Hilfenetz im Praxistest

Der Caritasverband ist im Landkreis Neunkirchen zuständig für die Erstintegration von Flüchtlingen. Und deren Zahl steigt: Vom 1. Januar bis zum 6. Oktober wurden bereits 832 Asylbewerber zugewiesen. Im Vorjahr lag die Zahl insgesamt bei 256. Derzeit kommen jeden Montag rund 40 neue Flüchtlinge an.

"Flüchtlingshilfe sucht Struktur" titelte unsere Zeitung vor einem Jahr, als der Caritasverband Schaumberg-Blies sein Modell "Willkommenspaten" vorstellte. Und das gilt immer noch, ja vielleicht noch herausfordernder wie jetzt beim Redaktionsbesuch der Caritas-Vertreter Thomas Hans, Fachdienstleiter Allgemeine Soziale Dienste, und Stefan Schuhmacher, Ehrenamtskoordinator für den Landkreis Neunkirchen , deutlich wurde. Die Faktenlage ändert sich schnell, das setzt auch den Caritasverband unter Anpassungsdruck. Der katholische Wohlfahrtsverband ist im Landkreis Neunkirchen zuständig für die Erstintegration.

Hans hat Statistik mitgebracht: Im Januar kamen 42 Flüchtlinge in den Landkreis Neunkirchen , in den vier Wochen zwischen dem 10. September und dem 6. Oktober waren es 173: "Immer montags, wenn wir die Zuweisungen erhalten, können wir mit rund 40 Flüchtlingen rechnen." Was mal der Monatswert war, ist jetzt der Wochenwert.

Im Jahresvergleich: Im Vorjahr lag die Gesamtzahl der Asylbewerber bei 256, im laufenden Jahr bis 6. Oktober liegt sie bereits bei 832. Anträge auf Familienzusammenführung wurden 75 Mal im ersten Halbjahr 2015 gestellt.

Bei vier Mal so vielen Flüchtlingen ist die Stellenzahl bei der Caritas zur Betreuung jedoch weniger stark gestiegen. Für "erstintegrative Maßnahmen", beispielsweise Anmeldung, Beratung oder Sprachförderung, stand Anfang des Jahres eine 0,3-Stelle zur Verfügung. Sie ist jetzt auf eine Vollzeitstelle angewachsen - verteilt auf drei Hauptamtliche in Teilzeit, die alle Arabisch sprechen. Auch für außerschulischen Spracherwerb sind jetzt Stunden finanziert.

Anfang 2016 kann zudem eine halbe Stelle für sozialpädagogische Begleitung der Flüchtlinge besetzt werden. Und auch die Viertelstelle des Ehrenamtskoordinators ist jetzt zum 1. Oktober auf eine halbe Stelle ausgebaut worden. "Wir müssen Struktur reinbringen, auch etwas ausprobieren", so Thomas Hans. In der Kreisstadt Neunkirchen , wo rund ein Drittel der Zuweisungen in den Landkreis hingeht, sei dies sicher anders zu organisieren als in den übrigen sechs Kreis-Kommunen. Struktur schaffen soll zum Beispiel eine Bürgersprechstunde, seit Juli im Praxistest: Dienstags - einen Tag nach den montäglichen Zuweisungen - kommen in einer Kommune möglichst alle Akteure zusammen, um Aktuelles zu besprechen - Flüchtlinge, Hauptamtliche, Koordinator, Ehrenamtler, Gemeindevertreter. Die Vorteile sieht Hans in kurzen Wegen für Asylsuchende, in einer besseren Verzahnung zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen sowie in Lösungen bei allen Fragen, die sich auf das direkte Wohnumfeld beziehen.

Struktur schaffen soll ebenfalls eine offene Sprechstunde mittwochs in den Räumen der Caritas am Neunkircher Hüttenberg, in diesem Monat angelaufen. "Was da nicht zu bewältigen ist, dafür werden dann Termine vergeben", sagt Hans. Einiges müsse über Gruppenveranstaltungen laufen, sei individuell gar nicht zu leisten.

> Weiterer Bericht folgt: Was sich der Ehrenamtskoordinator wünscht.

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