Es geht um Tiere in Not Ein Herz für Alte, Kranke und Unreitbare

Homburg/Neunkirchen · Wer in die Kulleraugen von Pony Talulah blickt, weiß, was die Leute von der Pferdehilfe Saarland antreibt: der Zauber dieser wunderbaren Kreaturen.

 Simon Heintz (links  mit Melody)  und Klaus-Bernd Barrois (mit der bezaubernden   Talulah) sind die Hauptakteure der Pferdehilfe Saarland.

Simon Heintz (links mit Melody) und Klaus-Bernd Barrois (mit der bezaubernden Talulah) sind die Hauptakteure der Pferdehilfe Saarland.

Foto: Andreas Engel

Wenn Simon Heintz (29) und Klaus-Bernd Barrois (67) vom Schicksal eines Schulpferdes erzählen, das viele Jahre für einen Reitverein Anfänger durch die Halle schleppte, und dann wegen diverser Alters-Wehwehchen den Gang zum Metzger antreten sollte, spürt man das Herzblut, mit dem sie sich ihrer Aufgabe stellen. Auch wenn der Verein Pferdehilfe Saarland noch einige Mitstreiter mehr hat, sind es doch die beiden Neunkircher, von denen die Hauptarbeit geleistet wird.

Wir treffen sie auf der Koppel des Vereins an der Stadtgrenze von Neunkirchen, wo die Halblüter-Stute Melody und das Welsh-Pony Talulah eine dauerhafte Bleibe gefunden haben. Die 17-jährige Melody wurde ausgemustert, weil sie einen chronischen Lungenschaden hat: Die erst fünfjährige bildhübsche Talulah wurde wegen eines Herzproblems weggegeben. Das Mädchen, dem sie gehörte, wollte kein Pony, das nicht mehr im Sport gehen kann. Da nutzte der Pony-Dame ihr ganzer Charme nichts mehr. Nun dienen Melody und Talulah als Begrüßungspferde. Sollte ein Notfall auf der kleinen Anlage der Pferdehilfe aufgenommen werden, können die Stuten dem Neuankömmling über den ersten Trennungsschmerz hinweghelfen.

„Wir sind aber keine Pferdeklappe, wo man anonym unliebsam gewordene Tiere einfach abstellen kann“, stellt Simon Heintz, im Hauptberuf Verwaltungs-Fachangestellter, bei der Stadt Neunkirchen, klar. Weswegen an dieser Stelle die genaue Ort der Koppel nicht genannt wird. Ziel der Vereins ist die Vermittlung von Tieren, die dringend einen neuen Platz brauchen an Leute mit Pferdeverstand, die sich gerne auch der Alten, Kranken und Unreitbaren annehmen. Damit aus der Vermittlungsbörse, die hauptsächlich über Facebook (siehe Info) betrieben wird, keine Pferdehandels-Plattform wird, haben die Leute von der Pferdehilfe Saar ein Limit von 700 Euro pro Pferd angesetzt. Man arbeitet auch mit Veterinärämtern zusammen, wenn es darum geht, beschlagnahmte Pferde unterzubringen. Viel Arbeit für den kleinen Verein, der sich vor rund zwei Jahren in der Ottweiler Reiterklause aus einem Häufchen gleichgesinnter Pferdefreunde gegründet hat.

Doch Engagement allein genügt nicht, um der Mission Pferderettung gerecht zu werden. „Wir haben zurzeit keinen Anhänger, um Notfälle abzuholen, und vor allem suchen wir ein geeignetes Gelände im Raum Neunkirchen mit einem festen Stall für die Tiere“, beschreibt Klaus-Bernd Barrois die Situation. Anders als Simon Heintz ist er kein Reiter, sondern ein Tierfreund, dem das Wohlergegen der den Menschen anvertrauten Kreaturen am Herzen liegt. Sollte sich sich ein Anwesen finden, wo auch Wohnen für Menschen möglich ist, würde der Innen-Architekt im Ruhestand dorthin umziehen, um sich intensiv um die Schützlinge kümmern zu können. Als Einnahmequelle („wir haben keine Sponsoren, bekommen nur dann und wann Sachspenden) haben die Pferderetter Flohmärkte ausgemacht; dort informieren sie über ihre Arbeit und bieten gebrauchte Reit- und Pferdesachen an. Wer also im Stallspind oder Kleiderschrank etwas übrig hat, kann das gerne an die Pferdehilfe weitergeben.

Melody und Talulah, die beim Foto-Termin nur ungern die Schnauze von den Äpfeln am Boden lassen, ficht das alles nicht an. Das optisch ungleiche Paar genießt die Oktobersonne. Auch wenn das Gelände der Pferdehilfe mangels Stromanschluss jeden Luxus für die Menschen vermissen lässt, bietet es doch das, was Pferde am meisten brauchen: Sozialkontakt, freie Bewegung draußen, Gelegenheit zum Unterstellen bei fiesem Wetter und artgerechtes Futter in Form von Gras beziehungsweise Heu. Ein Leben, von dem so mancher überbetütelte oder vernachlässigte Vierbeiner auf vier Hufen nur träumen kann.