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GGS Neunkirchen bietet Russisch im herkunftssprachlichen Unterricht

Projekt herkunftsprachlicher Unterricht : Diese Schule sagt jetzt: Privet! Hallo!

Die GGS Neunkirchen bietet Russisch als geordneten Ergänzungsunterricht in der Herkunftssprache.

Jan (12) aus der 6a und Nikita (11) aus der 5e sitzen mit am Tisch bei Schulleiter Clemens Wilhelm. Aus gutem Grund: Die Ganztags-Gemeinschafts-Schule (GGS) Neunkirchen in der Haspelstraße startet zum zweiten Schulhalbjahr in ein neues Projekt. Russisch steht dann in einem geordneten, so genannten „Herkunftssprachlichen Unterricht“ (HSU) auf dem Plan (siehe „Info“). Mehrsprachigkeit, sagt Wilhelm im Gespräch mit der SZ, mache ihm keine Angst, sondern biete Potenzial. „Kinder bewegen sich oft zwischen Welten“ sagt Wilhelm. Zu Hause, wo die Sprache der Eltern gesprochen werde, und in der Schule, wo Deutsch gefordert sei. Wenn nun in geordnetem Unterricht das Kind seine Herkunftssprache lernen könne, fände er das doch nur gut: „Ich sage dem Kind: Das sind deine Wurzeln. Das gehört zu deiner Identität. Das ist ein Pfund, mit dem du später wuchern kannst.“

Für Russisch hat die GGS Neunkirchen beste Voraussetzungen. Sieben, acht Prozent der rund 880 Schüler haben russischen Hintergrund, schätzt Wilhelm aktuell. Schon seit vielen Jahren gibt es die Russisch AG und ebenfalls schon seit Jahren pflegt die Schule einen Austausch mit ihrer Partnerschule im südrussische Tscherkessk.

Die GGS Neunkirchen bietet jetzt im Rahmen „Herkunftssprachlicher Unterricht“ Russisch an, rechts Schulleiter Clemens Wilhelm, hinten Lehrer Ralph Schmidt. Jan (links) und Nikita sind dabei. Jan zeigt die Schulfibel seiner Oma in kyrillischer Schrift. Nikita hält ein Geschenk der russischen Partnerschule in den Händen. Aufschrift in Kyrillisch: „Leise sein, der Lehrer denkt!“ Foto: cle Foto: Claudia Emmerich

Die Russisch AG trägt Lehrer Ralph Schmidt, der Russisch und Englisch unterrichtet. Jan und Nikita sind in diesem Schuljahr bei der Russisch AG dabei. Zu Hause mit Papa, Mama und Geschwistern wird Russisch geredet, auch Deutsch, auch mal wechselnd. „Herr Schmidt erzählt uns über Russland und seine Geschichte. Wir machen Quiz. Wir lernen schreiben und lesen“, erzählen die beiden Jungen. Sie sprechen Russisch, besser als Deutsch. Aber schreiben und lesen in Kyrillisch, das fehlt ihnen. Noch. Von seiner 65-jährigen Oma hat Jan eine Fibel aus deren eigener Schulzeit bekommen. Jetzt entdeckt sie ihr Enkel. Wilhelm lässt die Jungs einen russischen Schriftzug auf einem Geschenk der russischen Partnerschule vorlesen. Jan übersetzt: „Leise sein, der Lehrer denkt.“

Ralph Schmidt verantwortet jetzt zum zweiten Schulhalbjahr den HSU-Russischkurs. Derzeit schaffen sie die organisatorischen Voraussetzungen, wie Schmidt und Wilhelm berichten. Stimmen den Stundenplan ab, verschieben Lehrerstunden, bewerten der Teilnahme. „Wir wollen vier Stunden anbieten“, sagt der Schulleiter. Die zwei AG-Stunden und dazu zwei Stunden im Austausch aus dem Gesamtpool: „Als Ganztagsschule haben wir da Möglichkeiten.“ Perspektivisch setzt Wilhelm auf „4+2“: vierstündigen Unterricht und eine zweistündige AG. Ralph Schmidt bekommt zu seinen zwei AG-Stunden die beiden Stunden dazu, die er derzeit noch als Lehrerfeuerwehrmann an der Schule ausfüllt. Und ein erfolgreicher Besuch dieses  Unterrichts in der Herkunftssprache soll aufwertend im Zeugnis vermerkt werden.

Der Unterrichtskurs werde sicher „sehr heterogen“, weiß Lehrer Schmidt. Die Kenntnisse in Russisch dürften von sehr wenig bis sehr gut streuen. „Die Russisch gut sprechen, können den anderen, die es nicht gut sprechen, helfen“, setzt der Pädagoge auf Hilfe untereinander. Die ihm dann auch Zeit lasse, hier und da gezielt zu unterstützen.

Russisch grillen wollen sie auch mal, sagt Schmidt. Was das heißt, erklären Jan und Nikita: „Schaschlik – Fleisch auf den Holzspieß und auf den Grill.“ Und vorher noch schön mariniert, ergänzt ihr Lehrer. Also, GGS: Privet! Hallo!