Hoffnung auf Geld aus Berlin

Der Landkreis Neunkirchen beteiligt sich am bundesweiten Modellvorhaben Land(auf)Schwung. Damit will Bundesminister Schmidt die Entwicklung kreativer Ideen fördern, die die ländliche Region stärken. Jede Modellregion erhält bis zu 1,5 Millionen Euro.

. Eine spannende Entscheidung steht im Juni für den Landkreis Neunkirchen in Berlin an: Dann verkündet Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt , welche zehn bis 13 Modellregionen eine unabhängige Jury ausgewählt hat für das Modellvorhaben Land(auf)Schwung. Mit 1,3 bis 1,5 Millionen Euro kann jede Modellregion für die Umsetzung ihrer Konzepte im Förderzeitraum bis Dezember 2019 rechnen.

Eine stolze Summe. Dabei steht der Kreis Neunkirchen in direkter Konkurrenz zum Kreis St. Wendel, der ebenfalls in der "Start- und Qualifizierungsphase" dabei ist. Bundesweit sind ursprünglich 39 Landkreise für diese Vorbereitung ausgesucht worden. Einige sind jedoch bereits abgesprungen. Zwar gibt es für diese Start- und Qualifierungsphase für jeden Teilnehmer 30 000 Euro, aber diese ist auch mit "sehr viel Arbeit und Zeit verbunden," sagt Klaus Häusler. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) ist der vorgesehene Projektträger, falls der Landkreis Neunkirchen tatsächlich zum Zug kommt. Wie er berichtet, sei der Kreis Saarlouis von den ursprünglich drei saarländischen Bewerbern nicht mehr dabei. Häusler erstellt mit Thomas Thiel (Stabsstelle Bürgerlandkreis) das regionale Zukunftskonzept mit umsetzbaren Projekten.

Ideen hat das Team bereits etliche, Grundlage ist das 2012 erarbeitete Handlungskonzept "Initiative Zukunft", in dem bereits Handlungsfelder und Leitprojekte entwickelt wurden. Dabei sollen die beiden Themenfelder Vitalregion und Bürgerlandkreis aufgegriffen werden, erläuterte Landrätin Cornelia Hoffmann-Bethscheider im SZ-Gespräch. "Falls wir tatsächlich den Zuschlag erhalten, bekommt das Geld nicht der Landkreis, sondern die Menschen vor Ort in den Projekten." Die Landrätin rechnet "ihrem" Landkreis durchaus gute Chancen zu. "Wir haben das Potential dafür", ist sie überzeugt. Genügend Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und das Knowhow von Seiten der Verwaltung beziehungsweise in Person von Klaus Häusler, der die Projekte begleiten würde. Die beiden Themenschwerpunkte "Daseinsvorsorge und Wirtschftskraft" sollen mit vier Pilotprojekten besetzt werden. Sowohl Unternehmergeist als auch das Ehrenamt sind hier gefragt. Mit welchen konkreten Inhalten diese Projekte gefüttert werden sollen, mögen Thiel und Häusler aus Wettbewerbsgründen noch nicht öffentlich verraten. "Aber selbst wenn wir nicht gewinnen, profitieren wir von dem Wettbewerb", betont der Wirtschaftsförderer. Zum einen werde die Vorarbeit von Nutzen sein, und auch die begonnene Vernetzung mit den anderen Regionen Deutschlands könne Früchte tragen. Denn die einzelnen Projekte sollen - so der Wunsch des Bundesministers - Vorbildcharakter bekommen, wie der Wandel zur Chance für den ländlichen Raum und sogar das ganze Land werden kann. Die Teilnahme an dem Wettbewerb erfordere zwar einen Mehraufwand für die Beteiligten, weiß Hoffmann-Bethscheider. "Aber ich bin überzeugt davon, dass sich dieser lohnt."

Meinung:

Bewerben lohnt auf jeden Fall

Von SZ-RedakteurinHeike Jungmann

Die Finanzmisere des Landkreises Neunkirchen ist hinlänglich bekannt. Auch die Tatsache, dass die Region besonders vom demografischen Wandel betroffen ist. Um den Kreis trotzdem voranzubringen, müsste eine Gelddruckmaschine her, mit der man das Ideenpotenzial verwirklichen kann. Oder man findet eine legale Geldquelle, was leider mit mehr Aufwand verbunden ist. Mit dem Modellvorhaben Land(auf)Schwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft könnten sogar bis zu 1,5 Millionen Euro zu den Menschen in der Region fließen. Falls der Landkreis Neunkirchen im Juni den Zuschlag erhält, könnte er innovative Ideen der Menschen vor Ort realisieren, die sonst angesichts der finanziellen Situation keine Chance hätten.

Selbst wenn es diesmal nicht klappt, es wird weitere Modellvorhaben geben, in die das gesammelte "Bewerberwissen" einfließen kann. Andere Regionen Deutschlands, vor allem in den Neuen Bundesländern, haben es vorgemacht. Nur wer investiert, in diesem Fall die Manpower, kann dafür belohnt werden. Die anderen bleiben außen vor.