammen.“

Jürgen Harig und Elisabeth Kümmel-Harig bieten auf Wunsch Führungen durch ihren Garten an. Foto: Anja Kernig
Mit viel liebevollen Details auf den insgesamt 1600 Quadratmeter Garten betont Familie Harig den asiatischen Stil ihres Kleinods in Wiebelskirchen. Foto: Anja Kernig
Der Garten von Familie Harig-Kümmel in Wiebelskirchen. Foto: Anja Kernig Foto: Anja Kernig
Der Garten von Familie Harig-Kümmel in Wiebelskirchen. Foto: Anja Kernig Foto: Anja Kernig
Der Garten von Familie Harig-Kümmel in Wiebelskirchen. Foto: Anja Kernig Foto: Anja Kernig
Im Teich schwimmen auch Kois – da ist Familie Harig eine Art Auffangstation für nicht ganz perfekte Tiere, die nicht mehr zuchtgeeignet sind. Foto: Anja Kernig
Zum asiatischen Garten gehört auf jeden Fall ein Zen-Bereich. Foto: Anja Kernig

Anmelden kann man sich unter Telefon (01 71) 2 78 99 95.