Heimatstube Heinitz ist elf Jahre alt

Museum Heinitz : Mit einem Starfighter-Helm fing alles an

Ein Museum rund um die Bergbau-Vergangenheit war in Heinitz schon lange Vision. Vor elf Jahren wurde sie wahr.

Der Neunkircher Stadtteil Heinitz hat eine lange und stolze Bergbauvergangenheit. Das soll nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb haben sich vor mehr als zehn Jahren einige Idealisten daran gemacht, die Erinnerung an diese Zeit wachzuhalten. Einer von ihnen war Hans-Otto Häfner. Als er allerdings damals erstmals mit dem Gedanken spielte, in Heinitz ein Heimatmuseum oder eine Heimatstube einzurichten, war das zunächst nicht mehr als eine Vision. Keinesfalls war damals davon auszugehen, dass eine derartige Einrichtung einmal zur Schatzkammer der Heinitzer Bergbauvergangenheit werden würde.

Doch genau so ist es gekommen. Dabei hatte das „Samenkörnchen“, das den Grundstein fürs spätere Museum legte, absolut nichts mit dem Bergbau zu tun. Es war der Helm jenes Starfighterpiloten, der 1980 mit seiner Maschine über Heinitz abgestürzt war und sich mit dem Schleudersitz retten konnte. Fallschirm und Helm wurden damals sichergestellt. Der Helm wurde einige Jahre danach von seinem Besitzer an Häfner übergeben. Nun kamen nach und nach immer mehr Gegenstände dazu. Man brauchte Platz dafür. So wurden Räume in der ehemaligen Heinitzer Grundschule angemietet. Der Weg hin zum Museum hatte begonnen.

Häfner, der inzwischen 75-jährige ehemalige Mitarbeiter der Neunkircher Kommunalen Energie- und Wasserversorgung (KEW), war 2006 nicht nur der Impulsgeber der Heinitzer Heimatstube. Heute noch ist er gemeinsam mit Michaela Frommelt und Frank Lorschiedter die gute Seele der Einrichtung. Alle drei gehören zur Arbeitsgemeinschaft (AG) Heinitzer Vereine, deren Mitglieder die Heimatstube ehrenamtlich betreuen. Frank Lorschiedter, AG-Vorsitzender und Mitglied im Neunkircher Stadtrat, nennt seine Gründe fürs Engagement. „Unser Anspruch und unser Anliegen ist es, durch das Museum und die darin aufbewahrten Relikte die Bergbautradition unseres Ortes aufrechtzuerhalten“, sagt er. „Der Bergbau ist weg und viele Leute hier im Ort wissen nichts mehr davon.“ Lorschiedter hat selbst 15 Jahre unter Tage gearbeitet. „Heinitz war die Königin der Gruben im Saarland, weil sie schon immer zu den fortschrittlichsten Bergwerksanlagen im Land gehörte.“

Einige 100 Relikte haben die Heinitzer Ehrenamtler seit der Eröffnung des Museums im Dezember 2007 zusammengetragen, „und es kommen immer noch Sachen dazu“, erklärt der 52-jährige Lorschiedter. Das führt dazu, dass es immer enger wird. Schon jetzt reicht ein Raum in der Schule nicht mehr aus, so dass etliche Gegenstände bereits auf dem Flur untergebracht sind. „Unsere Heimatstube platzt mittlerweile aus allen Nähten“, erklärt Lorschiedter, „und deshalb wäre eine Vergrößerung dringend vonnöten.“

Zu den Prunkstücken der Heimatstube gehört eine holzgeschnitzte Figur der Heiligen Barbara, die das Museum von einer Steigerswitwe erhalten hat. „Die haben wir damals unter einem Haufen Sperrmüll gefunden“, erzählt Lorschiedter beim Museumsbesuch der SZ. „Die Bevölkerung muss aufmerksam bleiben“, mahnt der ehrenamtliche Museumsleiter: „Man sollte Gegenstände, die in irgendeiner Weise mit unserer Bergbaugeschichte zu tun haben, nicht einfach wegwerfen, sondern sich in jedem Fall zunächst mit uns in Verbindung setzen.“

Auch einige Schenkungen der Prinzessin Heide von Hohenzollern stehen in den Vitrinen und das kommt nicht von ungefähr. Die Prinzessin, die heute in der Nähe von Andernach lebt, hat nämlich durchaus eine Beziehung zum Heinitzer Grubengeschichte. Sie wurde 1943 als Tochter des damaligen Bergbaudirektors Helmut Hansen in Heinitz geboren und war noch vor einigen Jahren in ihrem Heimatdorf zu Besuch. Zu ihren Dauerleihgaben gehört beispielsweise ein Bildband mit Fotos von Neu- und Umbaubauarbeiten auf der Grube Heinitz in den Jahren von 1935 bis 1940. Das Besondere an dem Bildband ist der holzgeschnitzte Buchdeckel.

Dass Grubenlampen und Häckel in verschiedenen Ausführungen, Arbeitskleidung und festliche Uniformen zu den Ausstellungsstücken gehören, versteht sich fast von selbst. Die Heinitzer Heimatstube beherbergt aber nicht ausschließlich Relikte aus der Bergbauzeit des Ortes, sondern auch Gegenstände des täglichen Lebens. Dazu gehören alte Nähmaschinen, Fotoalben oder Planzeichnungen. Man findet hier auch Unterlagen der Heinitzer Gasmaschinenzentrale, eine Glocke oder einen Weihwasserbehälter aus der vor zwei Jahren abgerissenen Pfarrkirche St. Barbara und selbst zwei Fußbälle und Trikots des Sportvereins, denn auch der ist mittlerweile Heinitzer Vergangenheit. Was in der Heimatstube noch fehlt, ist die so genannte Goldene Fahne der Grube Heinitz, „aber die liegt wohl irgendwo in einem Haus in einem Schrank“, vermutet Frank Lorschiedter.

Die Heinitzer Heimatstube ist an jedem letzten Samstag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen sind jederzeit auch nach Absprache möglich.

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