Als Baden im Heinitzer Weiher noch erlaubt war : Heinitz und sein Beamtenweiher

Als Baden im Heinitzer Weiher noch erlaubt war : Heinitz und sein Beamtenweiher

Bis zu 80 000 Besucher erfrischten sich im frühen 20. Jahrhundert im Heinitzer Weiher.

Die Heinitzer sind ein bemerkenswertes Völkchen. Man hat den Eindruck, dass der Zusammenhalt in dem südwestlich der Neunkircher City gelegenen Stadtteil besonders groß ist. Vielleicht hat dies mit der bedeutenden Bergwerksvergangenheit zu tun. Die ehemaligen Gruben Heinitz (ab 1847) und Dechen (ab 1855) haben den Ort und die Menschen geprägt. Der Bergbau ist mittlerweile Geschichte. Lebendige Geschichte dank der Menschen, die ihr Leben einhauchen und sie erlebbar machen. Wie zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Heinitzer Vereine und die Mitstreiter der Heimatstube, die 2007 in der ehemaligen Grundschule eröffnet wurde. Hier treffen wir Michaela Frommelt und Frank Lorschiedter, die sich mit Hans-Otto Häfner als Museumsdirektoren engagieren. Anlass ist die Geburtstagsparty „70 Jahre Freibad Heinitz“ am 18. August (siehe Info) .

Dass dieses Fest am Beckenrand überhaupt gefeiert werden kann, ist der Bürgerinitiative Freibad Heinitz zu verdanken. Bekanntlich verhinderte diese vor fünf Jahren die dauerhafte Schließung des kleinen, aber feinen Freibads. Privilegierte Freischwimmer kamen indes in Heinitz schon viel, viel länger auf ihre Kosten. In der Heimatstube, die uns die Reproduktionen alter Fotos und die schriftlichen Quellen zur Verfügung gestellt hat, steht es Schwarz auf Weiß: Vorläufer des Freibades war der Heinitzer Weiher, allerdings war die Benutzung der Badeanstalt im unteren Weiher nur den Beamten der Berginspektion 7 gestattet! Und auch das Freibad Heinitz wurde erst im Sommer 1964 nach einem Umbau der Stadt Neunkirchen und damit der Öffentlichkeit übergeben. Ursprünglich war es nämlich vor 70 Jahren von Bergbaulehrlingen für „ihresgleichen“ gebaut worden.

Und dies kam so. Die Heinitzer Weiher wurden vom Königlichen Steinkohlenbergwerk Heinitz als Wasserreservoir für die beiden Gruben Heinitz und Dechen angelegt. Mit Beginn der Kohlenförderung stieg der Bedarf an Brauchwasser enorm an. Ein Sammelweiher im Weilerbachtal, der 1874 fertiggestellt war, sorgte für Abhilfe. Der Weilerbachweiher fasste rund 440 000 Kubikmeter Wasser, was dem durchschnittlichen Jahresbedarf an Speisewasser entsprach. Er staute das Wasser des Weilerbaches aus den Quellbächen des Großenbruchs und des Herrchenbachs, außerdem Quellwasser der umgebenden Hänge. Im Jahr 1911 lag der Weiher wegen lang anhaltender Trockenheit während der Sommer- und Herbstmonate fast trocken. Am 1. Juli 1911 wurde mit den Erdarbeiten zum Anschütten eines neuen Staudammes begonnen, um oberhalb der bereits vorhandenen beiden Weiher einen dritten Weiher anzulegen. Dies war der Damm des oberen und „eigentlichen“ Heinitzer Weihers. Am Ende des neuen, oberen Weihers wurde der Wasserstand durch einen vor dem Damm errichteten Mönch geregelt, einer Überlaufvorrichtung durch den Damm hindurch.

