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Günter-Rohrbach-Ausstellung
Ein überraschter Blick ins eigene Leben

Günter Rohrbach mit OB Jürgen Fried (links) und Landrat Sören Meng vor Exponaten aus seiner Kindheit und Jugend in Neunkirchen.
Günter Rohrbach mit OB Jürgen Fried (links) und Landrat Sören Meng vor Exponaten aus seiner Kindheit und Jugend in Neunkirchen. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Am Freitagabend wurde im Kult.Kulturzentrum Neunkirchen die Günter-Rohrbach-Ausstellung „Rohrbach90“ vor geladenen Gästen eröffnet. Von Elke Jacobi

Wie muss das sein, wenn man noch zu Lebzeiten erfahren darf, welch große Wertschätzung einem selbst und dem, was man geschaffen hat, entgegengebracht wird? Wenn man von allen Seiten mit Dankbarkeit, Lob und sogar Liebe überschüttet wird? Und das, obwohl man das ja nun so eigentlich gar nicht so möchte. Jedenfalls nicht, wenn man Günter Rohrbach heißt. Der berühmteste Sohn der ehemaligen Hüttenstadt hatte dies schon vor 14 Tagen bescheiden von sich  gewiesen, wollte nicht „in Grund und Boden gelobt“ werden. Da würde der bereits achte Günter-Rohrbach-Filmpreis verliehen. Nun war der noch recht frisch gebackene (23. Oktober) 90-Jährige erneut in seiner Geburtsstadt. Dieses Mal allerdings ohne die Ehefrau. „Die wollte lieber nicht mitkommen, offenbar hatte sie Angst, dass wir dann endgültig hier bleiben“, erklärte der Produzent bekanntester Filme und Fernsehfilme in seiner spontanen Rede. Mit einer kleinen bescheidenen Ausstellung habe er gerechnet, mit dieser Größe dann eher nicht, sollte er im Laufe des Abends sagen.


Insgesamt 150 Exponate auf den 200 Quadratmetern des Hüttenstadtmuseums im Erdgeschoss des Kult, des ehemaligen Bürgerhauses, hingegen sind weder klein noch bescheiden. Das war — zu Recht — auch Oberbürgermeister Jürgen Fried nicht, als er in seiner Eröffnungsrede von den „guten Genen in der Stadt“ sprach, schließlich stamme beispielsweise auch die Mutter des Autors Michael Ende (sein Buch „Die unendliche Geschichte“ hat Rohrbach auch produziert) von hier. Zurück zu den Wurzeln des großen Mannes der deutschen Filmgeschichte geht es nicht nur in der Ausstellung selbst. Auch die Eröffnungs-Veranstaltung an sich war durchkonzipiert mit Bezügen zu Rohrbach. Dass man die Ausstellung im Hüttenmuseum zeige, das sei ganz klar der Tatsache geschuldet, dass Rohrbach in einer Stadt groß wurde, die von der Hütte geprägt war. Und weil der kleine Günter die Bachschule besuchte, lag es nahe, dass Kinder ebendieser Schule gemeinsam mit Kindern aus dem Hort Kleiststraße unter Leitung von Susanne Sprung zur Einstimmung in die Feier ein etwas anderes Geburtstagsständchen darbrachten. 90 Kinder in knalligem Orange intonierten den Song „Never ending story“.

Oberbürgermeister Jürgen Fried ging in seiner Rede auf die Verdienste des Produzenten ein, sein Werk, seine Bedeutung für den deutschen Film, „Ohne Günter Rohrbach wäre die Entwicklung des deutschen Film in den letzten 50 Jahren so nicht denkbar“, zitierte er den verstorbenen Regiesseur Peter Zadek. Er gab einen kleinen Überblick über die Ausstellung, die zum einen Günter Rohrbach in Neunkirchen zeigt, von der Kindheit bis zur Wiederentdeckung und Gewinnung für seinen Filmpreis, zum anderem auf das Werk des Produzenten eingeht, mit einem eigenen Raum für den erfolgreichsten Film „Das Boot“. Zusammengetragen wurden die Fotos, Originale und Plakate vom städtischen Beteiligungsmangement in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Stadtmarketing.



Eine beeindruckende Performance über die Musik aus dem Film „Das Boot“ zeigten Tänzerinnen der Tanzwerkstatt Susanne Sprung.
Eine beeindruckende Performance über die Musik aus dem Film „Das Boot“ zeigten Tänzerinnen der Tanzwerkstatt Susanne Sprung. FOTO: Jörg Jacobi

Wie Rohrbach selbst in seiner Rede sagen sollte: „Es war für mich faszinierend, hier Dokumente aus meinem Leben zu entdecken, die mir eine Zeit zeigten, die ich zwar in Erinnerung hatte, die ich oft erzählt habe, aber offenbar nicht so, wie es wirklich war. Ich habe Dinge aus meinen Leben vorgefunden, an die ich gar nicht mehr gedacht habe.“ Der 90-Jährige bestätigte, was Fried zuvor in seiner Laudatio gesagt hatte: „Ich glaube auch, dass die Bewusstseinswurzeln seiner Heimat den Charakter von Günter Rohrbach mitgeprägt haben. Mitgeprägt haben sie einen Menschen von großer geradezu bescheidener Liebenswürdigkeit und ausgeprägtem Einfühlungsvermögen. Dass er quasi aus dem Stand druckreif formulieren kann, kommt als Benefit noch oben drauf.“ Vor den begeisterten Augen und Ohren der Eröffnungsgäste ging Rohrbach auf das Leid der runden Geburtstage ein: „An meinen 60. wollte ich mit meiner Frau in Florenz feiern, statt dessen verbrachte ich die Tage mit Bauchweh im Bett. Aber von Jahrzehnt zu Jahrzehnt werde ich gelassener. 90 allerdings ist eine Herausforderung.“ Die zu meistern, dabei hilft ihm unter anderem die Neunkircher Verwandtschaft: die 90-jährige Cousine Ilse, mit der er aufgewachsen ist, und deren 92-jähriger Mann. Rohrbach sparte in seiner launigen Rede auch nicht mit Lob: Lob für den „wunderbaren Dialekt, den ich immer mal wieder, aber weil ich ihn nicht mehr so gut kann, nicht öffentlich spreche“, und vor allem aber auch für die Menschen, die ihn sprechen und deren „wunderbare Herzlichkeit“.

Bevor die Besucher dann einen Blick in die Ausstellung werfen durften, gab es noch eine Würdigung der besonderen Art: Tänzerinnen der Tanzwerkstatt Susanne Sprung zeigten eine beeindruckende Performance zu „Das Boot“. Dann galt es nicht nur für den Meister selbst sondern auch für die Besucher einzutauchen in das Leben eines großen Mannes. Was die Besucher dieses tief berührenden Abends aber mit nach Hause nahmen, war vor allem eines: Dankbarkeit dafür diesem wunderbaren Menschen so nah gewesen sein zu dürfen.

Zu sehen bis 31. Januar, Mittwoch bis Freitag, 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr