Hand in Hand zum Wohl der Kinder

Neunkirchen. "Einfach und unkompliziert", "Alle Leistungen aus einer Hand" - mit diesen Schlagwörtern wird auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für das Bildungspaket geworben. Ins Leben gerufen wurde dieses Paket aus sozialen Leistungen, damit Kinder aus ärmeren Familien nicht benachteiligt werden

Neunkirchen. "Einfach und unkompliziert", "Alle Leistungen aus einer Hand" - mit diesen Schlagwörtern wird auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für das Bildungspaket geworben. Ins Leben gerufen wurde dieses Paket aus sozialen Leistungen, damit Kinder aus ärmeren Familien nicht benachteiligt werden. Es können Zuschüsse zu Vereinen, zur Lernförderung oder auch zu Schulausflügen beantragt werden."Es wird so dargestellt, als könnte ich als Hartz-IV-Empfänger zum Jobcenter gehen, sagen, dass ich das Bildungspaket für meine Kinder will und schon ist alles in Ordnung", ärgert sich der Neunkircher Dirk Graf über die Versprechen im Internet. "Der Alltag sieht ganz anders aus." Auf dem Schreibtisch des Neunkirchers stapeln sich inzwischen die Unterlagen in Sachen Bildungspaket. "Ich habe mich für einen Freund um den Antrag gekümmert", so Graf. Sein Freund, der namentlich nicht genannt werden möchte, bekommt Arbeitslosengeld II. Ein Unfall vor zirka zwölf Jahren macht es dem gelernten Dachdecker unmöglich, weiter in seinem Beruf zu arbeiten. Zum Wohle seiner beiden Kinder wollte der alleinerziehende Vater das Bildungspaket beantragen. An dieser Stelle kam Dirk Graf ins Spiel. "Da es kein Formular gab, habe ich Ende März für meinen Bekannten das Bildungspaket formlos beim Jobcenter Neunkirchen beantragt", erinnert sich Graf. Nach einiger Zeit habe sich das Jobcenter gemeldet, um mitzuteilen, dass man den Antrag weitergegeben habe an das zuständige Kreissozialamt und das Kreisjugendamt. Denn Letzteres kümmert sich zum Beispiel um die Schülerbeförderung, die Graf beantragen wollte. Für Dirk Graf ist an dieser Stelle dem versprochenen Grundsatz "alles aus einer Hand" deutlich widersprochen. Immerhin müsse er sich gleich an drei Stellen wenden.

Das hat gute Gründe, wie Birgit Mohns-Welsch, Sozialdezernentin des Kreises, erklärt: Denn es gelte zum Beispiel in Sachen Schülerbeförderung derzeit noch ein Landesgesetz, das eingehalten werden müsse. Erst ab kommenden Januar wird auch im Saarland die Schülerbeförderung Teil des Bildungspaketes. Da es in den verschiedenen Bundesländern verschiedene Gesetze gibt, konnte das Bildungspaket nicht "so einfach und unkompliziert" starten wie gewünscht. So ist auch Dirk Graf mit dem Antrag für seinen Freund in die Anfangsphase geraten. "Es hat am Anfang ein bisschen gedauert. Nach dem Beschluss des Bildungspakets Ende März mussten entsprechende Büros eingerichtet und ein Programm angeschafft werden", erklärt Mohns-Welsch. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, hat der Kreis das Team "Bildung und Teilhabe" gebildet. "Ab 1. Januar 2012 kommt dann wirklich alles aus einer Hand", verspricht Mohns-Welsch. Dann wird das Team "Bildung und Teilhabe" personell noch einmal verstärkt, um Anträge möglichst schnell bearbeiten zu können. Beantragt werden kann das Bildungspaket von Menschen die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder den Kinderzuschlag beziehen. Es gibt dazu ein Formular, das unter anderem im Jobcenter, im Büro "Bildung & Teilhabe" oder auch als Download auf der Homepage des Landkreises zu bekommen ist. "Am besten legt man dazu noch ein Kopie beispielsweise über den Bescheid über das Arbeitslosengeld II", so Mohns-Welsch. Auf diese Weise kann der Teammitarbeiter sofort sehen, ob Anspruch auf das Bildungspaket besteht.

Dieses laufe jetzt richtig an im Kreis Neunkirchen, so Mohns-Welsch. Derzeit gibt es 400 Anträge auf Zuschuss zu Schulausflügen, knapp 1700 Anträge auf das Schulbedarfspaket, 1350 Anträge auf Zuschuss für das gemeinsame Mittagessen in Kita oder Schule, 100 Anträge auf Lernförderung (Nachhilfe) sowie 300 Anträge zur finanziellen Unterstützung im kulturellen Bereich. Gerade Letzteres müsste nach Ansicht der Kreis-Sozialdezernentin stärker nachgefragt werden. "Aber aus Schamgefühl sehen wohl einige Eltern davon ab." Denn der Zuschuss für den Sportverein oder die Musikschule muss vom Amt direkt an Verein und Einrichtung gezahlt werden. "Viele wollen wohl nicht, dass bekannt wird, dass ihr Kind Hartz-IV-Empfänger ist." Für die Zukunft rechnet Mohns-Welsch mit einer stärkeren Nachfrage nach Zuschüssen zur Nachhilfe und zur Schülerbeförderung.

In Sachen Bildungspaket können sich Leistungsberechtigte an das Team "Bildung und Teilhabe", Saarbrücker Straße 2 in Neunkirchen wenden. Telefon: (0 68 24) 9 06 77 31, -32, -33, -34

"Ab 1. Januar 2012 kommt dann wirklich alles aus einer Hand"

Sozialdezernentin

Birgit Mohns-Welsch

Mehr Zeit

für gute Ideen

Von SZ-RedakteurinEvelyn Schneider

Unbeschwert lernen, im Verein kicken oder mit Klassenkameraden auf einen Ausflug gehen - das sollte für alle Kinder selbstverständlich sein. Doch für ärmere Familien ist es oft nicht leicht, ihrem Nachwuchs all das zu bieten. Das Bildungspaket soll Abhilfe schaffen und arme Kinder unterstützen. Eine schöne Idee von Arbeitsministerin von der Leyen, doch die Umsetzung ist kompliziert. Und so ist aus dem eigentlich gut gemeinten Gedanken ein Ärgernis geworden. Die Hartz-IV-Empfänger müssen sich mit den Behörden auseinandersetzen, die Behörden wiederum mit verärgerten Bürgern. Mit ein bisschen mehr bedacht und längerer Vorlaufzeit hätte dies vermieden werden können. Manchmal brauchen Ideen mehr Zeit.