Das Baden war im Sommer 1914 in den Heinitzer Weihern (dem unteren und mittleren Weiher) nicht erlaubt. Dies geht aus einer Notiz in der Saar-Blies-Zeitung hervor: „Nach den Bestimmungen der hiesigen Berginspektion Heinitz ist das Baden in den Weilerbachweihern, das Fischen in den Weihern, das Betreten der Anlagen und der Aufenthalt in der Umgebung der beiden Weiher streng untersagt. Auch ist die Benutzung der Badeanstalt im unteren Weiher nur den Beamten der Berginspektion 7 gestattet. Andere Personen bedürfen einer Erlaubniskarte, die auf dem Inspektionsbüro ausgestellt wird.“ Der untere Weiher war deshalb auch als „Beamtenweiher“ bekannt.

Wann der Heinitzer Weiher offiziell zum Badebetrieb freigegeben wurde, ist auch den Museumsdirektoren der Heimatstube nicht bekannt. Es dürfte in den zwanziger Jahren der Fall gewesen sein. Aus dem Verwaltungsbericht von Neunkirchen vom Jahre 1930 geht hervor, dass „es Bad in der Weilerschbach“, wie es von der Bevölkerung genannt wurde, in jenem Jahr sage und schreibe 78 373 Besucher zählte. Es waren damals schon Umkleidekabinen vorhanden und ein Bademeister – Michael Edi aus Neunkirchen.

Nach dem Krieg strömten die Spieser und Elversberger in Scharen zum Heinitzer Weiher. Ende der 1940er Jahre konnte sogar für einige Zeit wieder unter Aufsicht geschwommen werden. Auch die Umkleidekabinen waren wieder hergerichtet und der Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich durch Bojen markiert.

Nachdem der Großenbruch als Siedlungsgebiet voll bebaut war und die Abwässer den Heinitzer Weiher stark verschmutzten, wurde das Baden im Weiher ab 1959 verboten. Da  die Abwässer seit 1995 zur Kläranlage Heinitz geleitet werden, ist der Weiher wieder sauberer. Aber Baden ist trotzdem nicht erlaubt. Heute dienen der obere Heinitzer Weiher und seine Umgebung als Naherholungsgebiet für Spaziergänger, heißt es abschließend auf einer der Stellwände der Heimatstube.

Im Juni 1964 wurde das Freibad Heinitz nach einem Umbau den Bürgern „übergeben“. Bei der Neueröffnung war Michaela Frommelts Vater Wolfgang Klein einer der ersten, die ins Wasser springen durften. Der 17-Jährige nahm an einer Vorführung des DLRG teil. Foto: Repro: Heimatstube Heinitz
Ein Schnappschuss vom Heinitzer Badeweiher aus dem 1930er Jahren. Wasserballspiele waren schon damals beliebt. Foto: Repro: Heimatstube Heinitz
Eine schöne Badenixe im durchaus auch in der heutigen Zeit modernen Badeanzug erfreute sich wie viele Tausende andere Besucher am und im Heinitzer Weiher. Foto: Repro: Heimatstube Heinitz
Höhere Beamte der Bergwerksdirektion beim Bootfahren auf dem Heinitzer Weiher. Eine Postkarte ohne Datumsstempel, leider. Foto: Repro: Heimatstube Heinitz
Himmel und Menschen vergnügten sich einst am und im Heinitzer Weiher. Im Sommer 1930 zählte man 78 373 Besucher, so steht es im Verwaltungsbericht von Neunkirchen. Foto: Repro: Heimatstube Heinitz
Der Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich war durch Bojen abgetrennt. Außerdem war der Uferrand mit Treppen zum bequemeren Einsteigen hergerichtet. Umkleidekabinen gab es auch. Foto: Repro: Heimatstube Heinitz
Der Eingang ins Wasser des ehemaligen Heinitzer Badeweihers sieht man immer noch. Foto: Elke Jacobi

Wer die schöne Landschaft in Heinitz erleben möchte, sollte sich den 12-Weiher-Weg vornehmen. Frank Lorschiedter hat schon viele Menschen auf der rund dreistündigen Tour begleitet. „Da kriegt man Storys von früher erzählt, da schlackert man mit den Ohren“, sagt Lorschiedter mit einem breiten Grinsen. So manch einer hat ihm da am Weiherufer mit einem wehmütigen Blick verraten: „Hier hab’ ich früher schwimmen gelernt.“

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