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Brandschutz
Geschäftsidee scheitert am Löschwasser

Andrea Heitz mit den Hunden Nanuk, Luzie, Azra und Tyson. Ihre Hundepension in Wiebelskirchen muss sie Ende März schließen.
Andrea Heitz mit den Hunden Nanuk, Luzie, Azra und Tyson. Ihre Hundepension in Wiebelskirchen muss sie Ende März schließen. FOTO: Andreas Engel
Wiebelskirchen. „Hundeleben Saar“, die Hundepension von Andrea Heitz in Wiebelskirchen, macht dicht. Die Betreiberin kann die Brandschutzauflagen nicht erfüllen. Die Stadt bedauert die Schließung. Von Solveig Lenz-Engel

Als unsere Zeitung 2014 das erste Mal über Andrea Heitz und ihr Wiebelskircher Hundehotel berichtet, schien noch alles in Butter zu sein. Zufriedene Hunde, zufriedene Halter und eine Hundepensionsbetreiberin, die sich ein stabiles berufliches Standbein erhoffte. SZ-Leser-Reporterin Petra Hubert macht die Lokalredaktion Neunkirchen jetzt auf die bevorstehende Schließung von „Hundeleben Saar“ aufmerksam.


Mit der Meldung der Nutzungsänderung (vom Privathaus zu einer gewerblich genutzten Immobilie) an das Bauamt der Stadt Neunkirchen hätten die Probleme bereits 2011 begonnen, sagt Andrea Heitz der SZ. 2010 hat sie das Anwesen etwas außerhalb der Ortslage erworben. Erst sei die gewerbliche Nutzung als Hundepension genehmigt worden, dann – nach einem personellen Wechsel in der Behörde – seien Auflagen vor allem hinsichtlich des Brandschutzes gemacht worden. Dabei ging es, so Heitz, um den Abstand des für Löscharbeiten erforderlichen Hydranten vom Haus. Maximal 80 Meter habe das Bauamt gefordert, der Hydrant sei aber rund 190 Meter entfernt gewesen. Also setzte sich die Jung-Unternemerin mit der Kommunalen Energie- und Wasserversorgung Neunkirchen (KEW) ins Benehmen, um für Abhilfe zu sorgen. „Doch mir wurde mitgeteilt, es sei nicht möglich, die Leitung vom vorhandenen Hyydranten zu meinem Anwesen zu verlängern, weil das eine Stichleitung sei, bei der die Hygiene des Wassers nicht gewährleistet werden könne“, sagt Andrea Heitz. Ihr wurde gesagt, eine Alternative könne ein Löschteich oder ein Tank sein. Was ihre finanziellen Möglichkeiten aber restlos überfordere.

So ging es wohl zwischen der Hauseigentümerin und dem Bauamt eine Zeitlang hin und her, bis die Tierfreundin kürzlich ein Schreiben des Bauamts erreicht hat, in dem Fristen gesetzt wurden. Das veranlasste Andrea Heitz zu dem Entschluss, die Hundepension zu schließen und das Haus samt großem Grundstück zu verkaufen. Für private Nutzer gebe es nämlich keinen Brandschutz-Stress. Ob sie an anderer Stelle noch einmal versucht, eine neue Hundepension zu eröffnen, weiß sie noch nicht. Vorerst fühlt sie sich nach eigener Aussage zermürbt von Vorschriften und Behörden.



Die Kreisstadt Neunkirchen bedauert es sehr, dass die Betreiberin Andrea Heitz ihre Hundepension, welche im sogenannten Außenbereich von Wiebelskirchen liege, schließen will. Bereits mit Erteilung der Baugenehmigung im Juni 2011  sei eindeutig gewesen, dass die Löschwassermenge von 48 Kubikmetern über einen Zeitraum von zwei Stunden sicherzustellen ist. So die Stellungnahme der Stadt Neunkirchen auf Anfrage der SZ. Außerdem sei damals auch die Auflage erteilt worden, dass eine für Feuerwehrfahrzeuge befahrbare Zufahrt zu diesem Grundstück im Außenbereich nachzuweisen sei.

„In all den Jahren hat die Kreisstadt in zahlreichen Beratungsgesprächen und mit Fristverlängerungen ein außergewöhnliches Entgegenkommen gezeigt und Andrea Heitz intensiv unterstützt. So hatte die Stadt auch eigenständig die angesprochene notwendige Zufahrt fachgerecht instand gesetzt und die entsprechenden Wegsanierungs- und Freischneidearbeiten im Oktober 2016 abgeschlossen“, so die städtische Stellungnahme wörtlich.

Für die Löschwasserversorgung sei ein Löschwassertank als kostengünstigste Variante notwendig. Hierzu gebe es die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben und DIN-Regelungen. Von daher sei es bei aller Felixibilität und Kooperationsbereitschaft, der Stadtverwaltung nicht möglich gewesen, sich auf Dauer über die Brandschutzauflagen hinwegzusetzen. Denn falls etwas passiere, sei die Stadt direkt strafrechtlich haftbar.

„Von daher konnte jetzt nach fast sieben Jahren nicht mehr länger gewartet werden. Die Unternehmerin hatte sowohl im November 2016, als auch im Januar 2018 angekündigt, sie werde die entsprechenden Anforderungen zur Löschwasserversorgung umsetzen, jedoch ohne ein Datum zu nennen. Ein noch längeres Abwarten war der Stadtverwaltung nun nicht mehr länger möglich, deshalb wurde Andrea Heitz Anfang Februar letztmalig aufgefordert, binnen zwei Monaten, sprich bis zum 1. April 2018, die Löschwasserversorgung herzustellen. Dies bedeutet aber auch, dass die Versorgung mittels des Tanks auch bis zu diesem Datum noch hergerichtet werden kann und somit eine Schließung sicher abzuwehren wäre“, lässt die Stadt der Hundepensions-Betreiberin noch ein Türchen offen.

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