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Grips statt Gewalt auf dem Fußballplatz

TimoWenzel
TimoWenzel
Neunkirchen/Elversberg. In einem Workshop „Zeig Rassismus die Rote Karte“ lernten 25 Jugendliche der Ganztagsgemeinschaftsschule (GGS) Neunkirchen Werte wie Fairplay, Teamgeist und Respekt im Sport kennen. Sarah Umla

Respekt, Toleranz und Gemeinschaftlichkeit sind Begriffe, die im Fußball eigentlich groß geschrieben sein sollten. "Doch vor allem im Mannschaftssport ist Diskriminierung ein alltägliches Problem", erläuterte Andreas Hellstab in einem Workshop der Bildungsinitiative "Zeig Rassismus die Rote Karte". Dort wurden 25 Schüler der Ganztagsgemeinschaftsschule (GGS) mit Rassismus im Sport konfrontiert. Der Berliner Verein hat seit 2009 bereits 180 Workshops durchgeführt und dabei mehr als 4500 Jugendliche aufgeklärt.

"Viele von unseren Schülern spielen selbst Fußball, haben einen Migrationshintergrund oder engagieren sich in Arbeitsgemeinschaften wie Schule gegen Rassismus ", erklärte der Schulleiter Clemens Wilhelm. Veranstaltet wurde der eintägige Workshop von der SV 07 Elversberg, der GGS Neunkirchen sowie dem Interkulturellen Freundeskreis Saar-Ost und dem Ortsverband der Litauer im Saarland.

Die neun- bis 16-jährigen Schüler hatten zunächst die Aufgabe, selbst Vorurteile und Arten des Rassismus zu bündeln bevor sie mit Beispielen aus dem Fußball konfrontiert wurden. Hier standen Fragen wie: Was sind Vorurteile? Was ist Rassismus ? Und wie zeigt sich Diskriminierung ? im Fokus. "Wir wollen Kinder und Jugendliche früh für Diskriminierungsformen sensibilisieren und zu selbst reflektiertem Handeln motivieren", erläuterte Workshopleiter Andreas Hellstab. Gerade reale Beispiele aus dem Sport kommen bei den Kindern schnell an, erklärte der Referent von Show Racism the Red Card (Zeig Rassismus die Rote Karte). Hellstab zeigte den Schülern Videos von Kevin Prince Boateng und Samuel Etóo, die beide auf dem Spielfeld rassistisch beleidigt und verhöhnt wurden. Und auch Timo Wenzel schilderte seine eigene Erfahrungen. Der Kapitän der SV 07 Elversberg hatte zuvor in internationalen Vereinen mitgespielt. "Als ich in Griechenland bei AO Kerkyra war, wurde ich bei einem Spiel mal als ,Scheiß Deutscher' beschimpft", erinnerte sich der 37-Jährige.

In einer abschließenden, initiierten Pressekonferenz diskutierten die Kinder Handlungsoptionen untereinander. Sie waren sich einig: Die Fans müssen gegen Rassismus aktiv werden, denn was in der Mannschaft gilt, muss auch auf der Tribüne gelten.

Am Ende des Tages konnten die Schüler nicht nur eine Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme am Workshop "Zeig Rassismus die Rote Karte" mitnehmen, sondern haben auch viel gelernt.

Feride Aksoy war von den Eindrücken noch ganz aufgekratzt. "Vor allem die authentischen Beispiele aus dem Fußball haben uns Diskriminierung klar vor Augen geführt", erläuterte die 16-Jährige. Ihr Highlight war der Besuch von Kapitän Timo Wenzel. Und auch Andreas Demakow war von dem Gespräch mit dem Fußballprofi begeistert: "Ich finde es echt super, dass Timo Wenzel da ist." Aber auch die Übungen haben dem Zwölfjährigen Spaß gemacht. "Vor allem das Rollenspiel war lustig, so hat das Ganze trotz ernstem Thema richtig viel Spaß gemacht", erzählte der Fußballfan.

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