„Ich plane mein Leben hier“

Ein Jahr nach seiner Flucht aus Syrien ist der Neu-Ottweiler Ahmed Al Rhmela in der SZ-Redaktion zu Gast. Ein Gespräch über Dankbarkeit, Zukunftsträume und das Feilschen auf syrischen und deutschen Flohmärkten.

Gut gelaunt betritt Ahmed Al Rmela mit seinem syrischen Freund Raad Alnaasan die Redaktion. Das Lächeln wird während des rund einstündigen Gesprächs ebenso oft über seine Lippen hüpfen wie das kleine Wort "Danke".

Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass Ahmed über die Balkanroute ins Saarland und schließlich nach Ottweiler gekommen ist und man staunt, wie gut der 20-Jährige schon Deutsch spricht. "Die deutsche Sprache ist sehr schwer", gibt der junge Mann zu. "Am Anfang habe ich geglaubt, ich lerne das nie." Damals, im Herbst vorigen Jahres, habe er sich sehr allein gefühlt, sagt er heute. Das habe sich aber bald geändert. "Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden", sagt Ahmed. Eine Lehrerin habe ihn zu sich nach Hause zum Essen eingeladen. "Dort habe ich eine zweite Familie gefunden."

Dankbar sei er aber auch seiner leiblichen Familie in Syrien. Sie habe für seine Flucht zusammengelegt. Keine Selbstverständlichkeit in Kriegszeiten , in denen das Geld knapp ist, zumal der einzige Verdiener, der Vater, nicht mehr seinen Beruf als Taxifahrer ausüben konnte. "Ohne meine Familie wäre ich nicht nach Deutschland gekommen", ist sich Ahmed sicher. Ohne die Familie, mit der er über Telefon und Internet regelmäßig Kontakt hält, hätte er heute nicht so viel Energie. "Die Energie brauche ich auch, damit ich in Zukunft weiter komme", sagt der junge Mann und lächelt. Und für die hat er schon einen klaren Plan. Im April will Ahmed gemeinsam mit seinem 24-jährigen Freund Raad eine Deutschprüfung ablegen und danach Sozialpädagogik studieren. In Syrien sei es nicht entscheidend, ob man studiere, arbeite oder nicht. In Deutschland sei das ganz anders und das gefalle ihm gut. "Wissen ist wichtig", sagt Ahmed.

Nach dem Studium will er als Sozialarbeiter in Saarbrücken arbeiten. Später wolle er sich eine Frau suchen und eine Familie gründen. "Ich plane mein Leben hier", fasst es der 20-Jährige zusammen. Über das Zurückkehren denkt er gerade nicht nach. Eines Tages wolle er seine syrische Heimat seiner deutschen Familie präsentieren. "Ich bin doch dann Deutscher?", stellt er als Frage in den Raum. "Ich danke Deutschland, vor allem Frau Merkel, die mir das Leben in Freiheit ermöglicht."

Aktuell hat Ahmed allerdings noch mit den Tücken des Alltags zu kämpfen. Da er noch keinen Computer besitzt, arbeitet er derzeit nur mit seinem Smartphone, dessen Batterie "ständig alle" sei.

Neu sei für ihn, dass man in Deutschland überall Alkohol kaufen könne. "Wenn man viel trinkt, weiß man nicht, was man macht", findet Ahmed, der als gläubiger Muslim keinen Alkohol konsumiert. In Syrien gebe es alkoholische Getränke nur in speziellen Läden. Dort hätten allerdings die Geschäfte bis spät in die Nacht geöffnet. "Hier ist es um 20 Uhr schon sehr ruhig", stellt der Neu-Ottweiler fest. Dafür gebe es im Saarland Grillfeste, zu denen er gerne gehe. Zum Glück sei es dort nicht schlimm, dass er kein Schweinefleisch esse. Man gebe ihm stattdessen Hühnchen oder Lamm. Zu solchen Festen oder Geburtstagen lade man ihn oft ein, freut er sich.

Neben der Gastfreundschaft gefallen ihm im Saarland auch die vielen Flohmärkte, auf denen er gerne flaniert. Besonders möge er Blumen, Geschirr und "Musikmaschinen", also Instrumente. Gut findet Ahmed, dass man in Deutschland nicht handeln muss. "Ich mag lieber, wenn es einen festen Preis gibt", sagt er lachend.

Zum Thema:

Auf einen Blick Zwischen dem 1. Oktober 2013 und dem 18. Mai dieses Jahres sind dem Landkreis Neunkirchen insgesamt 2247 Flüchtlinge zur Verteilung auf die Städte und Gemeinden zugewiesen worden, so eine Antwort des Kreises. Die Zahl der Zuzüge hat in diesem Jahr allerdings stark abgenommen. Zuletzt wurden im Monat Juni nur noch 19 Flüchtlinge zugeteilt, wie das Innenministerium auf Anfrage mitteilt. Die meisten Flüchtlinge , die derzeit ins Saarland kommen, sind aus Syrien, gefolgt von Serbien, Afghanistan, dem Kosovo und der Türkei. rob