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Gute Musik erklärt sich eben von selbst

Gute Musik erklärt sich eben von selbst

Neunkirchen. "Eigentlich befinden wir uns auf einer Kirchentour. Jetzt spielen wir in einer Reithalle" - mit diesen Worten begrüßte Heinz Sauer (80), der "Altmeister des Saxofons", all jene, die zur CD-Präsentation des Albums "Don't explain" in die Stummsche Reithalle in Neunkirchen gekommen waren

Neunkirchen. "Eigentlich befinden wir uns auf einer Kirchentour. Jetzt spielen wir in einer Reithalle" - mit diesen Worten begrüßte Heinz Sauer (80), der "Altmeister des Saxofons", all jene, die zur CD-Präsentation des Albums "Don't explain" in die Stummsche Reithalle in Neunkirchen gekommen waren.

"Don't explain" ist das vierte Album, das der Saxofonist zusammen mit Jazz-Pianist und Echo-Gewinner Michael Wollny (34) aufgenommen hat. Weil die aktuelle Tour eine Kirchentour ist, wurde die CD - wie sollte es anders sein - in der Stadtkirche Darmstadt aufgenommen. "Das besondere an Kirchen ist, dass ein gespielter Ton im Raum stehen bleibt. Diese Räumlichkeiten ermöglichen völlig neue Kompositionen", erklärte Michael Wollny. Er habe in Kirchen - jenseits der Glaubensfrage - das Gefühl, dass alles, was er spiele, zwangsläufig entsteht. Musik erklärt sich im Idealfall von selbst; Musiker müssen keine großen Reden schwingen, um ihr Werk zu erklären.

Nach seiner kurzen Ansprache verstummte Heinz Sauer also für den Rest des Konzerts und ließ - zusammen mit Michael Wollny (Piano) - stattdessen die Musik sprechen. Und die hatte viel zu sagen: In der einen Minute zauberte sie dem Publikum, ob ihrer Unbeschwertheit und Fröhlichkeit, noch ein Lächeln ins Gesicht; in der anderen Minute packte sie die Musikliebhaber mit melancholischen Klängen. Bei der ehrlichen Interpretation von "Nothing compares 2 U" (Prince) waren - vielleicht wie bei keinem anderen Lied - die 114 Jahre Lebenserfahrung zu spüren, die Sauer und Wollny zusammen auf die Bühne bringen.

Experimentelle Töne

Michael Wollny, der über viele Passagen hinweg wie elektrisiert auf seinem Pianohocker saß, angespannt von der Haarspitze bis in den kleinen Zeh, riss es manchmal förmlich auf die Beine: Dann beugte er sich über die Tastatur hinweg über die Klaviersaiten, entlockte ihnen Töne, indem er liebevoll über sie strich und an ihnen zupfte. Einen beherzten Griff zum Wasserglas später ertönten urige Klänge, als Wollny das Glas auf die Saiten stellte und langsam drehte. "Was die beiden auf der Bühne machen, ist sehr experimentell. Ich bin selbst Musiker und finde toll, was sie machen. Von solchen Musikern kann man viel lernen", sagte ein Besucher aus Homburg.

Das größte Lob für Musiker ist Applaus - davon bekam das Jazz-Duo reichlich. Als nach der zweiten Zugabe das Licht anging und ein Großteil des Publikums bereits in die Jacken schlüpfte, gaben einige hartnäckige Musikfreunde nicht so schnell auf und applaudierten das Duo für eine dritte Zugabe auf die Bühne.

Der Jazzförderverein Neunkirchen und die Neunkircher Kulturgesellschaft laden im März/ April zur Reihe "3 x 3 Jazz Pianotrios" ein. Informationen gibt es unter nk-halbzeit.de.