Hinter den Kulissen des Vatikans

Seit rund 30 Jahren gehört der Journalist Andreas Englisch zu den „vaticanisti“, die als Experten über die Angelegenheiten des Vatikans berichten. Spannende Einblicke in seinen Arbeitsalltag gab Englisch bei seiner Lesung in der Marienkirche.

. Über ein so gut besuchtes Gotteshaus würde sich jeder Pfarrer am Sonntagmorgen bei der Frühmesse freuen. Auf äußerst große Resonanz stieß am Mittwochabend die Lesung von Bestseller-Autor Andreas Englisch in der Marienkirche in Neunkirchen .

Wobei von Lesung eigentlich keine Rede sein konnte. Ganz frei sprechend analysierte der Kenner des Vatikans Geheimnisse aus der Machtzentrale der katholischen Kirche und schilderte Erlebnisse, die er in seinem Buch ,,Franziskus - Kämpfer im Vatikan" beschrieben hat. 1987 verschlug es den Journalisten Englisch nach Rom. Zuerst der Sprache wegen, um vor Ort Italienisch zu lernen. Von der Ewigen Stadt wie vom Vatikan war der Autor so gefesselt, dass er noch heute dort lebt. Andreas Englisch leitete über viele Jahre als festangestellter Italien- und Vatikankorrespondent das Korrespondentenbüro des Axel Springer-Verlages und begleitete in dieser Funktion die Päpste Johannes Paul II. , Benedikt XVI . und das aktuelle Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Franziskus. Somit erlangte Englisch tiefe Einblicke in die Geschehnisse um den Vatikan.

Einblicke, die der Bestseller-Autor mit einer sehr lebendigen Art und Weise zum Besten gab und seine Besucher so fesselte. So erläuterte Andreas Englisch tiefschürfende Konflikte mit den Konservativen im Vatikan, die Papst Franziskus mit seiner völlig neuen, revolutionären Art herausfordere. Auch schilderte er eindrucksvoll die Hintergründe für die Wahl von Papst Franziskus und die Herausforderungen, denen er gegenübersteht.

Weshalb Franziskus sich als Papst der Armen sieht und dies in seinem Alltag umsetzt, unterstrich Andreas Englisch an einigen markanten Beispielen. So weigere sich Franziskus laut "Vatikaninsider" Englisch mit allem Nachdruck, mit dem Mercedes 600 als seinem Dienstauto chauffiert zu werden und in den päpstlichen Palast zu ziehen. Er wohne nach wie vor im Haus der Heiligen Martha und verzichte auf Kammerdiener, Sekretäre und Redenschreiber. Sehr humorvoll schilderte Andreas Englisch auch die Kleiderordnung von Papst Franziskus. So verzichtete das Kirchenoberhaupt zum Osterfest auf die pompöse Papstkleidung mit Samtrobe und den berühmten roten Schuhen und zeigte sich laut Englisch lieber in seiner gebrauchten Priestersoutane: "Ich bin doch nicht der Nikolaus, sondern der Papst", kommentierte Franziskus diese Aktion, die bei der erzkonservativen Kurie auf wenig Gegenliebe gestoßen sei.

Korruption stoppen



,,Franziskus will jahrhundertealte Privilegien abschaffen, der Cliquenwirtschaft im Vatikan ein Ende bereiten und die Korruption bei der Vatikanbank stoppen. Die Kirche soll sich aufs Wesentliche besinnen, nämlich den Glauben zu leben und den Menschen nahe zu sein", erläuterte Englisch.

Angesprochen auf seinen eigenen Glauben, zeigt sich bei Englisch ein tiefer Sinneswandel: ,,Bis zu meiner Korrespondentenzeit im Vatikan war ich ein ungläubiger, eher rebellischer junger Mann, der sich nur wünschte, in Rom zu leben. Durch die vielen Erlebnisse und den engen Kontakt zum Vatikan und zu den Päpsten bin ich ein gläubiger Mensch geworden." Am Ende einer sehr lebendigen Schilderung seiner Erlebnisse im und um den Vatikan stand Andreas Englisch auch noch den Fragen der zahlreichen Besucher Rede und Antwort.