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Hebammen
Hebammen protestieren mit der Roten Karte

Die Rote Karten zeigen Krankenhausoberin Christel Müller, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf dem Kohlhof, Dr. Tamás Pinter, Beleghebamme Nadine Fippinger und ihre Kollegin Tanja Fuhr-Lieser. 
Die Rote Karten zeigen Krankenhausoberin Christel Müller, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf dem Kohlhof, Dr. Tamás Pinter, Beleghebamme Nadine Fippinger und ihre Kollegin Tanja Fuhr-Lieser.  FOTO: Astrid Anna Oertel
Kohlhof/St. Wendel. Unterschriftenaktion läuft in den Kliniken in St. Wendel und auf dem Kohlhof. Krankenhäuser befürchten massive Nachteile. Von Melanie Mai

Die Rote Karte zeigen  die Hebammen im St. Wendeler Marienkrankenhaus und in der Klinik Kohlhof in Neunkirchen den Krankenkassen. Werdende Mütter können mitmachen und die Aktion unterstützen. Denn in den jeweiligen Foyers der Krankenhäuser haben die Hebammen Infotafeln aufgebaut. Diese weisen noch einmal auf den Schiedsspruch mit den Krankenkassen hin, mit dem keine Seite zufrieden sein könne, wie es Eberhard Müller, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienkrankenhaus sagt: „Diese Entscheidung ist nicht im Sinne der Frauen, nicht im Sinne der Hebammen und auch nicht im Sinne des Krankenhauses.“



Vor allem sind alle Beteiligten unglücklich damit, dass künftig jede freiberufliche Hebamme nur zwei Frauen gleichzeitig betreuen darf. Liegt etwa eine Frau 20 Stunden in den Wehen, darf in diese Zeit nur noch eine weitere Frau beraten oder ein Anruf entgegengenommen werden. „Wir werden extrem eingeschränkt und die Frauen auch“, sagt dazu Müller. Das bedeute zwangsläufig weniger Geburten. Der kaufmännische Direktor beider Kliniken, Thomas Gärtner, rechnet damit, dass sich im Neunkircher Klinikum die Geburtenzahl halbiert. Für St. Wendel sei es nicht ganz so dramatisch. Aber mit deutlich weniger Geburten sei auch dort zu rechnen. Für die künftigen Mütter stelle sich in erster Linie die Frage: Wo sollen sie entbinden? „Wir wollen keine Frau wegschicken und suchen nach Lösungen“, sagt Müller

Betroffen sei also jede dritte Frau, wenn nur zwei Schwangere gleichzeitig betreut werden dürfen. Also  sei jede dritte Frau aufgefordert, den Krankenkassen die Rote Karte zu zeigen. Damit sollen die Kassen zu einem Umdenken bewogen werden. Gleiches gilt für die Protestbriefe, die jeder ausfüllen und gleich in eine Box im Foyer der Krankenhäuser einwerfen kann. Wer unterschreibt, zeigt sich mit dem Schiedsspruch und dessen Folgen nicht einverstanden.  Der Protest werde rege unterstützt, sagt Müller. Auch wenn der Schiedsspruch erst zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt, seien schon jetzt die Frauen verunsichert.  „Sie wissen nicht, wohin sie gehen sollen.“ Schließlich seien alle Beleghäuser im Saarland betroffen. Und die anderen Kliniken, darauf weisen Müller und Gärtner hin, seien gnadenlos überlastet.