Graffiti sind willkommen - aber nicht überall

Graffiti sind willkommen - aber nicht überall

Kreis Neunkirchen. In Nacht- und Nebelaktionen fertigen Sprayer Graffiti an. Das tun sie oft dort, wo Graffiti weder erlaubt, noch erwünscht sind. Im öffentlichen Raum ist illegales Sprayen eine Form der Sachbeschädigung.Auch die Betonwand oberhalb des Parkdecks am Ottweiler Rathaus ist mit Graffiti besprüht

Kreis Neunkirchen. In Nacht- und Nebelaktionen fertigen Sprayer Graffiti an. Das tun sie oft dort, wo Graffiti weder erlaubt, noch erwünscht sind. Im öffentlichen Raum ist illegales Sprayen eine Form der Sachbeschädigung.Auch die Betonwand oberhalb des Parkdecks am Ottweiler Rathaus ist mit Graffiti besprüht. Dort sei das Sprühen aber seit rund zehn Jahren erlaubt, berichtet Ralf Hoffmann, Pressesprecher der Stadt Ottweiler: "Die Stadt wollte Graffiti-Künstlern für ihre Tätigkeit einen Raum geben und die Graffiti zudem bündeln." Während Hoffmann noch keinen Sprayer bei der Arbeit beobachten konnte - es bleibe scheinbar trotzdem eine Nacht- und Nebelaktion -, hat Maria Pelzer, Verwalterin des Jugendbüros, an der Wand bereits einen Jugendlichen mit Sprühdose angetroffen. "Er erschrak, als er mich sah, und hat direkt beteuert, dass das Sprayen hier legal sei", erzählt sie.

Neben der Fläche in Ottweiler gibt es noch weitere legale Graffiti-Flächen im Landkreis. In Schiffweiler können Sprayer ihre Graffiti völlig straffrei an der Stellwand an der Skateranlage an der Ecke Mühlen-/Robert-Koch-Straße hinterlassen, erklärt Christian Peitz, Jugendpfleger der Gemeinde Schiffweiler.

Die Gemeinde Illingen hat nach Angaben von Frank Schuppener, Jugendbüro Gemeinde Illingen, keine solchen Flächen. Schuppener macht aber auf Anfrage der SZ folgendes Angebot: "Wir sind gerne bereit, in Absprache oder in Form von Beteiligungsprojekten mit Graffiti-Künstlerinnen und -Künstlern nach geeigneten Flächen zu suchen." Er habe einmal die Idee geäußert, die Sprayer auf großen wetterfesten Holztafeln arbeiten zu lassen. Schuppener sei aber immer wieder deutlich gemacht worden, dass gerade die "Illegalität der entscheidende Kick" sei. Nur wenn die Sprayer gewillt seien, sich an die Eingrenzung einer Fläche zu halten, könne man auch die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung für solche Projekte gewinnen. "Ein kleines Dilemma, das sich mit etwas Entgegenkommen auf beiden Seiten sicher aus der Welt schaffen ließe", glaubt Schuppener.

Das "Haus am See", der Jugendkulturtreff in Wiebelskirchen, veranstaltete im letzten Oktober einen Graffiti-Wettbewerb und ließ Graffiti-Künstler die Wände der angehenden Skaterhalle gestalten. In der Skaterhalle gibt es noch Flächen, die auf Graffiti-Künstler warten. Skizzen können bei Tanja van Essen und Jan Diercks, die das "Haus am See" leiten, eingereicht werden.

Dass sich eine Spraydose nicht so leicht kontrollieren lässt, wissen Adrian Müller und Leandro Borello (beide 13) aus Wiebelskirchen, regelmäßige Besucher des Treffs, seit dem Wettbewerb. Während die Künstler an ihren großflächigen Werken arbeiteten, durften die Jungs auf einer kleinen Fläche herumsprühen. "Allein ein Schriftzug ist unglaublich schwer", findet Leandro Borello. Das Gewinner-Graffiti "Sonnenfinsternis" des Saarbrücker Studenten David Hartmann zeigt, was aus der Dose kommt, wenn man sich genug Zeit lassen kann und keine Angst haben muss, entdeckt zu werden: ein detailreiches Graffiti mit einem sauberen Stil. Kunst eben.

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