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Kulturförderpreis
Große Auszeichnung für den Mann vom Berg

Ursula Weis-Gräber, die zweite Vorsitzende des Kulturvereins, Preisträger Daniel Weber und Vorsitzender Peter Bierbrauer bei der Preisverleihung.
Ursula Weis-Gräber, die zweite Vorsitzende des Kulturvereins, Preisträger Daniel Weber und Vorsitzender Peter Bierbrauer bei der Preisverleihung. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Kulturverein Neunkirchen hat am Mittwochabend den Kulturförderpreis an den Jazz-Schlagzeuger Daniel Weber verliehen. Von Elke Jacobi

Manchmal haben Menschen Gemeinsamkeiten, da kommst du nicht drauf. Beispielsweise der noch relativ frisch gekürte saarländische Ministerpräsident Tobias Hans und der junge Jazz-Musiker Daniel Weber. Anlässlich der Verleihung des Kulturförderpreises des Neunkircher Kulturvereins an Letztgenannten hat der Vereinsvorsitzende, Peter Bierbrauer, die Gemeinsamkeit der beiden Münchwieser in einer launigen Laudatio deutlich gemacht. „Es gibt in Neunkirchen einen kleinen Stamm Bergbewohner, die leben so zurückgezogen auf einem Berg. Und in dieser Abgeschiedenheit ist der Vater noch eine Leitfigur.“ So könne es passieren, dass der Sohn eines Politikers zum Ministerpräsidenten wird, der schlagzeugspielende Vater einen bekannten Schlagzeuger-Sohn bekommt.


Jener bekannte Sohn ist 29 Jahre alt, hat in Bern (Berner Hochschule der Künste) und Saarbrücken studiert und ist dann nach Berlin gegangen. Dem Saarland im Allgemeinen und seiner Heimatstadt im Besonderen ist er jedoch nach wie vor verbunden. Menschlich sowieso (“bin ja schließlich hier zur Schule gegangen“), musikalisch natürlich — und zusätzlich durch weitere Projekte, Filmprojekte mit Wolfgang Reeb. Der Kulturförderpreis ist längst nicht Webers erste Auszeichnung. Er hat unter anderem den Jazzförderpeis der Stadt Sankt Ingbert, den Publikumspreis des internationalen Jazzfestivals von Avignon und den Biberacher Jazzpreis erhalten. Der Preis des Kulturvereins freut den sympathischen jungen Mann aber ganz besonders, wie er der SZ im Gespräch verrät. „So ein Preis ist so unglaublich wichtig. Ist so eine toller Anerkennung. Gerade weil die Musik ja ansonsten überwiegend im stillen Kämmerlein passiert. Vor allem für Musiker, die nicht Mainstream machen. Und dann noch hier in der Heimat. Das freut mich sehr.“ Der Kulturverein hat Weber mit seiner eigenen Band Webers Hebel im vergangenen Jahr in der Kulturvereins-Reihe „Auftritt“ gesehen und gehört. „Ein beeindruckendes Konzert“, so das Fazit. Die Entscheidung, ihm in diesem Jahr den Preis zu überreichen, war gefallen.

„Neunkirchen ist stolz auf seine Jazztradition seit Johnny Kowa“, erinnerte Bierbrauer an Jazzgrößen der Stadt. Nun sei mit Weber die nächste Generation am Zug. Wie Martin und Susan Weinert beispielsweise. Die hatten es sich nicht nehmen lassen, der Preisverleihung beizuwohnen. Rund 50 Besucher waren in die Stummsche Reithalle gekommen, wo zuvor der Kulturverein seine jährliche Sitzung abgehalten hatte. Die Freunde und Familienmitglieder (“ungefähr die Hälfte“, schätzte Weber) sowie Jazz-Begeisterte aus der Stadt wurden mit einem hochkarätigen Konzert belohnt. Locker moderiert vom Preisträger und angereichert mit der einen oder anderen Anekdote musizierte   das Trio Village Zone. Jazz vom Feinsten boten neben Schlagzeuger Weber der Pianist Georg Ruby, der den Jazz-Studiengang an der Hochschule für Musik in Saarbrücken leitet, und der renommierte Bassist Stephan Goldbach, der sich nach dem Studium in Saarbrücken als Solist und Begleiter in den Bereichen Improvisierte Musik, Neue Musik und Kammermusik etablieren konnte. Die Lust am Improvisieren bei Jazz-Standarts ebenso wie neuen Kompositionen, von Weber teils mit ungewöhnlichsten „Schlaginstrumenten“ bereichert, forderten ihre Zugabe ein. Die bekamen die Besucher gerne — vielleicht wäre sogar noch eine zweite drin gewesen, wenn das Publikum sich getraut hätte, nicht so schnell aufzugeben. Aber vermutlich wird es nicht das Letzte gewesen sein, was man vom Bergvolke gehört hat.