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Gespräch mit Pfarrer Uwe Schmidt zum Totensonntag

Für jeden Namen eine Kerze : Totensonntag: Wie kann ein Pfarrer helfen, wenn Angehörige sterben?

An diesem Sonntag, dem Totensonntag, schließt sich das Kirchenjahr. Traditionell gedenken an diesem Tag die evangelischen Christen ihrer Verstorbenen des vergangenen Jahres. Die SZ sprach mit Pfarrer Uwe Schmidt von der evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen über die Aufgaben und Herausforderungen eines Pfarrers in Trauerfällen.

Der Totensonntag ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. An ihm gedenken die evangelischen Christen ihrer Toten. Ist es denn wichtig, dass es dafür einen bestimmten Tag gibt?

Pfarrer Uwe Schmidt: Natürlich können die Angehörigen an jedem Tag des Jahres ihrer Verstorbenen gedenken. Das wird und soll auch jeder Mensch individuell handhaben. Darum bedarf es keines bestimmten Tages. Doch am Totensonntag laden wir in unsere Gottesdienste speziell alle Angehörigen ein, die im aktuell zu Ende gehenden Kirchenjahr einen Menschen verloren haben. Wir nennen nochmals die Namen der Verstorbenen und zünden für jede genannte Person eine Kerze an. Das ist schon eine besondere Weise des Gedenkens.

Es gelten bestimmte Bedingungen für diesen Tag, basierend auf dem Respekt vor den Toten. Trotzdem wird es immer früher Weihnachten: In Geschäften, auf den Straßen. Weihnachtsmärkte finden, falls sie stattfinden, teils bereits vor Totensonntag statt.  Finden Sie das in Ordnung?

Pfarrer Uwe Schmidt: Nein, das finde ich nicht in Ordnung! Für mich zeigt sich daran, dass ein Gespür für die verschiedenen Zeiten im Jahr immer mehr verloren geht. Wir beklagen einerseits die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, die Hektik und den Stress. Aber viele versäumen es, die Zeiten bewusst zu leben.

Gibt es für die Gottesdienste an diesem Tag besondere Gestaltungsvorgaben?

Pfarrer Uwe Schmidt: Es gibt für die Gottesdienste an Totensonntag keine Gestaltungsvorgaben. In aller Regel werden die Gottesdienste durch Chorgesang und Musik in besonderer Weise festlich gestaltet. In einigen Gemeinden gibt es die Tradition, eine Andacht beziehungsweise einen Gottesdienst auf dem Friedhof zu feiern.

Was ist Ihnen persönlich in diesem Gottesdienst und an diesem Tag besonders wichtig?

Pfarrer Uwe Schmidt: Mir persönlich ist sehr wichtig, an diesem Tag den Trauernden einen Horizont der Hoffnung aufzuzeigen. Wir sind und bleiben im Leben wie im Tod von Gott getragen.

Als Seelsorger sind Sie ja nicht nur im so genannten Totenmonat November und an diesem Totengedenktag mit dem Tod konfrontiert. Kann sowas Routine werden?

Pfarrer Uwe Schmidt: Die Begegnung mit dem Tod wird für mich niemals Routine. Jeder Trauerfall ist individuell und stellt mich als Seelsorger zuweilen vor Herausforderungen. Manchmal kann ich zunächst nur meine Sprachlosigkeit eingestehen oder mit den Weinenden weinen.

Passiert es noch häufig, dass Sie als Seelsorger zu einem Sterbenden gerufen werden?

Pfarrer Uwe Schmidt: Es kommt nicht häufig vor, dass Angehörige mich an das Sterbebett rufen. Ich erlebe es eher in Pflegeheimen, wo Mitarbeitende nach einem Pfarrer oder einer Pfarrerin fragen. Aber ich kann nur dazu ermutigen. Wir Pfarrerinnen und Pfarrer sind dafür da.

Wie wichtig ist die Trauerarbeit für die Hinterbliebenen?

Pfarrer Uwe Schmidt: Das ist sicher sehr individuell. Die Trauer sollte aber unbedingt ernst genommen werden, und Trauernde sollen keine Scheu haben eine Pfarrerin oder einen Pfarrer zu kontaktieren.


 Welche Rolle kommt einem Seelsorger dabei zu?

Pfarrer Uwe Schmidt: Seelsorger begleiten Trauernde in ihrer Trauerarbeit. Die Kirche hält ein profiliertes Angebot parat. Kolleginnen und Kollegen bieten zum Beispiel spezielle Trauerseminare an.

Wie verarbeiten Sie selbst solche Begegnungen? Wer hilft Ihnen bei der Bewältigung?

Pfarrer Uwe Schmidt: Ich verarbeite meine Trauerfälle unterschiedlich. Ich brauche nach einem für mich schweren Trauergottesdienst meistens einfach meine Ruhe. Dann kann und will ich auch nicht zum anschließenden Kaffeetrinken. Häufig muss ich von erschütternden Erlebnissen meinen Kollegen erzählen. Der Austausch und das Gespräch mit anderen helfen mir sehr.

Finden Sie, die Menschen hier bei uns müssen an ihrem Umgang mit dem Tod etwas ändern?

Pfarrer Uwe Schmidt: Ich habe das Gefühl, der Umgang mit dem Tod ist in den vergangenen Jahren menschlicher geworden. Daran hat die Hospizbewegung sicher einen großen Anteil. Patientenverfügungen, Palliativmedizin, Sterbebegleitung, ein menschenwürdiges Sterben, das sind alles Themen, über die in unserer Zeit offen und öffentlich gesprochen wird. Das ist gut so. Denn der Tod ist ein Teil unseres Lebens, und alles hat seine Zeit!