Gesellschaft ohne Werte und Moral

Heinitz. "Schon seit Jahren begleitet mich die Idee, diese Geschichte auf die Bühne zu bringen. Aber irgendwie hat es bisher nie geklappt, mangelte es am passenden Ensemble, war die Zeit nicht reif", erzählte Markus Müller, Regisseur des Theatervereins Kulisse beim Probenbesuch in der alten Schule in Heinitz am Donnerstagabend

Heinitz. "Schon seit Jahren begleitet mich die Idee, diese Geschichte auf die Bühne zu bringen. Aber irgendwie hat es bisher nie geklappt, mangelte es am passenden Ensemble, war die Zeit nicht reif", erzählte Markus Müller, Regisseur des Theatervereins Kulisse beim Probenbesuch in der alten Schule in Heinitz am Donnerstagabend. In diesem Jahr wollte er mit seiner Truppe zunächst ein ganz anderes Stück bearbeiten, doch als sich das zerschlug, war dies der Anlass, sich endlich an die Verwirklichung dieses Projekts zu wagen. So geht nun schließlich Müllers lang gehegter Wunsch in Erfüllung und er wird mit seinen Akteuren in zwei Wochen seine ganz eigene Fassung auf die Bühne des Neunkircher Bürgerhauses bringen. Im Gespräch merkt man gleich, Müller ist fasziniert von der Geschichte. Mehr noch als der Kultfilm von Stanley Kubrick hat es ihm aber das Buch von Anthony Burgess angetan. "Clockwork Orange - eine Horrorshow", dazu lädt die Kulisse für den 20. und 21. November ein. "Wir versprechen einen ungewöhnlichen und bewegenden Theaterabend der ganz besonderen Art", erklärte Müller. Nachdem sich 16 Akteure im Alter zwischen 14 und 50 Jahren zusammengefunden hatten, begannen im September die Probenarbeiten. Mit dabei sind viele Ensemblemitglieder aus vergangenen Produktionen, vier neue Kräfte konnte Regisseur Müller gewinnen. Und Kraft werden die Akteure brauchen, haben die meisten doch mindestens zwei Rollen zu spielen. "Das heißt dann auch eine Menge Arbeit für unsere Maske, die sehr schnell arbeiten muss." Während die Teams Bühnenbau und Kostüme im Hintergrund arbeiten, beginnt bei den Darstellern jetzt die heiße Probenphase. Am Donnerstag stand erstmals die letzte Szene auf dem Plan. "Danach wird es ans Zusammensetzen gehen. Da werden die Proben eben so lange dauern, bis wir fertig sind", sagte Müller. Clockwork Orange spielt in der Zukunft, wird zeitneutral gehalten und kann so auch sehr gut mit dem aktuellen Zeitgeschehen korrespondieren. Im Mittelpunkt steht eine Gang, die "nur so zum Spaß", gewalttätig wird, schlägt, vergewaltigt und tötet. Nach einer Therapie soll Hauptdarsteller Alex (Andreas Fischer) keinen Gefallen mehr daran finden, verliert dadurch aber auch seine Persönlichkeit. Gewalt und Missbrauch, privat entschieden oder staatlich oktroyiert, eine Gesellschaft ohne Werte, sie sollen zum Nachdenken anregen. "Ich habe mich enger am Buch als am Film orientiert. Und am Ende wird es keinen erhobenen Zeigefinger geben. Ich will den Zuschauern einfach nur einen eindringlichen, spannenden, beklemmenden und auch radikalen Theaterabend bieten", erzählt Regisseur Markus Müller. "Dann werden die Proben eben so lange dauern, bis wir fertig sind."Markus Müller,Regisseur