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Hilferuf der Krötenretter

Gerhard Breit und seine Mitstreiter Jürgen Charrois, Walter Gerads und Günther Lang (von links). Archivfoto: Anika Meyer
Gerhard Breit und seine Mitstreiter Jürgen Charrois, Walter Gerads und Günther Lang (von links). Archivfoto: Anika Meyer
Münchwies. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Amphibienschutz, die Natur- und Vogelschützer aus Münchwies. Doch auf Grund ihres Altersdurchschnitts können sie diese anstrengende Arbeit nicht mehr lange leisten. Von den zuständischen Behörden fühlen sie sich allein gelassen. Heike Jungmann

. Die Münchwieser Natur- und Vogelschützer schlagen Alarm: Ein letztes Mal wollen sie im nächsten Frühjahr die Amphibien zwischen Münchwies und Eichelthalermühle retten und in Eimern über die Landstraße 290 zu den Laichgewässern bringen. Der Vorstand war sich in seiner Sitzung dieser Tage einig: so wie bisher kann es nicht mehr weiter gehen.


Seit dem Jahr 2002, als sie die Betreuung des Amphibienschutzzauns vom Naturschutzverband Ostertal übernommen haben, haben die Männer Tausende von Amphibien davor bewahrt, von Autos platt gefahren zu werden. In diesem Jahr waren es allein 3080 Amphibien , überwiegend Erdkröten, aber auch Grasfrösche, Fadenmolche sowie Erd- und Teichmolche. "Zu Beginn konnten wir noch alle Wochentage mit zwei Mann besetzen", berichtet der Vereinsvorsitzende Gerhard Breit rückblickend beim Besuch in der SZ-Redaktion. Ohne die Unterstützung der Jungen Union Münchwies , die die Aufgabe an den Wochenenden übernimmt, wäre dies schon längst nicht mehr möglich. Der Altersdurchschnitt liegt bei 70, dabei gehören Schriftführer Michael Mihm und Gerhard Breit mit Ende 50 noch zu den Jüngeren. Und die Krötenrettung erfordert einen hohen körperlichen Einsatz. "Der über 700 Meter lange Zaun steht auf absolut unwegsamen Gelände", berichtet Miehm. Man könne nicht einfach dran vorbeilaufen, sondern müsse oftmals glitschige Abhänge mit hochstehenden Wurzeln überwinden. "Uns wundert es, dass sich noch niemand ernsthaft verletzt hat", sagt Breit. Außerdem sei es sehr anstrengend, die im Boden eingelassenen Eimer mit den gesammelten Amphibien hochzuheben.

Trotz der großen Widrigkeiten haben Breit und seine Mitstreiter sich jahrelang mit viel Herzblut eingebracht in diese wichtige Aufgabe für den Naturschutz . Doch seit gut drei Jahren wissen sie: Das Ende der Fahnenstange ist erreicht. Seither kämpft Gerhard Breit um eine Lösung, hat etliche Briefe und unzählige Emails an die zuständigen Leute im Ministerium und in den Behörden geschrieben. Antworten darauf bekam er, wenn überhaupt, verspätet. Unsere Zeitung hat im April 2014 bereits über das Anliegen der Münchwieser berichtet. Damals stand in Aussicht, dass die L 290 in absehbarer Zeit erneuert wird. Dabei hätte man die Gelegenheit nutzen und drei Durchlässe darunterziehen können. Die Tiere würden so nach wie vor durch den Zaun aufgehalten werden, beim Entlangkriechen daran aber nicht mehr in Eimer fallen, sondern zu den Tunneln geleitet werden.

So weit, so gut. Im September 2014 ist die Landstraße tatsächlich saniert worden, allerdings ohne Amphibien-Durchlässe. Auf SZ-Anfrage erläuterte Klaus Kosok, Sprecher des Landesbetriebs für Straßenbau, warum damals lediglich eine dünne, preiswerte Asphaltsanierung ohne größere Veränderungen vorgenommen wurde. "Die L 290 ist damals in einem Dünnschichtverfahren saniert worden, um Frostschäden entgegenzuwirken." Die genannten Durchlässe erforderten einen tiefergehenden Eingriff in die Straße, der richtig teuer sei und den das Budjet derzeit nicht hergebe. Auch Kosok weiß, dass die händisch zu bedienenden Amphibienzäune einen großen Einsatz von Ehrenamtlichen erfordern und dass dies angesichts des demografischen Wandels immer schwieriger werde. Trotzdem geben die Münchwieser Natur- und Vogelschützer nicht auf, auch wenn sie sich mittlerweile fragen: "Verschwindet das, was wir über Jahre gemacht haben, einfach sang- und klanglos?" Sie wollen nicht, dass der Naturschutz "den Bach runter geht", nur weil kein Geld in die Hand genommen wird. Vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der ein Herz für Frösche und Kröten hat.