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Im Dienste der Schwächsten: Neunkircher Kinderarzt hilft im Aufnahmelager Lebach aus

Im Dienste der Schwächsten: Neunkircher Kinderarzt hilft im Aufnahmelager Lebach aus

Zwei bis drei Allgemeinmediziner setzt das Innenministerium ständig zur Versorgung von Flüchtlingen im Aufnahmelager Lebach ein. Für akute Erkrankungen bei Kindern aber, braucht es Spezialisten.

Dr. Benedikt Brixius ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und praktiziert in einer Neunkircher Gemeinschaftspraxis. Er hilft, wie viele seiner Kollegen, als Kinderarzt im Lager Lebach aus, wenn es seine Zeit erlaubt. Im Redaktionsgespräch, hat er von der Situation vor Ort und seinen Erlebnissen berichtet.

"Zuerst waren wir behelfsmäßig in einem Container untergebracht", so Brixius. Mittlerweile sei das Team aber in einem Haus untergebracht und habe richtige Untersuchungszimmer zur Verfügung. Seit Anfang des Jahres kümmert sich auch die Kassenärztliche Vereinigung um die Strukturen. "Es gibt zwei medizinische Fachangestellte und endlich eine gescheite Aufnahme der Patienten mit dem Computer."

Zwei pensionierte Kinderärzte halten die kindermedizinische Grundversorgung in Lebach aufrecht. Brixius und weitere Kollegen helfen abwechselnd, neben eigener Praxis und Notdiensten, in Lebach aus.

Was sie zu sehen bekommen, sind oft ganz ähnliche Krankheiten wie hier. "Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen", zählt Brixius auf. Dabei könnten die Kinderärzte die Symptome wegen ihrer Erfahrung oft einfacher einschätzen. Richtige Unterernährung habe es bei seinen Patienten in Lebach noch keine gegeben, wohl aber Grenzfälle. Bei den Untersuchungen ist es natürlich hilfreich, wenn, wie zumindest an Werktagen üblich, ein Übersetzer dabei ist.

Der Umgang mit den Patienten sei meist unkompliziert. "Wir erleben die Menschen als sehr höflich und dankbar", schildert Brixius. Manche würden ihm am liebsten aus Dankbarkeit etwas schenken, streicheln ihm beim Abschied die Hand. Gerüchten, die Ärzte würden den Dienst in Lebach wegen des Geldes leisten, widerspricht Brixius, der auch Sprecher der niedergelassenen Kinderärzte im Saarland ist, entschieden. Im vorigen Jahr sei der Einsatz überhaupt nicht bezahlt worden. Ab Januar sollen die Ärzte 50 Euro pro Stunde als Aufwandsentschädigung erhalten. Die Zahl der Patienten sei dabei in Lebach durchaus mit einem Wochenend-Notdienst auf dem Kohlhof vergleichbar. Die Geste weiß Brixius zu schätzen, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sei der Dienst aber völlig uninteressant, betont Brixius. Vielmehr müsse die Gesellschaft in der derzeitigen Situation Hilfe leisten. "Da gehören die Ärzte auch dazu." Der eigentliche Lohn sei die Dankbarkeit der Menschen.

Schwierig werde es im Umgang mit den Patienten ab und an, wenn Eltern der Meinung seien, nur ein Antibiotikum sei gute Medizin: "Bei den häufig vorkommenden Virusinfektionen hilft das aber leider nicht." Da müsse ab und an schon Überzeugungsarbeit geleistet werden. Alles in allem beschreibt Brixius die Lage in Lebach als gut. Aus medizinischer Sicht seien viele Menschen auf engem Raum aber immer ein Risiko. Wenn dann eine stark infektiöse Krankheit aufkomme, könne man wenig tun. "Die klassische Grippezeit kommt zum Beispiel erst noch." Bei seinem Dienst in Lebach erfährt Benedikt Brixius, der mit seiner Frau, einer Kinderkrankenschwester, selbst zwei Kinder hat, täglich, wie der Krieg die Menschen beutelt.

In einem Sonntagsdienst war ihm zum Beispiel ein kleiner Junge einer neu angekommenen Familie vorgestellt worden. Das Kind war blau. "Heißt für mich akutes Lungen- oder Herzproblem." Die Eltern hatten ein Schreiben auf Englisch dabei. Das Kind hatte einen angeborenen Herzfehler, bei dem die Arterien zur Lunge vertauscht sind.

"Das wird normalerweise innerhalb weniger Wochen nach der Geburt korrigiert", erklärt Brixius. Der kleine Junge sei aber "unter abenteuerlichen Umständen" im syrischen Bürgerkrieg notoperiert worden und hat bleibende Schäden davongetragen. "Vor wenigen Jahren wäre diese Operation in Syrien kein Problem gewesen." Die medizinische Hilfe in Deutschland kommt für den Jungen - so prognostiziert es der Kinderarzt - wohl zu spät.