Serie Unsere besten Schiedsrichter: „Ich liebe einfach dieses Spiel“

Serie Unsere besten Schiedsrichter : „Ich liebe einfach dieses Spiel“

Der 29-jährige Neunkircher Timo Klein ist Fußball-Schiedsrichter aus Leidenschaft. 

Timo Klein ist Fußball-Schiedsrichter aus Leidenschaft. „Mir ist es egal, ob ich in der 3. Liga als Assistent an der Linie stehe, Regionalliga-, Kreisliga- oder andere Spiele pfeife. Ich will immer mein Bestes geben“, sagt der 29-jährige Neunkircher, „es ist zwar schön, dass man dafür auch Geld bekommt, aber das ist nicht mein Antrieb. Die Stunden, die ich für mein Hobby verwende, habe ich nie gezählt. Ich liebe einfach dieses Spiel.“

Am Anfang der Karriere spielte der finanzielle Anreiz schon eine Rolle. Der Papa – selbst Schiedsrichter – wollte das Taschengeld nicht erhöhen. Timo – damals noch aktiver Kicker – ließ sich zum Lehrgang überreden. „Mein erstes Spiel war bei einem Hallenturnier in Friedrichsthal. Der Einsatz hat mich geprägt“, erzählt der Mann, der für den TuS Wiebelskirchen pfeift. „Ich habe eine Zeitstrafe verhängt, aber vergessen auf die Uhr zu schauen. Als der Trainer reklamierte, habe ich den Spieler aufs Feld gelassen. Später erfuhr ich, dass er keine zwei, sondern nur gut eine Minute draußen war. Seither passiert mir das nicht mehr.“

Klein war in der Jugend ein richtig guter Spieler, schaffte es sogar in die Junioren-Bundesliga. Er galt als „Wadenbeißer“ im Mittelfeld, bis eine Knieverletzung die Karriere beendete. „Das heißt aber jetzt nicht, dass ich als Schiedsrichter mit Abwehrspielern mehr Mitgefühl habe als mit Stürmern“, sagt Klein mit einem Lachen. „Ich glaube schon, dass es manchmal ein Vorteil ist, selbst gespielt zu haben. Aber ein guter Spieler ist nicht unbedingt auch ein guter Trainer oder Schiedsrichter.“

Für seine eigene Spielleitung hat er sich bei vielen Kollegen Dinge abgeschaut, die zu ihm und seiner Persönlichkeit passen. „Ich bin ja jetzt kein Riese, und da macht es keinen Sinn, sich vor einem Spieler aufzubauen“, nennt Klein ein Beispiel. „Ich rede oft im Vorbeilaufen mit den Spielern. Das ist wie bei einem Handwerker. Du hast einen Werkzeugkoffer und musst je nach Verlauf entscheiden, welches Werkzeug du gerade einsetzt.“

Klein ist Zerspanungsmechaniker. Sein Arbeitgeber steht hinter Kleins Hobby. „Ich fange morgens um 6 Uhr an, bin bis um 3 im Büro, aber ohne gewisse Freiheiten wäre das nicht möglich“, sagt Klein. „Es ist wichtig, dass das Umfeld Verständnis hat“. Zu diesem „Umfeld“ gehört auch Freundin Monika, eine Triathletin. „Wir können gemeinsam trainieren. Sie kann es nachvollziehen, wenn ich für den Sport unterwegs bin.“

Die beiden nutzen die Sommerpause, um zusammenzuziehen. Möbelpacken als Training. „Die Spieler, die ich pfeife, sind teilweise Profis und topfit. Da ist es nicht mehr als gerecht, dass auch ich mit optimaler Fitness zum Spiel komme.“

Gerade beendet ist die Fußball-WM. Für Trainer und Spieler aller Spielklassen auch so etwas wie „Schulfernsehen“. Für Klein nur bedingt: „Ich schaue Fußball, weil ich den Sport liebe. Dass man dabei als Schiri schon im Blick hat, wie ein Kollege mit gewissen Situationen umgeht, ist normal. Aber ich achte jetzt nicht nur auf die Unparteiischen.“

WM-Schiedsrichter Timo Klein? Ein Traum. „Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Lautsprecher bin, der jetzt raushaut, dass er ein WM-Endspiel pfeifen will. Natürlich ist es das große Ziel, mal in die Bundesliga zu kommen. Aber ich setze mir immer kleine Zwischenziele. Das nächste wäre Spielleitung in der 3. Liga.“

Im Moment sind Kleins Schiedsrichterklamotten in einer Tasche im Keller – Sommerpause. „Das ist ein Ritual. Wie auch, dass ich immer erst den rechten Stutzen und den rechten Schuh anziehe“, sagt Klein, der in zwei Wochen zu einem Schiedsrichter-Lehrgang des DFB reisen wird, „die Pause ist wichtig. Danach musst du aber auch wieder diese Gier spüren, dich darauf freuen, dass es wieder losgeht. So lange dieses Gefühl da ist, werde ich weitermachen.“

Und da ist wohl egal in welcher Liga, denn Timo Kleins Leidenschaft ist die Schiedsrichterei.